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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Adlerfarn; Adlerfisch; Adlerfluß; Adlergebirge; Adlerholz; Adlerkosteletz; Adlerorden

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Adlerfarn - Adlerorden

Prägeform zurück. Der A. ist (zum Preise von 125 M. für 1 kg Feinsilber) = 3,054 M.

Adlerfarn, eine Art der Gattung Saumfarn (s. Pteris), die sich durch einen unterirdischen, verzweigten, weithin kriechenden Wurzelstock von etwa der Dicke eines kleinen Fingers auszeichnet. Derselbe treibt entfernt stehende, große, oft bis 3,5 m lange, dreifach gefiederte, im Umrisse dreieckig-eiförmige Blätter, die je nach Standort mehr krautig bis derb lederartig, unterseits kahl oder behaart sind und deren meist langer, halbrunder Stiel auf einer schrägen Querschnittsfläche infolge der eigentümlichen Anordnung der Gefäßbündel eine braunschwarze Figur in Form eines X zeigt, die man mit dem Doppeladler der Heraldik oder auch mit einem JC verglichen hat, weshalb der Farn den Namen A. (Pteris aquilina L.) oder auch Jesus-Christus-Wurzel erhielt. Die betreffende Art ist in mehrern Varietäten fast über die ganze Erde verbreitet und findet sich in Deutschland auf Heideplätzen und Waldblößen, an trocknen wie feuchten Standorten, ins Gebirge bis 1800 m emporsteigend. Infolge des geselligen Vorkommens ist der A. auf Waldschlägen ein oft sehr lästiges, wegen des tiefgehenden Wurzelstockes außerordentlich schwer ausrottbares Unkraut. Wegen des nicht unbedeutenden Gehalts an Stärkemehl wurde der Wurzelstock in Zeiten von Hungersnot in Südeuropa schon zu Brotmehl vermahlen und auf mehrern Canarischen Inseln (namentlich Teneriffa, Palma, Gomera u. a.), auf denen der Farn weite Bergabhänge felderartig bis zur Höhe von 2000 m oft ausschließlich bedeckt, ist er als Helecho eine gewöhnliche Speise der ärmern Bevölkerung.

Adlerfisch (Sciaena aquila Risso), ein zu den Umberfischen (Sciaenidae), einer Familie der Stachelflosser, gehöriger, an Gestalt den Barschen ähnlicher Bewohner des Mittelmeers, sowie der wärmern und gemäßigten Teile des östl. Atlantischen Oceans, der zuweilen eine Länge von 2 m erreicht. Selten verirrt er sich in die Ostsee. Seine Farbe ist grau, auf dem Rücken ins Bräunliche ziehend, am Bauche silberig. Er lebt gesellig und giebt ein tiefes, orgeltonartiges Geräusch von sich, das man aus einer Tiefe von 20 m noch deutlich hört und dessen Entstehung noch nicht völlig aufgeklärt ist. Sein Fleisch wurde schon im Altertum sehr geschätzt. Ihm nahe steht der Rabenfisch (Corvina), dessen bekannteste Art (Corvina nigra Bl.) im Mittelmeer und an den Canaren vorkommt. Er ist schwarzbraun, Bauch- und Afterflossen sind tiefschwarz. Sein Fleisch ist weniger beliebt als das des A.

Adlerfluß, s. Markham-Fluß.

Adlergebirge, s. Böhmische Kämme.

Adlerholz, s. Agallocheholz.

Adlerkosteletz, czech. Kostelec nad Orlici, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Reichenau in Böhmen, in 291 m Höhe, an dem bei Königgrätz zur Elbe fließenden Adlerflusse, in anmutiger, vom Riesen- und Erlitzgebirge begrenzter Hügellandschaft, an der Linie Chlumetz-Geiersberg-Mittelwalde der Österr. Nordwestbahn, hat (1890) 4419 czech. E., Bezirksgericht (253 qkm, 45 Gemeinden, 76 Ortschaften, 29 066 czech. E.); großes Schloß des Grafen Kinsky mit Park (Allodherrschaft, 34,63 qkm), erbaut 1829-30 im ital. Stil von dem Wiener Heinrich Koch an der Stelle, wo das 1777 abgebrannte Schloß der Herren von Zanka und im 16. Jahrh. die Burg der Herren von Pottenstein, der ältesten Besitzer des Ortes, stand; gräfl. Zuckerfabrik mit Industriebahn, Lohgerberei, Bierbrauerei, Spiritus- und Ziegelbrennerei, künstliche Lachs- und Forellenzucht.

