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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Akademien

fragen aus der Geschichte, der Nationalökonomie, der Mathematik und Naturwissenschaft stellt und die gekrönten Preisschriften (bis 1892 29 Bde.) drucken läßt. 6) Die 19. Juli 1754 gegründete Akademie gemeinnütziger Wissenschaften in Erfurt, die "Jahrbücher" herausgiebt. - Vgl. Müller, Die wissenschaftlichen Vereine und Gesellschaften in Deutschland (Berl. 1884); Minerva, Jahrbuch der gelehrten Welt (Straßb. 1893).

II. In Österreich-Ungarn: 1) Die 30. Mai 1846 ins Leben getretene Kaiserliche Akademie der Wissenschaften zu Wien, zerfällt in eine mathem.-naturwissenschaftliche und eine histor.-philos. Klasse, giebt "Denkschriften", "Sitzungsberichte" und einen "Almanach" heraus. Eine aus Mitgliedern der Akademie gebildete histor. Kommission veröffentlicht u. a. die "Fontes rerum austriacarum", die "Monumenta Habsburgica" und das "Archiv für österr. Geschichte". 2) Die 1759 von dem Naturforscher Ignaz von Born (s. d.) gegründete Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften zu Prag. Diese zerfällt jetzt in zwei Abteilungen, eine deutsche und eine czechische, die in deutscher und czechischer Sprache "Abhandlungen" und "Sitzungsberichte" erscheinen lassen. 3) Die Akademie der Wissenschaften zu Krakau (bis 1872 "Gelehrte Gesellschaft"), veröffentlicht einen "Anzeiger". 4) Die Ungarische Akademie der Wissenschaften zu Budapest, nach vielfachen Versuchen (schon im 15. Jahrh.) und Entwürfen (besonders im 18. Jahrh.) 1825 auf dem Preßburger Reichstage, wo Graf Stephan Széchényi zu diesem Zwecke 60000 Fl. spendete, gegründet und 14. Febr. 1831 eröffnet, besteht aus drei Klassen: einer sprach- und schönwissenschaftlichen, einer philosophisch-historisch-staatswissenschaftlichen und einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse. Die Akademie veröffentlicht die "Monumenta Hungariae historica"; unter ihrer Mitwirkung erscheint die "Ungar. Revue" und "Litterar. Berichte aus Ungarn" sowie "Sitzungsberichte", "Jahrbücher" u. a. in ungar. Sprache. 5) Die Südslawische Akademie (Jugoslavenska Akademija znanosti i umjetnosti) zu Agram, 1861 gegründet.

III. In Frankreich bestehen neben dem Institut de France (s. d.) zahlreiche Gelehrtengesellschaften in den Provinzen, die meist den Titel Académie des sciences, belles-lettres et arts führen, teilweise auch die Landwirtschaft oder die Altertumskunde als besondere Zweige in ihren Wirkungskreis ziehen. Unter ihnen sind die A. zu Angers, Bordeaux (seit 1753), Clermont-Ferrand, Caen (1705), Lyon (1700), Dijon (1740), Lille, Amiens (1750), Arras, Marseille (1726), Reims, Toulouse (1782), Nancy (Académie de Stanislas), Rouen (1736), Orleans hervorzuheben. Alle veröffentlichen "Mémoires", über die in der "Revue des sociétés saventes" berichtet wird.

