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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ägäisches Meer

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Ägäisches Meer'

aufzuweisen als das jetzt ganz herabgekommene Monemvasia oder Napoli di Malvasia (Epidauros Limera), 135 km weit nordwärts bis in den Argolischen Golf oder Golf von Nauplia. Jenseit der mehrfach eingebuchteten Halbinsel von Argolis folgt, östlich von der Halbinsel Attika begrenzt, der Golf von Ägina, der Saronische Meerbusen der Alten, mit mannigfach gegliedertem Küstensaume, guten Ankerplätzen, wie Nea-Epidavros, Kechriäs und Kalamaki (Osthäfen von Korinth), dem Piräus oder Hafen von Athen und den Inselhäfen Ägina, Poros (Kalauria) und Kuluri oder Salamis. Östlich vom Kap Kolonnaes (Sunion), der Südspitze Attikas, liegt das langgestreckte Felseneiland Makronisi (Helena) vor dem trefflichen Hafen von Thorikon (Laurion); 17 km nördlicher Porto Raphti. Es folgt nun eine lange nordwestwärts gerichtete Küstenstrecke von Marathon an dem Küstenpasse der Thermopylen vorüber bis zum Golf von Zituni oder Lamia (Sinus Maliacus). Dieser Küste von Attika, Böotien und Ost-Lokris gegenüber liegt die große Insel Euböa lang hingestreckt, vom Festlande getrennt durch das Euböische Meer, das sich an der schmalsten Stelle zum Euripos (s. d.) verengt. Von diesem führt der Kanal von Atalanti (Sinus Opuntius) zum Golf von Lamia, in den der Hellada (Spercheios) mündet, und von diesem ostwärts der Kanal von Trikeri in den gegen N. in Thessalien eindringenden Golf von Volos oder Iolkos (Sinus Pagasaeus), dem die hakenförmig umgebogene Halbinsel Magnesia nur einen schmalen Eingang gestattet. Von der Ostspitze dieser Halbinsel zieht an der Küste Thessaliens die prächtige Bergreihe des Pelion und Ossa hin, die durch die Thalspalte des Salamvria (Peneios), das berühmte Thal Tempe, von dem mächtigen Olympos getrennt wird. Die Nordküste oder das Gestade von Macedonien und Thrazien, einst mit griech. Kolonien dicht besät, hat jetzt außer Saloniki keine bedeutende Seestadt. Im O. des Golfs von Saloniki (Sinus Thermaicus) tritt eine wunderbar reiche Entfaltung des Gestades ein: die macedon. Halbinsel oder Chalkidike mit ihrem Dreizack von Landzungen, zwei Golfen und dem berühmten Berge Athos. Dahinter folgt der Meerbusen von Réndina oder Orphani (Sinus Strymonicus). Weiterhin folgt der wichtige Hafen Kavala, die Mündung der Maritza (Hebros), der Golf von Enos (Änos), dessen Hafen aber versandet ist, und zuletzt der Golf von Saros (Melas Sinus) hinter der langgestreckten Halbinsel von Gallipoli oder dem thraz. Chersones am Hellespont. Die Ostküste des Ä. M. ist der westl. Küstensaum Kleinasiens, der aus vorspringenden gebirgigen Halbinseln besteht, zwischen denen sich die, durch Alluvionen vielfach veränderten Mündungsländer der aus reichen üppigen Thälern hervortretenden Flüsse Bakir-tschaï (Kaïkos), Gedis (Hermos), Kütschük-Menderes (Kaystros) und Böjük-Menderes (Mäander) ausdehnen, die im Altertume an blühenden Handelsstädten der Äolier, Ionier und Dorer reichen Gestade von Mysien und Troas, Lydien und Karien. Diese Küste ist in großen Golfen von dem Meere aufgeschlossen und zerspalten, aber dem Verkehr nicht minder geöffnet durch eine Menge kleinerer Meerbusen, Buchten und Häfen, und begleitet von einem Schwarme von Inseln, die von Thasos an bis Rhodos das türk. Wilajet Dschesaïr oder der Inseln bilden. Sehr groß ist die Zahl von guten geräumigen Häfen, Anker- und Landungsplätzen, aber ↔ ebenso groß die Vernachlässigung für Kriegs- und Handelszwecke, daher auch die Ausfuhr nicht bedeutend ist. Die wichtigsten Meereseinschnitte sind der Golf von Adramytti im NO. von Mytilini (Lesbos) nebst dem von Aiwalyk mit seiner Eilandgruppe, der Golf von Smyrna, von Kuschadasi oder Scalanova östlich von Samos, vom vorigen getrennt durch eine vielfach eingebuchtete Halbinsel, auf der Chios gegenüber der Hafen Tscheschme liegt; ferner die Golfe von Mendelia, von Kos und Symi an der zerspaltenen Südwestecke Anatoliens. Die Wassertiefe ist an den meisten Gestaden und zwischen den Inseln sehr bedeutend; im Peiraieus bei Athen 8,5–17 m, in der Straße von Atalanti, unterhalb des Berges Telethrion auf Euböa, schon bei 950 m von der Küste über 400 m, etwa 500 m von den Steilabhängen des Athos 150–180 m. Bei den Inseln, in der Nähe der Küste, ist gewöhnlich mit 230–270 m noch kein Grund zu finden. Doch nehmen die Gebiete von über 1000 m Tiefe nur kleine Strecken ein, solche von mehr als 2000 m finden sich nur an zwei Stellen im N. von Kreta, während die südlich angrenzenden Teile des Mittelländischen Meeres zu den tiefsten desselben gehören. Ebbe und Flut wird nur an wenigen Punkten bemerkt: am meisten noch, mit einem Niveauunterschied von 0,6 m, im Euripus, hier unter dem Einflusse örtlicher Verhältnisse. Die Strömungen, die an den Küsten entlang gehen, sind noch wenig bekannt. Eine starke, beständige Strömung tritt durch den Hellespont in das Ä. M. ein und zur Zeit der Etesien scheint eine allgemeine Wasserversetzung von NO. nach SW. im Ä. M. vor sich zu gehen. Ein anderer Strom zieht längs der Südküste Kleinasiens nach W. und stürzt sich, wenn auf dem Archipel Nordostwind herrscht, oft wie das Wasser einer geöffneten Schleuse zwischen Rhodos und dem Festlande hindurch in das Ä. M. hinein.

