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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Agglomerieren - Aghlabiden

von lockern Gesteinsstücken, die nach ihrer Entstehung weiter keinen Transport erlitten haben.

Agglomerieren (lat.), zusammenballen.

Agglutination (lat., "Anleimung", "Verklebung"), in der Chirurgie die unmittelbare Vereinigung und Verwachsung geschnittener Wunden durch Organisation des in die Wundspalte ergossenen Exsudats. Dieses sog. Exsudat ist die bei jeder Trennung und Verletzung organischer Teile infolge der Entzündung aus dem Blute ausschwitzende Flüssigkeit (plastische Lymphe), welche bald gerinnt und sich hierauf durch Neubildung von Gefäßen zu einem Narbengewebe umbildet (Narbe). Es wird dieser Heilungsprozeß die Heilung per primam intentionem genannt. Der Chirurg sucht diesen Heilungsprozeß dadurch zu erzielen, daß er die Wundränder bald nach geschehener Verletzung in engste Verbindung miteinander bringt und in derselben mittels eines Verbandes, mittels Klebemittel (Heftpflaster, Kollodium u. s. w.) oder auch mittels Nähten erhält. (S. Naht.) Geschieht eine unmittelbare Verwachsung oder A. nicht, so erfolgt die Vereinigung mittelbar, indem vorerst unter Eiterbildung die sog. Granulationen entstehen, welche die Lücke ausfüllen, und nachher die wirkliche Heilung und Vernarbung eintritt. (S. Wunde.)

Agglutinierende Sprachen, s. Sprachwissenschaft.

Aggratiieren (lat.), begnadigen; davon Aggratiation, Begnadigung.

Aggravation (lat.), dem Verwaltungschef zustehendes Rechtsmittel im militärgerichtlichen Verfahren gegen Militärbeamte (s. Instanzengerichte).

Aggravieren (lat.), erschweren, verschlimmern.

Aggregat (lat., d. i. Anhäufung), eine Masse, die durch Verwachsung einer großen Anzahl ursprünglich getrennter Teile zu einem zusammenhängenden Ganzen entstanden ist. Im Mineralreich spielen solche A., Zusammenhäufungen von Mineralindividuen, eine große Rolle, und sämtliche Felsarten oder Gesteine sind in mineralog. Sinne A.

Aggregaten, Pflanzenordnung aus der Gruppe der Dikotyledonen, Abteilung der Sympetalen, charakterisiert durch eine meist regelmäßige und zwitterige fünfzählige Blüte, deren Kelch rudimentär als schwacher Rand oder in Form eines Haarkranzes entwickelt ist und dem unbeständigen, einfächerigen, nur eine Samenknospe enthaltenden Fruchtknoten aufsitzt. Die meisten A. haben köpfchenartige Blütenstände, in denen die Einzelblüten dicht gedrängt stehen, so daß das Köpfchen als eine Blüte erscheint. Die Ordnung umfaßt die Familien der Valerianaceen (s. d.), Dipsaceen (s. d.) und Kompositen (s. d.). Hierzu die Tafeln: Aggregaten I, II; zur Erklärung vgl. Dipsacus, Carthamus, Valeriana, Arnica, Cichorium, Absinth, Matricaria, Helianthus.