IV. In Italien sind, abgesehen von der Crusca (s. d.), als A. hervorzuheben: 1) Academia reale delle scienze zu Turin, 1757 als Privatverein gestiftet, seit 1783 königl. Institut, das namentlich auf dem mathem.-physik. Gebiete Vorzügliches geleistet hat. Sie giebt seit 1759 ihre Denkschriften heraus, seit 1865 auch Sitzungsberichte unter dem Titel "Atti". 2) Reale Instituto Lombardo di scienze, lettere ed arti zu Mailand, das 1820 von Bologna hierher verlegt, 1838 seine gegenwärtige Form erhielt, gleichzeitig mit der Gründung des 3) Istituto Veneto 4) Accademia di scienze, lettere ed arti zu Padua seit 1779. 5) Ateneo di scienze e belle lettere zu Brescia seit 1801. 6) Istituto di Bologna, 1712 gestiftet, 1820 nach Mailand verlegt, 1829 von Pius VIII. in Bologna erneuert. 7) Società Italiana delle scienze zu Modena. 8) Accademia dei Lincei zu Rom (s. d.). 9) Die Akademie der Arkadier (s. d.) zu Rom. 10) Accademia de' nuovi Lincei in Rom, gestiftet 1847 von Pius IX., die angesehenste der italienischen A., deren "Atti" die offiziellen Berichte der ital. Ausgrabungen bringen. 11) Die 1657 gegründete, 1783 erweiterte Accademia del Cimento zu Florenz. 12) Accademia dei Georgofili in Florenz, seit 1752 der Landwirtschaft gewidmet, giebt "Atti" heraus. 13) Nuova Società Reale in Neapel (1861 reorganisiert). Unbedeutendere A. bestehen zu Catanea, Genua, Lucca, Messina, Palermo, Rovigo, Pistoja, Siena u. a.

V. In Spanien bestehen zu Madrid, außer der von Philipp V. 1713 für Reinerhaltung und Ausbildung der castil. Sprache gegründeten Real Academía española (berühmt ist das von ihr herausgegebene große span. Wörterbuch), noch die Real Academía de la historia, gestiftet 1738, der die span. Geschichtsforschung und die Oberaufsicht über die Altertümer obliegt, und die 1847 errichtete Academía real di ciencias, in drei Klassen (exakte, physik. und Naturwissenschaften) zerfallend. Seit 1858 ist hierzu noch eine Real Academía de ciencias morales y politicas getreten. Die gelehrten Gesellschaften in den Provinzialstädten sind sämtlich unbedeutend.

VI. In Portugal besteht die Academia rela das sciencias, 1779 begründet, 1851 reorganisiert, zerfällt in zwei Klassen, die eine mit den Sektionen für Mathematik, physik. Wissenschaften, Medizin, Naturgeschichte und angewandte Wissenschaften, die zweite mit Sektionen für schöne Litteratur, moralische und polit. Wissenschaften, Jurisprudenz, Geschichte und Altertumskunde.

VII. England hat keine A. im kontinentalen Sinne, doch gehört nach der Bedeutung ihrer Leistungen hierher die Royal Society of London (1645 als Privatgesellschaft zu Oxford gegründet, 1658 nach London verlegt, 1660 zu einer Staatsanstalt erhoben, aber erst 1663 als solche eröffnet), die bis 1800 bereits 90 Bände ihrer "Philosophical Transactions" und seitdem jedes Jahr einen Band veröffentlicht hat, außerdem "Proceedings of the Royal Society". - Vgl. Thomson, History of the Royal Society (1812) und Weld, History of the Royal Society, with memoirs of the presidents, compiled from authentic documents (2 Bde., 1848). Die 1783 zu Edinburgh begründete Royal Society und die zu Dublin 1782 errichtete Royal Academy of sciences lassen ebenfalls "Transactions" und (seit 1836) "Proceedings" erscheinen.

VIII. In den Niederlanden wurde 1808 von König Ludwig das Koninglijke Nederlandsche instituut van wetenschappen, letterkundeen schoone kunsten zu Amsterdam gestiftet, das 1852 in eine Akademia van wetenschappen verwandelt wurde. Daneben sind noch zu nennen: Maatschappij der wetenschappen zu Haarlem (gestiftet 1752); die Zeenwsch genootschap der wetenschappen seit 1768 zu Middelburg; die Provinciaal genootschap van kunsten en wetenschappen seit 1777 zu Utrecht; endlich die Bataviaasch genootschap zu Rotterdam, 1773 gestiftet.

IX. In Belgien nimmt den ersten Rang die Académie royale des sciences, des lettres et des beaux-arts zu Brüssel (seit 1816) ein, die 1773 gestiftet, in den Wirren der Revolutionskriege auf-^[folgende Seite]