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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Agronomie; Agropyrum; Agrostemma; Agrostis; Agrumi; Agrypnia; Agrypnie; Agtelek

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Agronomie - Agtelek

läßt Tacitus unentschieden. Von ihren Söhnen hatten Nero und Drusus (31 und 33) schon vorher auf dieselbe Weise ihr Ende gefunden, der jüngste, Caligula, wurde (37) Kaiser. Berühmt ist die Statue der A. im Kapitolinischen Museum zu Rom (s. Tafel: Römische Kunst III, Fig. 3). - 3) Die jüngere A. (Julia), Tochter der vorigen und des Germanicus, geb. 16 n. Chr. in der Stadt der Ubier (Köln), vermählte sich mit Domitius Ahenobarbus (s. Domitier), dem sie Nero, den spätern Kaiser, gebar. Gleich ihren Schwestern Drusilla und Livilla lebte A. mit ihrem Bruder Caligula und andern Männern in verbrecherischem Umgange. Mit Livilla wurde sie wegen Mitwissenschaft von der Verschwörung des Lepidus gegen Caligula (40) nach den Pontinischen Inseln verwiesen. Nach Caligulas Ermordung (41) von Claudius zurückgerufen, vermählte sie sich mit Passienus Crispus, den sie des reichen Erbes wegen aus dem Wege geschafft haben soll. Als die berüchtigte Messalina 48 ihr Ende gefunden, bewirkte A. ihre Vermählung mit Kaiser Claudius, der unter Zurücksetzung seinem eigenen Sohnes Britannicus, Nero adoptieren und diesem 53 seine Tochter Octavia vermählen mußte. In die Geburtsstadt der A. wurde auf ihr Verlangen eine Kolonie geführt und nach ihr Colona Agrippinensis (Köln) benannt. Nachdem sie 54 den alten Kaiser hatte vergiften lassen und Nero Kaiser geworden war, regierte sie für ihren Sohn, wurde aber durch Burrus und Seneca, den Erzieher des Nero (s. d.), bald verdrängt. Sie suchte zwar ihren Einfluß mit allen Mitteln wiederzugewinnen, zum Teil durch die Drohung, Britannicus an Neros Stelle zum Kaiser ausrufen zu lassen. Dies hatte aber die Ermordung des Britannicus und den völligen Bruch zwischen Sohn und Mutter zur Folge und 59 wurde sie auf Befehl des Nero ermordet. Von A. sind mehrere Statuen erhalten, die berühmtesten in der Villa Albani in Rom und zu Neapel. - Vgl. Stahr, A., die Mutter Neros (2. Aufl., Berl. 1880); Beulé, Le sang de Germanicus (Par. 1869; deutsch Halle 1874); Schiller, Geschichte des röm. Kaiserreichs unter der Regierung des Nero (Berl. 1872).

Agronomie (grch.), die Lehre von den Bedingungen des Wachstums der Nutzpflanzen (s. Ackerbau).

Agropyrum Gärntn., Pflanzengattung aus der Familie der Gramineen (s. d.). Man kennt gegen 20 in den gemäßigten Zonen sehr verbreitete Arten; dieselben wurden früher zur Gattung Triticum (s. d.) gerechnet. Die bekannteste ist die überall auf Getreidefeldern vorkommende sog. Quecke, auch Hundsweizen, Pädergras oder Zwecken genannt (A. repens Gärtn.). Sie ist wegen ihres weit umherkriechenden, vielfach verzweigten, den Boden in allen Richtungen durchziehenden Rhizoms, dessen kleinste, im Boden verbliebenen Stücke neue Pflanzen zu entwickeln vermögen, ein sehr schwer zu vertilgendes Unkraut; doch gewähren die Quecken auch einigen Nutzen als gesundes Futter und als Düngemittel. Die süß schmeckenden Wurzelsprossen der Quecken (Queckenwurzeln) waren früher als Rhizoma Graminis nebst dem daraus bereiteten Extractum Graminis offizinell. Ein Vorteil der Quecken besteht darin, daß sie an Küstengegenden den Flugsand schnell befestigen, mit der Zeit verbessern und dann eine gesunde Weide gewähren.