Adlerorden bestehen folgende vier:

1) Der Schwarze A. in Preußen, vom König Friedrich I. bei dessen Krönung 18. Jan. 1701 gestiftet, besteht nur aus einer Klasse und ist der höchste preuß. Orden. Am 19. Jan. 1703 ward das erste Ordenskapitel gehalten. Der König selbst ist Großmeister, jeder seiner Söhne geborener Ritter. Außerdem wird der Orden an inländische Militär- und Civilbeamte, die hierdurch den Rang hinter den Generalfeldmarschällen erreichen, an auswärtige Fürsten und deren vornehmste Würdenträger verliehen. Jeder Nichtadlige erhält durch den Orden den preuß. Erbadel. Die Insignien sind ein hellblaues, achtspitziges Kreuz mit vier schwarzen Adlern in den Winkeln und der Namenschiffre A. im Mittelschilde, getragen an einem breiten, orangefarbigen Bande von der linken Schulter zur rechten Hüfte. Dazu gehört auf der Brust ein achtspitziger silberner Stern mit schwarzem Adler in orangefarbenem Felde und der Devise "Suum cuique" (Jedem das Seine). Als besondere Auszeichnung werden Brillanten hinzugefügt. - Vgl. Schneider, Das Buch vom schwarzen A. (Berl. 1870). (S. Tafel: Die wichtigsten Orden 1, Fig. 26.)

2) Der Rote A. in Preußen, als Ordre de la sincérité 17. Nov. 1705 vom Erbprinzen Georg Wilhelm von Bayreuth gestiftet, 23. Juni 1777 neu konstituiert, 12. Juni 1792 von Preußen übernommen und zum zweiten Orden der Monarchie erhoben. Am 18. Jan. 1810 wurde eine zweite und dritte, 18. Jan. 1830 eine vierte Klasse und 18. Okt. 1861 als oberste Klasse das Großkreuz hinzugefügt. Ordenszeichen der ersten drei Klassen ist ein goldenes weiß emailliertes Kreuz, auf dessen weißem Mittelschilde sich vorn der gekrönte rote Adler, auf der Kehrseite der Namenszug FW. mit darübergesetzter Krone befindet; die vierte Klasse hat ein silbernes Kreuz, bei dem auf der Vorderseite das weiß emaillierte Mittelschild gleichfalls den roten Adler, die Rückseite den Namenszug in Silber zeigt. Das Zeichen wird an weißgewässertem Bande mit zwei orangefarbigen Streifen und schmalen, weißen Rändern getragen. Die Ritter der ersten Klasse tragen auf der linken Brust einen silbernen, achtspitzigen Stern mit dem roten Adler, auf dessen Brust das hohenzoll. Wappen mit der Umschrift "Sincere et constanter" (aufrichtig und standhaft) ist. Einen ähnlichen Bruststern haben die ältesten Ritter der zweiten Klasse. Wer schon die zweite und dritte Klasse hat, erhält den Orden mit Eichenlaub, d. h. drei goldene Eichenblätter am Kreuze und an der obern Spitze des Sterns. Ritter der dritten Klasse, die die vierte hatten, erhalten eine Schleife von der Farbe des Ordensbandes am Ringe über dem Kreuze. Die Ritter erster Klasse tragen das Ordenszeichen an einem breiten Bande von der linken Schulter zur rechten Hüfte, die zweiter um den Hals, die dritter und vierter im Knopfloch. Der Rote A. wird am Bande der Rettungsmedaille an Stelle einer zweiten Rettungsmedaille, seit 1848 für Kriegsverdienst auch mit zwei gekreuzten Schwertern am Bande des Eisernen Kreuzes verliehen; seit 1892 können alle Klassen mit der königl. Krone ausgestattet werden. Die Ritter des Ordens vom Schwarzen Adler sind auch zugleich Mitglieder des Roten A., dessen Kreuz sie an einem