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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Aegle Correa; Agaia; Ägisthus; Agitator; Agitieren; Agito; Aglauros; Ägle; Aglei; Agliardi; Aglossa; Aglossie; Agnadello; Agnano; Agnaten; Agnathie; Agneni; Agnes

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Ägisthus - Agnes (Heilige)

angebracht. Ä. ist ebenso wie die darauf befestigte Gorgo als Symbol der Sturm, Blitz und Donner bergenden Wetterwolken aufzufassen; die Schlangen oder Troddeln sind Symbole der Blitze. - Vgl. Roscher, Die Gorgonen und Verwandtes (Lpz. 1879).

Ägisthus, s. Aigisthos.

Agitator (lat.), im öffentlichen Leben der, welcher für gewisse Zwecke eifrig thätig ist, besonders die Meinung der Massen bearbeitet.

Agitieren (lat.), für etwas eifrig thätig sein.

Agito, Gewicht in Birma, s. Giro.

Agaia, eine der drei Chariten (s. d.), die Tochter des Zeus und der Okeanide Eurynome. - A. heißt auch der 47. Planetoid.

Aglauros oder Agraulos, in der attischen Sage eine der Töchter des Kekrops, denen Athene den neugeborenen Erichthonios (s. d.) in einem geschlossenen Korbe anvertraute. A. und ihre Schwester Herse öffneten diesen wider das Verbot der Göttin, wurden von Wahnsinn ergriffen und stürzten sich von dem Burgfelsen herab. Nach einer andern Sage hätte Hermes die A., weil sie, eifersüchtig auf ihre Schwester Herse, ihm den Zutritt zu dieser verwehren wollte, in Stein verwandelt. Endlich wurde erzählt, ein Orakel des Apollon habe verkündet, ein langwieriger Krieg werde enden, wenn jemand sich freiwillig opfere. Dies habe A. gethan. Dem Ares gebar A. die Alkippe. A., eine mit Athene, die selbst den Beinamen A. führte, auch im Kultus eng verknüpfte Gestalt, hatte ein Heiligtum am Abhange der Akropolis in Athen, in einer Grotte, die mit dem Vorplatze des Erechtheion zusammenhing.

Ägle, s. Aigle. - A. heißt auch der 96. Planetoid.

Aegle Correa, Pflanzengattung aus der Familie der Rutaceen (s. d.), dornige Bäume, die sich von Citrus vorzüglich durch die dreizähligen Blätter und die holzige Schale der sonst ähnlich gebauten Frucht unterscheiden. Von den zwei oder drei im tropischen Asien und Afrika heimischen Arten ist A. marmelos Correa (Ostindien, wild und kultiviert) dadurch wichtig, daß die kugelige bis birnförmige, 4-10 cm dicke, aromatische, in der steinharten Schale ein säuerlich-süßes Fleisch einschließende Frucht des kultivierten Baums in Indien frisch gegessen wird. Sie kommt auch als Fructus Belae nach Europa und ist in die engl. Pharmakopöe aufgenommen worden.

Aglei, Pflanzengattung, s. Aquilegia.

Agliardi (spr. aljárdi), Antonio, päpstl. Nuntius in Wien, geb. 4. Sept. 1832 zu Cologno, studierte in Rom Theologie und Rechtswissenschaft, war dann 12 Jahre Pfarrer in Bergamo, bis ihn Pius IX. 1877 auf den Lehrstuhl der Theologie am Collegium de propaganda fide berief und ihm die Leitung der Geschäfte für China, Indien und Australien übertrug. 1884 von Leo X11I. zum Erzbischof von Cäsarea in Palästina ernannt, wurde A. alsbald als apostolischer Delegat nach Ostindien gesandt, um in der Goafrage ein Konkordat mit Portugal zu erzielen; 1886 ging er wiederum nach Indien, um dort die kath. Hierarchie zu begründen. 1887 als Sekretär der außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten nach Rom berufen, wurde er 1889 apostolischer Nuntius in München, 1893 in Wien. Hier erfuhr er wegen seiner persönlichen Einmischung in die kirchenpolit. Streitigkeiten Ungarns April 1895 öffentliche Zurückweisung durch die ungar. Regierung, was Kalnokys Sturz im Gefolge hatte.

