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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Adonischer Vers - Adour

A., ohne es zu wissen, mit seiner eigenen, zu ihm auf Anstiften der Aphrodite in Liebe entbrannten Tochter Myrrha (die auch Smyrna heißt) gezeugt. Als der Vater das Verbrechen entdeckte und die Tochter töten wollte, verwandelten die Götter sie in einen Myrtenbaum. Nach zehn Monaten sprang der Baum auf und es ging aus ihm A. hervor, den Aphrodite wegen seiner Schönheit sogleich lieb gewann und insgeheim der Persephone übergab. Da diese ihn später nicht zurückgeben wollte, wandte sich Aphrodite an Zeus, der entschied, daß A. den dritten Teil des Jahres bei der Aphrodite, ein zweites Drittel bei der Persephone leben sollte; über das letzte Dritteil solle er frei verfügen können. A. starb, von einem Eber bei der Jagd verwundet. Nach einer andern Darstellung stieg Aphrodite, untröstlich über den Verlust ihres Lieblings, in die Unterwelt hinab und erwirkte hier die zeitweilige Rückkehr des A. zur Oberwelt. Aus dem Blute des A. erwuchs die Rose oder Anemone. Die Adonissage wie der Adoniskultus sind semit. Ursprungs, schon der Name, der Herr bedeutet, bekundet dies (bei den Babyloniern hieß A. Dûzi; seit Hieronymus pflegt man mit ihm auch den Gott Thammûz zu kombinieren, der nach Ezech. 8, 14 zur Zeit des Ezechiel am Nordthor des Tempels zu Jerusalem von jüd. Frauen verehrt wurde). Namentlich wurde A. als Naturgottheit in Byblos sowie auf Cypern verehrt. Von dort aus gelangte der Kultus zu den Griechen. Die Adonisfeier (Adonia), welche sich besonders auf den von der Aphrodite betrauerten Tod des schönen Jünglings bezog, wurde alljährlich meist im Hochsommer (Juli) oder im Frühling begangen. Die Feier bestand aus zwei Teilen: einem Trauerfeste, das sich auf den Abgang des A. nach der Unterwelt, und einem Freudenfeste, das sich auf seine Rückkehr zur Aphrodite bezog. Außerdem spielten dabei die sog. Adonisgärten eine Rolle, irdene Gefäße oder Körbe mit Erde gefüllt, in denen man in wenigen Tagen zarte Pflanzen trieb, die man nach dem raschen Verwelken ins Wasser warf. Die Feier der Adonien an dem Hofe von Alexandria wird von Theokrit in einem reizenden Gedichte, den Adoniazusen, geschildert. Der Adoniskultus ist aus dem Wechsel des Lebens der Natur hervorgegangen, die alljährlich mit den Strahlen der Frühlingssonne aufzuleben, unter der Gluthitze des Sommers (im Orient) und im Winter hinzuwelken, zu ersterben schien. Es spricht sich in ihm der Schmerz über die hingestorbene Schönheit der Natur, zugleich aber auch die Hoffnung auf ihr Wiedererwachen aus. Wegen der strahlenden Schönheit, die man dem A. beilegte, gebrauchten auch schon die Griechen den Namen als Bezeichnung für einen schönen Jüngling. Es giebt Darstellungen des A. in einer Statue, auf Wandgemälden, Spiegeln, Sarkophagen und Vasen. - Vgl. O. Jahn, Archäol. Beiträge (Berl. 1847); Brugsch, Die Adonisklage und das Linoslied (ebd. 1852); Mannhardt, Antike Wald- und Feldkulte aus nordeurop. Überlieferung erläutert (ebd. 1877): Greve, De Adonide (Lpz. 1877).

Adonischer Vers (Versus Adonius), eine Versart, die aus einem Daktylus und einem Trochäus oder Spondeus besteht (^[Abb: Versfuß-Angabe]), z. B. liebliche Rose. Am gewöhnlichsten ward der A. V. in der antiken Lyrik als Schlußvers einer Strophe, z. B. der Sapphischen Strophe (s. d.), verwandt, selten als durchgehendes Versmaß heiterer Lieder oder als Form knapper Sentenzen.