Die Winde des A. M. sind von ziemlicher Regelmäßigkeit. Im Sommer, namentlich im Juli und August, wehen fast beständige Nord- und Nordostwinde, die sog. Etesien der Alten, die besonders während des Tages zuweilen sturmartige Heftigkeit annehmen. Sie sind trocken, gesund, verscheuchen die ungesunden Dünste, erfüllen aber die Luft meist mit einem trocknen Hitzenebel, der die Schiffahrt erschwert. Im Altertum war die Schiffahrt von den Etesien durchaus abhängig, so daß zur Zeit ihres Wehens eine Fahrt von Süd nach Nord kaum möglich war. In der Nähe der Küsten werden die Etesien in der heißen Zeit oft ersetzt durch abwechselnden Seewind (Embates, neugrch. Emvátis) am Tage und Landwind in der Nacht. Im Winterhalbjahr wechseln die Winde häufig; bald herrschen Südwest, bald Südost, bald Nordwinde. Im ganzen ist die Winterszeit, besonders während der Übergangsmonate, stürmisch, so daß während dieser Zeit im Altertum die Schiffahrt ganz ruhte. Am meisten sind im Winter die Nordstürme gefürchtet, welche, angekündigt von dicken, tiefhängenden Wolken, lebhaften Blitzen und gewaltigen Donnerschlägen, oft auch von Schnee und Hagel begleitet, sehr heftig, fast orkanartig wehen. Im allgemeinen wird die Schiffahrt durch die meist klare Luft und den Inselreichtum erleichtert; eigentliche dichte Nebel kommen kaum vor. 1890–94 wurde das Ä. M. von Luksch und Wolf auf der Pola physikalisch-oceanographisch untersucht. – Vgl. Schott, Das A. M. (im «Globus», Bd. 67, Braunschw. 1895).