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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ägypten (Bodengestaltung und Bewässerung)

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Ägypten (Bodengestaltung und Bewässerung)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Ägypten (Lage und Grenzen)'

major) in einem weiten Bogen durch die Libysche Wüste hin, so daß sich das Gebiet nach S. verschmälert. Die Südgrenze gegen Nubien ist zur Zeit noch infolge des Mahdi-Aufstandes im Sudan unbestimmt; doch dürfte eine von Wadihalfa nach Nordosten zum Om el-Ketef (dem Golf von Berenice) am Roten Meer gezogene Linie, das Gebiet der Ababdeh ein- und das der Bischarin ausschließend, dem wirklichen Verhältnis am nächsten kommen. Die Vollendung des Sueskanals hat Ä. zum wichtigsten Mittelgliede zwischen dem äußersten Osten und dem äußersten Westen, zwischen Australien und China und Großbritannien, gemacht. Den Flächeninhalt des eigentlichen Ä. (mit Ausschluß der ehemaligen Besitzungen im Sudan u.s.w.) berechnet der ägypt. Generalstab zu 1021354 qkm, wovon jedoch nur 30500 qkm (Delta, Nilthal, Fajum und einige Oasen) kulturfähig sind; 1887 waren aber nur 20842 qkm angebaut, die Gesamtfläche aller Kulturen betrug jedoch 25709 qkm, so daß 24 Proz. des Bodens mehrmals bebaut wurden.

Bodengestaltung und Bewässerung. Das außer dem Nilthal und den Oasen zu Ä. gehörende Gebiet ist eine felsige Wüstenregion, die durch das Nilthal in zwei sehr ungleiche und ungleichartige Hälften geschieden wird. Die östl. Wüste wird nach dem Vorgange der alten Geographen die Arabische, die westliche die Libysche Wüste genannt; jedoch gilt die letzte Bezeichnung auch für den ganzen östl. Teil des nordafrik. Wüstengebietes zwischen Nil und 17° 20' östl. L. von Greenwich. Während die Arabische Wüste einen durch weitverzweigte Thalsysteme stark differenzierten Gebirgscharakter zeigt, bietet die libysche Seite nur einförmige Sandflächen und gleichmäßige Hügelwellen ohne ausgeprägte Thalbildung dar. In geringem Abstände vom Roten Meer zieht parallel mit dem Ufer eine Gebirgskette von Granit und Porphyr bis 28° 40' nördl. Br., der nördlichste Ausläufer der abessin. Gebirgsmasse, deren höchste Spitzen von 1500 bis 2000 m im Ghārib unter 28° 6' nördl. Br. gipfeln. Dieses Küstengebirge lehnt sich landeinwärts an den Ostabfall des ägypt. Nummulitenkalkplateaus, dessen Südgrenze eine von Edfu am Nil nach Kosseïr am Roten Meere gezogene Linie bezeichnet. Das Kalkplateau, das am Ostende nahe dem dem Roten Meere zugekehrten Steilabfall seine höchste Anschwellung hat, erreicht beim Kloster St. Antonius unter 28° 50' nördl. Br. eine Meereshöhe von 1500 m; von diesem Ostrande aus verlaufen zum Nil zahlreiche Thäler mit meist tief eingeschnittenen, engen Betten. Der Abfall dieses östl. Kalkplateaus zum Nil geschieht in mehrern Stufen gebirgsartig und steil, während die Libysche Wüste allmählich sich abdacht. In Wirklichkeit giebt es außerhalb der Region der krystallinischen Berge in der östl. Thebaïde und dem erwähnten Küstengebirge keine Bergketten in Ä., sondern nur mehr oder weniger geradlinige Plateauabstürze und Stufen. Im O. und NO. von Kairo und nilaufwärts bis Siut findet sich nur oberer Eocän- (Nummuliten-)Kalk, ab und zu mit aufgelagerten Miocänbildungen; darauf folgt bei Esneh und Theben obere Kreide, endlich von Edfu an bis Assuan Sandstein von derselben Art, die Nubien aufbaut. Granit und andere plutonische Gesteine durchbrechen bei Assuan in mächtigen, bis zu 300 m Höhe sich erhebenden Massen diesen Sandstein und setzen quer durch den Nil. Vulkanische Gebilde (Basalte) treten im eigentlichen Ä. nur an wenigen Stellen und stets in sehr ↔ geringer Ausdehnung auf, z. B. bei der Oase Farafrah, bei Abu Sabel am Ismailijeh-Kanal 25 km nördlich von Kairo und am Nord- oder am Südabfall des Plateaus der nördl. Galala in 29° nördl. Br. Vulkanische Ausbrüche kennt man nicht aus histor. Zeit, wohl aber Erdstöße, deren einer, von Strabo erwähnt, 27 v. Chr. den Oberteil der Memnonsstatue herabwarf. Vor allem gab es Erdbeben von furchtbarer Wirkung in den ersten 4 Jahrh. n. Chr. Die Libysche Wüste wird gleichfalls aus ältern Tertiärgesteinen gebildet. In den Oasenkesseln tritt am Fuße der dieselben umschließenden Steilabstürze obere (weiße) Kreide hervor, während die Sohle selbst, wie z.B. in der Großen Oase, aus nub. Sandstein besteht. Die oberste Kreide tritt auch am Ostabfall des Kalkplateaus am Roten Meere und in der Nähe von Kairo bei der nördlichsten Pyramide von Abu Roasch zu Tage, wo sie indes eine Ausdehnung von nur wenigen Quadratkilometern besitzt. Die älteste Sedimentformation von Ä., der Kohlenkalk, erscheint auf dem Grunde des Wadi Arabah in der Nubischen Wüste 15 km westlich vom Kap Safraneh unter 29° 10' nördl. Br. als Unterlage des nub. Sandsteins und der Kreide.

