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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Aghuri - Ägina (Insel)

Messina, 878 Syrakus erstürmt. Erst den Normannen gelang es, die A. aus Sicilien zu vertreiben. Die Herrschaft der A. in Nordafrika wurde (910) durch die Fatimiden (s. d.) gestürzt.

Aghuri, s. Arguri.

Agiaden, spartan. Königshaus, s. Agis.

Ägialea, s. Achaia.

Agias, griech. Dichter, s. Cyklische Dichter.

Ägide, s. Ägis.

Aegidi, Ludw. Karl, Jurist, Publizist und Politiker, geb. 10. April 1825 zu Tilsit, studierte 1842-47 in Königsberg, Heidelberg und Berlin die Rechte sowie Staatswissenschaften und Geschichte, war von März bis Nov. 1848 Privatsekretär der preuß. Minister Alfr. und Rud. von Auerswald und Graf Dönhoff; nach Hayms Ausweisung redigierte er mit Mor. Veit bis zum Jan. 1851 die "Konstitutionelle Zeitung". Er habilitierte sich 1853 in Göttingen und erhielt 1857 eine außerord. Professur der Rechte in Erlangen, die er bis 1859 innehatte. Während des ital. Krieges von dem preuß. Ministerium Hohenzollern-Auenwald zu Rechtsgutachten und polit. Denkschriften verwandt, veröffentlichte er unter anderm anonym die scharf gegen die österr. Politik gerichtete Schrift "Preußen und der Friede von Villafranca" (Berl. 1859); ferner: "Suum cuique, Denkschrift über Preußen" (Lpz. 1859), "Der deutsche Kern der ital. Frage" (ebd. 1859). Er förderte auch die Gründung des Nationalvereins und die Wiederherstellung der kurhess. Verfassung. 1859 übernahm er die Professur der Geschichte und Staatswissenschaften am akademischen Gymnasium zu Hamburg und im Juni 1868 eine ord. Professur der Rechte an der Universität Bonn. Dem Norddeutschen Reichstage gehörte A. 1867-70, dem preuß. Abgeordnetenhaus 1867-68 und wieder seit 1873 an; er ist Mitglied der freikonservativen Partei. Am 16. April 1871 wurde A. in das Auswärtige Amt des Deutschen Reichs berufen und am 24. Dez. zum Wirkl. Legationsrat und vortragenden Rat ernannt. Als er im Frühjahr 1877 aus seiner Stellung im Auswärtigen Amte schied, wurde er zum Geh. Legationsrat befördert und zum ord. Honorarprofessor bei der jurist. Fakultät in Berlin ernannt. Die wichtigsten seiner Schriften sind: "Der Fürstenrat nach dem Luneviller Frieden, eine reichsrechtliche Abhandlung" (Berl. 1853), "Aus dem J. 1819, Beitrag zur deutschen Geschichte" (Hamb. 1861), "Die Schlußakte der Wiener Ministerial-Konferenzen zur Ausbildung und Befestigung des Deutschen Bundes. Urkunden, Geschichten und Kommentar" (Berl. 1860), "Aus der Vorzeit des Zollvereins" (Hamb. 1865), der erste urkundliche Nachweis, daß der Zollverein das Werk der preuß. Politik ist. Im Verein mit Klauhold gab A. (Hamb.) 1861-71 "Das Staatsarchiv, Sammlung der offiziellen Aktenstücke zur Geschichte der Gegenwart" heraus (zur Zeit von Hans Delbrück fortgeführt).

Ägidianische Konstitutionen, benannt nach ihrem Urheber Kardinal Ägidius Albornoz (s. d.), ein unter Innocenz VI. 1354 verfaßter Civil- und Kriminalcodex, der bis Ende des 18. Jahrh. das Gesetzbuch des Kirchenstaates blieb.

