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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Aerophor - Aetius

derart, daß der weit vernehmbare Pfeifenton zugleich die Artikulation der Stimme wiedergeben soll.

Aërophōr (grch., d. i. Luftträger), ein Apparat zum Atmen für Taucher, s. Taucherapparate.

Aëroplāne (frz.), Drachenschweber, s. Flugtechnik.

Aërostāt (grch.), s. Luftballon.

Aërostātik (grch.), ein Teil der Aeromechanik, die Lehre vom Gleichgewicht der luftartigen Stoffe oder Gase, insbesondere der atmosphärischen Luft. Diese steht ebenso wie die festen und flüssigen Körper unter dem Einflusse der Schwere und übt infolge davon einen Druck auf die Erdoberfläche aus. Diesem Einflusse der Schwere entgegen wirkt das der Luft wie allen Gasen eigene Bestreben, sich so weit als möglich auszudehnen, ihre Expansivkraft. Infolge dieser Eigenschaft wird mit der Höhe die Dichte der atmosphärischen Luft immer geringer, denn in größerer Höhe wird der Expansivkraft nur durch den verhältnismäßig geringen Druck der noch übrigen darauf lastenden Luftschichten das Gleichgewicht gehalten. Bei der leichten Verschiebbarkeit der Luftteilchen pflanzt sich jeder auf eine Luftmasse ausgeübte Druck gleichförmig nach allen Richtungen fort. So werden z. B. in einem Zimmer gleichgroße Stücke des Fußbodens, der Wände und der Decke, abgesehen von dem geringen Höhenunterschiede, ebenso stark gedrückt, wie ein unter freiem Himmel liegendes, gleichgroßes Stück der Erdoberfläche. Dies geschieht auch, wenn das Zimmer verschlossen ist, denn die noch übrigbleibenden Ritze, Spalten und Poren genügen, um den Atmosphärendruck nach dem Gesetz der Kommunizierenden Röhren (s. d.) nach innen zu vermitteln. Die Größe des Luftdrucks auf die Erdoberfläche und dessen fortwährende lokale Veränderungen lassen sich mit Hilfe des Barometers (s. d.) bestimmen. Man kann im Durchschnitt annehmen, daß die Luft auf irgend ein Stück der Erdoberfläche ebenso stark drückt wie eine 760 mm hohe Quecksilbersäule oder wie eine 10,3 m hohe Wassersäule. Dies giebt etwa 1 kg auf den Quadratcentimeter, und diesen letztern Druck braucht man gewöhnlich beim Messen des Druckes von Gasen und Dämpfen unter dem Namen Atmosphärendruck als Maßeinheit. Man mißt ihn mit dem Manometer (s. d.). Ein luftleeres, nicht genügend festes Gefäß wird leicht zerdrückt. Der gesamte Oberflächendruck auf den menschlichen Körper beträgt ungefähr 15000 kg.. - Ein von Luft umgebener Körper wiegt weniger als im luftleeren Raum; dies ist eine Folge des Auftriebes (s. d.), den die Gase mit den Flüssigkeiten gemein haben. Drückt man ein Gas zusammen, so wächst sein Druck. Den genauern Zusammenhang zwischen Druck und Volumen eines Gases hat zuerst Boyle studiert (s. Boylesches Gesetz). Taucht man ein beiderseitig offenes Rohr in eine Flüssigkeit und entfernt durch Saugen die Luft zum Teil aus demselben, so steigt die Flüssigkeit in dem Rohre, infolge des nun überwiegenden äußern Luftdrucks, empor. So erklären sich der Heber (s. d.) sowie die Saug- und Druckpumpen (s. Pumpe). (S. die Artikel: Aerostatische Presse, Atmosphäre, Atmosphärische Eisenbahnen, Feuerspritze, Heronsball, Heronsbrunnen, Kompressionsmaschine, Luftpumpe, Taucherglocke, Windbüchse.)