Oberägypten (11589 qkm), von Kairo bis zur Südgrenze, ist ein schmales Thal, in dessen Grunde der Nil fließt. Das Thal erweitert sich bis zu etwa 25 km, ist aber an der schmalsten Stelle, am Dschebel Selseleh unterhalb Assuan, nur eine an der Sohle auf 200 m verengte Schlucht. Der Strom selbst ist wohl nirgends breiter als 1000 m und hat ein schwaches Gefälle, da Assuan nur 91,6 m höher liegt als Kairo, so daß auf 1 km etwa 0,1 m Gefälle kommt, von Kairo bis zum Meere sogar nur 0,01 m. Der Flächeninhalt der zum Teil unkultivierbaren Inseln im Nil innerhalb Oberägyptens beträgt etwa 1100 qkm, ist aber infolge der Überschwemmungen jährlich wechselnd. Größtenteils fließt der Strom am Fuße der meist steil aufsteigenden Felsen des Ostrandes hin, während ihn links ein breiter und flacher Uferstreif begleitet, der zu dem sanfter aufsteigenden Westgehänge den Übergang macht. Die Kanäle entziehen hier dem Nil viel Wasser, und das ist einer der Gründe, weshalb der Hauptwasserfaden hier unbedeutender erscheint als im obern Laufe. – Unterägypten, das Delta im weitern Sinne, erstreckt sich von Kairo nördlich bis an den langen Rand von Dünen und Felsriffen, der, ein zu Sandstein umgebildeter Meeressand, sich am Meere von Kyrenaika aus gen Osten hinzieht. Südlich von diesem Walle liegen große Brackwasserseen teils durch Überflutungen bei stürmischer See, teils durch die Nilüberschwemmungen entstanden, meist nur Salzsümpfe darstellend, namentlich der Mariussee oder Mareotis, der 1 m tiefe See von Abukir oder der Madieh, der von Edku, der sehr flache von Burollos oder Burlos und der größte und tiefste, fischreiche Mensaleh (64 km lang, 24 km breit). Die Länge des Deltas von der Küste bis zum Teilungspunkte des Nils, dem Batn el-Bakrah, 15 km nördlich von Kairo, beträgt 150 km und der Flächeninhalt des gegenwärtigen Deltas wird zu 16070 qkm veranschlagt. Außer den Strandseen hat Ä. eine Reihe von Seen auf der Landenge von Sues; der Kanal von Sues durchschneidet: den Ballahsee, den Timsahsee und das durch den Kanal gespeiste Bassin der Bitterseen; für die Bewässerung Ä.s wichtig ist außerdem der durch den Jussuffkanal gefüllte Birket el-Kerun in

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 229.