Agrostemma L., Pflanzengattung aus der Familie der Caryophyllaceen (s. d.) mit nur einer Art, der Rade oder Kornrade (A. Githago L., Lychnis Githago Lam., Githago segetum Desf.), ein einjähriges Unkraut der Getreideäcker, mit 0,5-1 m hohem, aufrechtem, oberwärts ästigem, zottigem Stengel, der dunkelpurpurrote, schön gezeichnete Blüten trägt (s. Fig. 3 zum Artikel Centrospermen). Die sitzende, vom bleibenden Kelche eingeschlossene Kapsel springt mit fünf den Fruchtblättern entsprechenden Zähnen auf und enthält zahlreiche schwarze, nierenförmige, höckerige Samen. Da diese wahrscheinlich einen giftigen Körper enthalten, so sucht man durch sog. Radensiebe das Getreide von ihnen zu reinigen, auch um einem Überhandnehmen dieses Unkrauts bei neuen Aussaaten vorzubeugen.

Agrostis L., Pflanzengattung aus der Familie der Gramineen (s. d.) mit gegen 100 Arten in den wärmern und gemäßigten Gegenden, besonders aber in Amerika zahlreich; einjährige oder andauernde Gräser mit ausgebreiteten Rispen und einblütigen Ährchen. Von den in Deutschland einheimischen Arten ist A. Spica venti L., Apera Spica venti Beauv. (Windhalm, große Meddel, Schlinggras, s. Tafel: Gramineen IV, Fig. 1), durch 0,3-1,6 m hohen Halm und weitschweifige Rispe ausgezeichnet, auf Sandboden, besonders wo er sich auf Getreideäckern einnistet, ein sehr lästiges Unkraut, dessen Körner noch vor der Erntezeit ausfallen, das daher vor der Aussaat im Frühjahre durch mehrmaliges Umackern des Bodens möglichst beschränkt werden muß. Gleichfalls in Deutschland einheimisch ist A. alba L. (weißes Straußgras, Fioringras), das auf feuchtem Boden zu den bessern Futtergräsern gehört und besonders auch auf salzhaltigem Boden (Küstenwiesen, um Salinen) gedeiht. Wegen ihrer zierlichen ausgebreiteten Rispen eignen sich diese und andere Arten, besonders auch A. elegans Thone (Südeuropa), sehr gut zu Bouquets u. dgl.

Agrumi (entstanden aus dem mittellat. agrumen, in der Mehrzahl agrumina, das vom altlat. acer, scharf, sauer, ital. agro abgeleitet), in Italien ein Gesamtname für Früchte mit sauerm oder säuerlich schmeckendem Safte, wie besonders für die Citronen, Pomeranzen und die Früchte anderer Orangengewächse. Der Haupthandelsplatz ist Hamburg und dann Triest. Unter dem Titel "Agrumi" gab Kopisch eine Sammlung ital. Volkslieder in deutscher Übersetzung (Berl. 1838) heraus.

Agrypnia, s. Pannychis.

Agrypnie (grch.), Schlaflosigkeit (s. d.). Eine besondere Form derselben ist die, daß der Kranke große Neigung zu Schlaf und Schlaftrunkenheit zeigt, ohne doch wirklich einzuschlafen. Diese Krankheit nennt man Agrypnocoma oder Coma vigil, Wachschlafsucht. Sie findet sich besonders im Typhus und wird hier auch wohl Typhomanie genannt.

Agtelek, Aggtelek, Dorf im ungar. Komitat Gömör, an der Grenze gegen das Komitat Abauj-Torna, bat 490 magyar., meist reform. E. und Post, ist berühmt durch die Agteleker Höhle oder Baradla (slaw., d. i. dampfender Ort), die größte Tropfsteinhöhle Europas. Diese geht an einer kahlen, 48 m hohen Felswand des Hügels Baradla im Nordwesten des Dorfs mit einer kaum 1 m hohen und 1,5 m breiten Öffnung zu Tage und besteht aus einer Reihe labyrinthisch ineinander laufender Höhlen, Klüfte und Gänge, von denen viele mühselig und bei hohem Stande der darin fließenden Gewässer (Acheron und Styx und der Bach der Rettichhöhle) gar nicht zu besuchen sind. Man unterscheidet die Alte und die sich anschließende Neue Höhle, von