Aërostatische Presse oder Luftpresse, eine von Romershausen angegebene Vorrichtung zum Auslaugen. In dem mittlern Teile eines oben offenen Metallcylinders befindet sich ein doppelter Siebboden, zwischen dem die auszulaugende Substanz in gepulvertem oder sonst zerkleinertem Zustande fest zusammengedrückt wird. In den über dem Siebboden befindlichen Teil des Cylinders gießt man Wasser, Weingeist oder sonst eine geeignete Flüssigkeit und pumpt dann den unter dem Siebboden befindlichen Teil des Cylinders durch eine damit in Verbindung stehende Luftpumpe möglichst luftleer. Infolge dieser Luftverdünnung wird die oberhalb befindliche Flüssigkeit vom Luftdruck durch die Siebboden und die dazwischen eingepreßte Substanz hindurchgepreßt und auf diese Weise die Auslaugung schnell bewirkt.

Aërostiers (frz., spr. -stjeh), Bezeichnung für die 1794 in Frankreich errichteten militär. Luftschifferabteilungen (s. Luftschiffahrt [als Kriegsmittel]).

Aërotherăpie (grch.), die Verwendung der atmosphärischen Luft zu Heilzwecken, insbesondere der künstlich verdichteten oder verdünnten Luft (s. Komprimierte Luft).

Aërozōen (grch.), Aerobien, sind alle diejenigen tierischen Organismen, welche unausgesetzt oder nur mit kurzen Unterbrechungen von sauerstoffhaltiger Luft umgeben sein müssen, um leben zu können, im Gegensatz zu den Anaerobien (s. d.).

Aerschot (spr. ahrschot), s. Arschot.

Äētes, s. Aietes.

Aëtĭon, griech. Maler zur Zeit Alexanders d. Gr. Von seinem berühmtesten Bilde, der Hochzeit Roxanes und Alexanders, ist eine anziehende Beschreibung in den Schriften des Lucian ("Herod. sive Aetion", 4) erhalten, aus welcher Sodoma (s. d.) die Anregung zu seinem schönen Fresko in der Farnesina in Rom schöpfte. Eine ungefähre Vorstellung von der Komposition des Bildes des A. kann man aus dem Wandgemälde der Aldobrandinischen Hochzeit (s. d.) gewinnen.

Aëtĭus, der letzte Held des weström. Reichs, geb. 395 oder 396 n. Chr. zu Durostorum (jetzt Silistria), kam frühzeitig in die kaiserl. Garde, mußte aber seit 409 einige Jahre erst bei dem Gotenkönig Alarich, dann bei den Hunnen als Geisel zubringen. Nach seiner Rückkehr stieg er rasch zu Ehrenstellen empor. Als Kaiser Honorius (423) starb, warb A. für den Usurpator Johannes ein hunn. Hilfsheer, verglich sich jedoch 425 mit Placidia, der Mutter und Vormünderin des legitimen Thronfolgers Valentinian III., und wurde Oberfeldherr des Reichs. In dieser Stellung entwickelte er eine große und erfolgreiche Thätigkeit, wehrte 426 und 430 Angriffe der Westgoten auf Arelate ab, bekämpfte 428 und 431 die Franken am Niederrhein und schützte 430 und 431 die Alpenprovinzen gegen die Juthungen. Um seinen Einfluß zu wahren, hatte A. seinen Nebenbuhler Bonifacius (s. d.), den verdienten Statthalter von Afrika, 427 bei Placidia verdächtigt; doch versöhnte sich der letztere mit der Kaiserin und wurde, während A. sich 432 in Gallien schlug, an dessen Stelle zum Oberfeldherrn ernannt. Die Folge davon war ein Krieg zwischen beiden Heerführern, der mit dem Tode des Bonifacius und 433 mit dem vollständigen Siege des A. endete. A. trat 434, nachdem er seine Ernennung zum Patricius und Konsul erzwungen hatte, wieder in seine frühere Stellung ein und leitete seitdem mit starker Hand fast 20 Jahre hindurch die Angelegenheiten des Reichs. Ebenso tüchtig als Diplomat wie als Feldherr, wußte er die german. Völker in Gallien nicht bloß im Zaume zu halten, sondern sie auch im Interesse Roms zu benutzen. So besiegte er die Burgunder in zwei Feldzügen (435 und 436), außerdem die Kelten in Armorica (436), warf (435 - 437) den Bauernaufstand in