Ägidius (frz. Gilles), Heiliger der kath. Kirche, geb. in Griechenland um 640, lebte später in Frankreich an den Ufern des Gard, zuerst als Einsiedler und später als Vorsteher eines Benediktinerklosters bei Arles. Er starb um 720. Sein Gedächtnistag ist der 1. Sept. Die angeblichen Wunder an seinem Grabe zogen viele Pilger an, und es entstand um das Kloster eine Stadt, die den Namen des Heiligen (Saint Gilles) erhielt. Er ist der Schutzpatron vieler Kirchen und Klöster in Frankreich, Deutschland, Ungarn u. s. w. und gilt als einer der 14 Nothelfer (s. d.), namentlich gegen Unfruchtbarkeit der Frauen. Er wird gewöhnlich dargestellt mit einer Hirschkuh.

Agieren (lat.), handeln, thätig sein, schauspielerisch darstellen.

Agil (lat.), flink, gewandt; davon Agilität, Gewandtheit.

Agila, Insel, s. Kythera.

Agilolfinger, das älteste Herzogsgeschlecht der Bayern, verwandt mit den Herzögen der Franken und Langobarden; ihre beglaubigte Reihe beginnt um 590 mit Garibald I.; das Geschlecht erlosch mit Thassilo III., der 788 von Karl d. Gr. der Herzogswürde beraubt und in ein Kloster gesteckt wurde (s. Bayern).

Aegilops L., Pflanzengattung aus der Familie der Gramineen (s. d.), von Triticum nur durch die zwei- bis vierzähnigen Blütenspelzen unterschieden. A. ovata. L., Gerstenwalch, ist ein in ganz Südeuropa gemeines Unkraut. Durch Kreuzung mit dem Weizen entstand der dem letztern ähnliche A. triticoides Link., der viele zur falschen Ansicht veranlaßte, daß der Gerstenwalch durch Züchten in Weizen umgewandelt werden könne. Der Bastard ist durch fortgesetzte Kreuzungen mit Triticum zu dem als Getreide brauchbaren A. speltaeformis Jord. gezüchtet worden. A. cylindrica Host. (Triticum A. Hack.) aus Südosteuropa und einige andere Arten werden zuweilen als Ziergräser in Gärten gehalten, und ihre getrockneten Ähren werden zu Gräserbouquets und zu den sog. Makartsträußen gern verwendet.

Ägina. 1) Insel nahe der Ostküste der peloponnes. Landschaft Argolis, im Saronischen Meerbusen oder Golf von A. gelegen, 86 qkm groß und durchaus gebirgig, besteht zum größten Teil aus vulkanischen Gesteinen (Trachyt), soll ursprünglich Oinone oder Oinopia (nach dem Weine, der neben Öl, Mandeln und Feigen das Haupterzeugnis des steinigen und magern Bodens bildet) geheißen haben, von Aiakos (Äacus) aber, dem Sohne des Zeus, für den dieser die bis dahin menschenleere Insel mit dem aus Ameisen geschaffenen Volke der Myrmidonen bevölkerte, zu Ehren seiner Mutter, einer Tochter des Flußgottes Asopos, Ä. genannt worden sein. In ältester Zeit scheinen Phönizier dort gewohnt zu haben. Nach der Einwanderung der Dorier in den Peloponnes nahmen Dorier von Epidaurus aus die Insel in Besitz. Nachdem sie um die Mitte des 6. Jahrh. v. Chr. das Abhängigkeitsverhältnis zu Epidaurus gelöst hatten, gelangte die Insel bald an Bevölkerungszahl, Macht und Reichtum zu einer fast beispiellosen Blüte. Die Hauptbeschäftigung der Bevölkerung war Handel und Schiffahrt; daneben auch Industrie (Fabrikation von Thonwaren, Salben und Kurz- und Galanteriewaren) und Kunst, besonders Erzbildnerei (s. Äginetische Kunst). Auch Münzen sollen in Griechenland zuerst auf Ä. geprägt worden sein. Die Macht und Blüte der Insel wurde durch die seit dem Beginn des 5. Jahrh. v. Chr. mit steigender Erbitterung von beiden Seiten geführten, nur durch die Perserkriege unterbrochenen Kämpfe gegen Athen gebrochen, die mit dem völligen Verlust der Selbständigkeit für die Insel endigten (455 v. Chr.). 431 v. Chr. wurden sogar die einheimischen Bewohner der Insel durch die Athener