Aglossa (grch.), s. Zungenlose.

Aglossie (grch.), angeborener Mangel der Zunge.

Agnadello (spr. anja-), Flecken im Kreis Crema der ital. Provinz Cremona, unweit Lodi, hat (1881) 1734 E. Hier siegten 14. Mai 1509 die Franzosen über die Venetianer und 16. Aug. 1705 im Spanischen Erbfolgekriege der Herzog von Vendôme über den Prinzen Eugen (dessen einzige Niederlage, gewöhnlich Schlacht von Cassano (s. d.) genannt).

Agnano (spr. anjáno), ein wegen seiner schädlichen Dünste seit 1870 trocken gelegter Kratersee, 8 km westlich von Neapel, auf dem vulkanischen Boden der Phlegräischen Felder, in einer düstern Gegend zwischen Posilipo, Camaldoli und dem Astroni-Krater. Ehedem hieß der See Anguiano, von den vielen Schlangen in der Umgegend. Er hatte 6 km im Umfang, eine Tiefe von ungefähr 20 m und war ohne sichtbaren Zufluß und Abfluß; sein Spiegel lag nur 5,5 m über dem Meere; sein kaltes Wasser sprudelte und kochte zuzeiten in die Höhe. Rechts daneben die Hundsgrotte (s. d.), links die Schwefeldunst- oder Schwitzbäder (stufe) von San Germano, die gegen Syphilis, Gicht und Podagra gebraucht werden. Die den See umschließenden Vulkane sind seit 1198 erloschen. Weiter links führt ein Hohlweg durch die Leukogäischen Berge nach der Solfatara und Pozzuoli. Eine herrliche Aussicht auf die Umgebung bietet sich von dem 3,5 km geqen Norden entfernten Krater Astroni (240 m). Am Grunde befindet sich ein kleiner See und ein glockenförmiger Hügel (60 m) Rotondella.

Agnaten (lat.), im röm. Rechte diejenigen, welche unter derselben väterlichen Gewalt stehen oder stehen würden, wenn der Stammvater noch lebte. Die Agnation konnte nur durch Zeugung begründet werden, nicht durch Geburt, aber auch durch Annahme an Kindesstatt (s. d.). Zu den A. gehörten, außer dem Vater (pater familias) und dessen in rechtmäßiger Ehe erzeugten Kindern, die Kinder der Haussöhne, die nach röm. Recht in der Gewalt des Vaters befindliche Schwiegertochter u. s. w.

Ganz andere Bedeutung hat das Wort A. für das Folgerecht in Familienfideïkommisse und Lehen. Hier heißen die durch Männer verwandten Männer A., alle übrigen Verwandten Kognaten. Das Preuß. Allg. Landrecht und die spätere Gesetzgebung spricht bei Familienfideïkommissen nur von Familienfideïkommißanwärtern, vgl. 11,4, §§. 80 fg.; Gesetz vom 15. Febr. 1840. über die Bedeutung der A. in der fürstl. Erbfolge f. Thronfolge.

Agnathie (grch.), Mißbildung mit fehlendem Unterkiefer und fehlender unterer Gesichtshälfte.

Agneni (spr. anjéni), Eugenio, ital. Maler, geb. 1819 in Sutri bei Rom, bildete sich unter Coghetti aus und widmete sich vornehmlich der Freskomalerei; 1847 schmückte er den Thronsaal im Vatikan mit Fresken, ebenso die Kapelle des heil. Vincenz von Paula auf dem Monte-Citorio. Wegen Teilnahme an der Revolution 1848 flüchtig, ging er nach Genua, wo er zahlreiche Wandbilder für dortige Paläste schuf. Darauf begab er sich 1852 erst nach Paris, dann nach London, wo er die königl. Familie und im Salon der Königin im Covent-Garden-Theater mytholog.-allegorische Darstellungen malte, 1859 ließ er sich in Florenz nieder und beschäftigte sich mit ähnlichen Arbeiten; außerdem lieferte er Porträts und Genrebilder. Er starb 25. Mai 1878 zu Frascati.

Agnes, die Heilige, nach der Legende eine schöne christl. Römerin, welche die Ehe mit dem Sohne des röm. Stadtpräfekten ausschlug, in ein Freudenhaus gebracht, und als sie auch hier unversehrt blieb,