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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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After (medizinisch) - Aftermiete

aber ein uneheliches Kind; Aftersabbat, in Luthers Bibelübersetzung, der Tag nach dem Sabbat; Afterschlag, das Holz das vom guten abgeht (s. Abraum); Afterwelt, bei einigen Dichtern des 18. Jahrh. soviel als Nachwelt (Hagedorn: vergebens schreiben wir für Welt und Afterwelt); Afterglaube, ein falscher Glaube, Afterbrunft u. s. w.

After (Anus), die untere Mündung des Mastdarms, an welcher die Schleimhaut des letztern sich unter allmählicher Umwandlung in die äußere Haut fortsetzt. Diese Schleimhaut legt sich in der Nähe des Ä. in strahlige Längsfalten, die bei gewaltsamer Ausdehnung verstreichen und eine ziemlich beträchtliche Erweiterung der Mündung gestatten. Zwei Muskeln unterstützen den Verschluß der Mündung: ein innerer, aus ringförmig gelagerten, unwillkürlich wirkenden Muskelfasern gebildet, welcher eigentlich nur einen Teil der muskulösen Darmwand ausmacht, und ein näher der äußern Haut gelegener, aus Muskelfasern gebildet, die willkürlich angespannt werden können. Diese Schließmuskeln des A. sind für gewöhnlich nicht besonders kontrahiert, geraten aber in erhöhte Thätigkeit, wenn die Schleimhaut des untern Mastdarms gereizt wird, sei es durch andringende Kotmassen, sei es durch krankhafte Reizung (Entzündung, Geschwüre, Polypen, Vorfälle u. s. w.). In letzterm Falle kann diese Kontraktion eine übermäßige und sehr schmerzhafte werden, und heißt dann Afterzwang. Die Lähmung der Afterschließmuskeln zieht unfreiwilligen Abgang des Kots nach sich. Die Schleimhaut des A. wird, besonders in der Tiefe zwischen den erwähnten Längsfalten, häufig der Sitz von spaltförmigen Geschwürchen (Fissuren), welche wegen des Nervenreichtums dieser Hautpartie außerordentlich schmerzhaft sind und chirur. Behandlung erheischen. Der Nervenreichtum der Afterschleimhaut erklärt auch das häufige Afterjucken. Dasselbe entsteht entweder infolge einer Entzündung der äußern Haut, welche letztere in der Nähe des A. der Reibung beim Gehen und vielem Schwitzen ausgesetzt ist (sog. Afterfratt, Frattsein, Wolf), oder infolge von Anschwellung des dicht unter der Schleimhaut gelegenen reichlichen Netzes von Blutadern, in denen sich das Blut bei Stockungen desselben im Unterleibe anstaut. Die Blutadern (Venen) können dabei stellenweise zu deutlichen Knoten anschwellen, welche als Hämorrhoidalknoten bekannt sind. (S. Hämorrhoiden.) Das Afterjucken und die Schmerzhaftigkeit der Hämorrhoidalknoten werden durch Aufschlagen von kaltem Wasser oder Bleiwasser oder durch kalte Sitzbäder gelindert, durch fleißiges Aufstreichen von Fett oder Vaselin häufig verhütet. Die übrige Behandlung richtet sich nach der Ursache des Leidens. Bei Kindern wird das Afterjucken sehr oft durch die Anwesenheit eines Eingeweidewurms, des Oxyurus vermicularis, im untern Ende des Dickdarms erzeugt. Derselbe unternimmt zur Abendzeit sehr oft Wanderungen, gelangt auf diesen bei Mädchen gelegentlich auch in die äußern Genitalien und erregt heftiges Jucken. (S. Haarwürmer.)