Adonisröschen, s. Adonis L.

Adony, Marktflecken und Hauptort des Stuhlbezirks A. (32291 E.) im ungar. Komitat Stuhlweißenburg, an der Donau und der jetzt verstaatlichten Budapest-Fünfkirchener Eisenbahn, ist Dampfschifffahrtsstation und hat (1890) 4426 meist kath. magyar. E. (1002 Deutsche), Post, Telegraph, Weinbau, Viehzucht, Holz- und Getreidehandel und eine Spiritusbrennerei. A. steht vielleicht an Stelle des röm. Vetus Salinum.

Adoptianischer Streit, s. Adoptianismus.

Adoptianismus, die Lehre des Elipandus, Erzbischofs von Toledo, und Felix, Bischofs von Urgellis, die, um das Dogma von der Gottheit Christi gegenüber den Mohammedanern zu verteidigen, behaupteten, Christus sei zwar nach seiner göttlichen Natur der wirkliche Sohn Gottes, aber nach seiner menschlichen nur von Gott angenommen, adoptiert. Die Lehre, die anfangs namentlich in Spanien Anklang fand, wurde von der fränk. Kirche auf den Synoden zu Regensburg (792) und zu Frankfurt (794) verworfen, namentlich von Alkuin bekämpft, auch von einer Synode zu Rom (799 oder 800) verdammt und verlor sich bald. - Vgl. Größler, Ausrottung des A. (Eisl. 1879).

Adoptieren (lat.), an Kindesstatt annehmen, überhaupt annehmen (eine Meinung u. s. w.); Adoption, s. Annahme an Kindesstatt.

Adorābel (lat.), anbetungswürdig.

Adoration (lat.), Anbetung; auch ein Bildwerk, in welchem ein Thronender als von Anbetenden oder Gabenbringenden verehrt dargestellt wird.

Adorĕa, der 268. Planetoid.

Adorf, Stadt in der Amtshauptmannschaft Ölsnitz der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, 4 km von der böhm. Grenze, in 444 m Höhe, an der Weißen Elster und den Linien Plauen-Eger und Aue-A. (63,70 km) der Sachs. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Plauen), Zoll- und Untersteueramtes, hat (1890) 4111 evang. E., Post zweiter Klasse, Telegraph, Bürger- und Volksschule, Sparkasse, Vorschußverein; Fabrikation von Musikinstrumenten und Perlmutter, Stickerei, Gerberei und Färberei.

Adorieren (lat.), anbeten.

Adoucieren (frz., spr. adußi-), Anlassen, Nachlassen oder Tempern, ein technolog. Ausdruck für Glühprozesse, durch die harte Metalle oder Metalllegierungen weicher und dadurch für die Bearbeitung geeigneter gemacht werden. Das Glühen muß zuweilen in einer die Oxydation verhütenden oder auch noch chemisch einwirkenden Hülle geschehen, und das Abkühlen muß langsam erfolgen. (S. Cementation.) Durch das A. wird u. a. der hämmerbare Eisenguß oder Temperguß dargestellt. Auch Bronzegegenstände pflegt man zuweilen der Operation des A. zu unterwerfen, indem man dieselben bis zur Schmelzhitze des Bleies erhitzt und dann schnell in kaltes Wasser legt. Sie lassen sich dann mit dem Hammer bearbeiten und etwas dehnen, ohne zu zerspringen oder Risse zu bekommen. Das langsame Abkühlen des Glases in Kühlöfen ist gleichfalls als eine Art A. zu betrachten, insofern es hierdurch eine gewisse Elasticität erhält. - In der Malerei bezeichnet man mit A.: die Farbe vertreiben, verwaschen.

Adour (spr.-duhr, lat. Aturus), Fluß im südwestl. Frankreich, entspringt in einer Höhe von 1931 m auf dem Tourmalet im Depart. Hautes-Pyrénées, 10 km östlich von Barèges. Nachdem er bei Ste. Marie die Quellflüsse vereinigt, auch den Abfluß des Blauen Sees aufgenommen hat, stürzt er durch das