Aggregatzustand oder Aggregationsform, der durch die verschiedene Art des Zusammenhangs der kleinsten Teilchen (Moleküle oder Atome) bedingte Zustand des Körpers. Man unterscheidet drei Hauptaggregatzustände, den festen, tropfbar-flüssigen und ausdehnsam-flüssigen A. Im festen A. besitzen die Körper selbständige Gestalt und Volumen, ihre Teilchen haben einen gewissen Zusammenhang, Kohäsion (s. d.). Im tropfbar-flüssigen A. haben die Körper nur in kleinen Mengen die selbständige Tropfengestalt, in größern jedoch keine selbständige Gestalt, sondern nehmen dann die Gestalt ihrer Aufbewahrungsgefäße an. Die Kohäsion der Teilchen der tropfbaren Flüssigkeiten ist sehr gering, ihre Teilchen sind sehr leicht verschiebbar, jedoch höchst schwierig einander zu nähern, weshalb der Raumgehalt wesentlich unverändert bleibt und man die tropfbaren Flüssigkeiten für theoretische Betrachtungen als unzusammendrückbar gelten lassen darf. Im ausdehnsam-flüssigen oder gasförmigen (luftförmigen) A. haben die Körper weder selbständige Gestalt, noch selbständiges Volumen, indem die Gase jeden ihnen gebotenen Raum ausfüllen. Die kleinsten Teilchen der Gase besitzen keine Kohäsionskräfte gegeneinander, sie stieben im Gegenteil, sobald der Widerstand der Gefäßwände weicht, auseinander, so daß sie nur in geschlossenen Gefäßen sich aufbewahren lassen. Viele Körper können bei verschiedenen Temperaturen in mehrern A. auftreten, z. B. das Wasser, das fest als Eis, flüssig als Wasser und gasförmig als Wasserdampf erscheint. Auch durch Veränderung des äußern mechan. Drucks kann eine Veränderung des A. bewirkt werden. So verwandeln sich alle Gase durch genügend starken Druck und hinreichende Abkühlung in tropfbare Flüssigkeiten. Boutigny nahm (1842) einen vierten A., den sphäroidalen, an; er begriff darunter alle Erscheinungen, in denen die Flüssigkeiten eine sphäroidale Gestalt gewinnen (s. Leidenfrostscher Versuch). Über den von Crookes angenommenen vierten A. s. Strahlende Materie.

Aggregieren (lat.), zugesellen, militärisch: einem Truppenkörper, in dem bereits die etatsmäßigen Offizierstellen besetzt sind, Offiziere als überzählig zuteilen. Der aggregierte Offizier genießt in der Regel das volle Gehalt seiner Charge und trägt die Uniform des Truppenteils.

Aggression (lat.), Angriff; aggressiv, angriffsweise.

Aggtelek, s. Agtelek.

Agha, s. Aga.

Aghânî (vollständiger: Kitâb al-aghânî, d. h. Buch der Gesänge), eine der reichhaltigsten litterar- und kulturhistor. Quellen für die ersten drei Jahrhunderte des Islams, verfaßt von Abû l-Faradsch al-Isfahâni (geb. 897, gest. 967) aus Irak, der seine Abstammung auf die Omajjaden zurückführte. Das Werk enthält hundert ausgewählte Gesänge, nebst Angabe der musikalischen Begleitungsart. Daran knüpfen sich Berichte über die Lebensumstände der Sänger und Dichter, ihre Genealogie, die Gesellschaft, in deren Mitte sie lebten, ihre Gedichte und Schicksale, wodurch uns tiefe Einblicke in die Verhältnisse der vorislamischen Araber und in die des Chalifates ermöglicht werden. Von der Ausgabe von J. G. Kosegarten ("Liber cantilenarum magnus") mit lat. Übersetzung erschienen nur sechs Hefte (Greifsw. 1840-44). Die erste vollständige Ausgabe erschien in 20 Bdn. in Bulak (beendigt 1285 der Hidschra) und wurde von Rudolph Brünnow durch einen 21. Supplementband (Leid. 1888) ergänzt. Auszüge aus dem A. giebt Salhani "Choix de narrations tirées du K. e. A. (2 Bde., Beirut 1888).

Aghlabiden ist der Name einer Dynastie von Statthaltern der abbasidischen Chalifen in Nordafrika, die sich bald zu einer unter der formellen Oberhoheit des Chalifates selbständig herrschenden Dynastie gestaltete. Das wichtigste histor. Ereignis in der Herrschaft der A. ist die Eroberung Siciliens. Während der Regierung des Zijádet Allâh I. (817-838) gelang eine Landung in Sicilien (827) und die Besetzung von Mazara; 831 wurde auch Palermo bezwungen. Unter den folgenden Fürsten schritt die Eroberung immer weiter vorwärts, 843 wurde