Künstlicher A. ist eine in der Bauchwand auf operativem Wege gebildete Öffnung, welche mit dem Darme so in Verbindung steht, daß der Darminhalt durch dieselbe austreten kann. Die Herstellung einer solchen Öffnung wird nötig, wenn im untern Teile des Darms angeborener- oder krankhafterweise ein Verschluß besteht. (S. Mastdarm.) Entsteht eine ähnliche Öffnung infolge einer zufälligen Verwundung oder einer Verschwärung des Darms und der Bauchwand, so nennt man sie einen widernatürlichen A. (A. praeternaturalis). Man hat neuerdings wiederholt dieses äußerst lästige, die Ernährung sehr beeinträchtigende Übel durch Eröffnung der Bauchhöhle, Resektion der beiden betreffenden Darmenden und Vereinigung derselben mittels der Naht dauernd geheilt.

Afterbelehnung (Subinfeudatio, Obinfeudatio). Zu unterscheiden ist subinfeudatio per dationem seitens des Vasallen an einen Aftervasallen, ferner die dem Vasallen verbotene subinfeudatio per oblationem, welche zwischen ihm und dem Lehnsherrn einen neuen Lehnsherrn einschieben würde, und endlich obinfeudatio per dationem oder per oblationem, je nachdem vom Lehnsherrn ein neuer Lehnsherr nach oben oder nach unten eingeschoben wird. Bei subinfeudatio ist Gegenstand der Lehnserrichtung das weiter gegebene Untereigentum des Vasallen, bei obinfeudatio das weiter gegebene Obereigentum des Lehnsherrn. Das Weitergeben ist datio, wenn hingegeben wird, damit der Empfänger zu Lehn habe; oblatio, wenn hingegeben wird, um von dem Empfänger das Gegebene als Lehn zurückzuempfangen.

Afterbilduugen (Pseudoplasmen), s. Neubildungen.

Afterbrunft, wurde bei Rehen im August angenommen, unter der falschen Meinung, daß die wahre Brunft im November und Dezember stattfindet; die Brunftzeit liegt aber im Juli und August.

Afterbürge oder Nachbürge, s. Bürgschaft.

Afterding, s. Ding.

Aftererbe, soviel als Nacherbe (s. d.).

Afterfratt, s. After (anus).

Afterfrühlingsfliegen (Perlidae), Familie der Amphibiotica (s. d.), trüb gefärbte Insekten mit gestrecktem, flachgedrücktem Körper, ziemlich langen, borstenförmigen Fühlern und häutigen, reich geäderten Flügeln, deren Hinterpaar etwas breiter als das vordere und beim Ruhen einfach gefaltet ist. Die A. sitzen meist träge in der Nähe fliehender Gewässer an Pflanzen. Die Weibchen legen ihre Eier ins Wasser, die Larven leben von andern Insekten. Hierher gehört: Die große Uferfliege (Perla bicaudata L).

Aftergeräusche (auch anorganische oder accidentelle Herzgerausche) nennt man diejenigen am Herzen hörbaren Geräusche, welche ihre Entstehung nicht materiellen Veränderungen des Herzens oder der Herzklappen verdanken, wie die wirklichen Klappengeräusche, sondern allein entweder durch nervöse Störungen des Herzens oder durch Veränderungen in der Menge oder in der Zusammensetzung des Blutes bedingt sind. Man findet sie am häufigsten bei der Blutarmut, bei Bleichsucht und bei hohem und andauerndem Fieber. Sie bleiben ohne Einfluß auf die Cirkulation und verschwinden schließlich mit der Heilung der Grundkrankheit.

Afterjucken, s. After (anus).

Afterklauen, Afterzehen, rudimentäre, den Boden beim Auftreten nicht berührende Zehen, z. B. bei Hunden.

Afterkrystalle, veralteter Ausdruck für Pseudomorphosen (s. d.).

Afterlehn, s. Afterbelehnung.

Aftermiete (Untermiete), das Rechtsverhältnis, welches entsteht, wenn der Mieter die ihm vermietete Sache, namentlich eine Wohnung oder einen realen Teil derselben einem Dritten (Aftermieter) weiter vermietet. Das darf der Mieter, wenn es