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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Akrolithen; Akromegalie; Akron; Akropolis; Akrostichon; Akroterion; Akrylsäure; Aksájskaja Staniza; Aksákow

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Akrolithen - Aksakow

2 Teilen Kaliumbisulfat. Das Destillat wird nochmals über Bleioxyd destilliert. Man muß dabei die furchtbar riechenden, Nase und Augen auf das heftigste reizenden Dämpfe des A. ins Freie ableiten. Das A. ist eine farblose, bewegliche, bei 52° siedende Flüssigkeit, deren höchst widerlicher Geruch beim Erhitzen von Fett wahrnehmbar ist. Beim Aufbewahren verwandelt sich das A. durch Polymerisation in eine amorphe weiße Masse. Ein glimmender Docht und schlecht brennende Öl- oder Petroleumlampen entwickeln schädliche Akroleindämpfe.

Akrolithen (grch.), Werke der Plastik, deren Rumpf von Holz ist, deren Außenteile dagegen von Stein sind. Diese Technik hat sich gleich der sog. chryselephantinen Tecbnik (s. Cbryselephantin) aus der Holzschnitzerei mit Bemalung entwickelt.

Akromegalie (grch., "übermäßige Entwicklung der Gliedmaßen"), eine eigentümliche, im ganzen seltene Erkrankung des Knochengerüstes, welche sich durch eine auffallende Größenzunahme der Hände, der Füße und des Gesichts (Nasenknochen, Jochbeine, Unterkiefer) zu erkennen giebt. Die Krankheit entwickelt sich meist vor dem 30. Lebensjahre. Die Vergrößerung ist nur durch eine krankhafte Hypertrophie der Knochen bedingt, während die Weichteile in der Regel keinerlei Abnormität zeigen. Zuweilen werden nur einzelne Finger und Zehen von der Krankheit befallen: in andern Fällen sind außer den Händen und Füßen auch die Gesichtsknochen, das Brustbein, die Rippen und die Wirbelsäule hypertrophisch. Daneben findet sich in einzelnen Fällen eine beträchtliche Vergrößerung des Herzens, des Gehirns, besonders des Hirnanhanges, der Schilddrüse und der Thymusdrüse, sowie eine bemerkenswerte Steigerung des Durstgefühls. Wesen und Ursache der Krankheit sind noch ganz dunkel; ebensowenig ist ein Heilmittel bekaunt. - Vgl. Freund, Über A. (Lpz. 1889).

Akron, Hauptstadt des County Summit im nordamerik. Staate Ohio, 52 km südlich von Cleveland, am höchsten Punkt des Ohio-Erie-Kanals, der hier durch eine Reihe von Schleusen, die der Fluß Cuyahoga speist, bedeutende Wasserkraft darbietet, liegt 150 m über dem Spiegel des Ohio bei Portsmouth, 138 m über dem Eriesee und 291 m über dem Atlantischen Ocean und hat (1890) 27 601 (1880: 16 512) E. und bedeutende und vielseitige Industrie. In der Umgegend natürliches Gas, bituminöse Kohle und feuerbeständige Mineralfarben.

Akropolis (grch.), d. i. Oberstadt, Feste, Burg, Citadelle. Jede griech. und ital. Stadt im Altertum besah eine hochgelegene, die Umgebung beherrschende und künstlich befestigte Burg, die gewöhnlich die wichtigsten Gebäude der Stadt enthielt. Eine solche Burg war der Ausgangspunkt von Stadtanlagen, die als weniger stark befestigte Unterstadt sich in der Ebene ringsum ihr anschlossen. Wenn man in einigen Städten zwei Akropolen findet, wie in Megara und in Oreos auf Euböa, so deutet dies auf die Entstehung der Stadt aus zwei ursprünglich getrennten Gemeinden hin. Berühmt ist die A. von Argos (Larissa), von Messene, von Theben (Kadmea), von Korinth (Akrokorinth), die obere Fläche des Berges Ithome, besonders aber die durch ihre vielen Prachtbauten und Kunstwerke ausgezeichnete A. von Athen, die vorzugsweise "die A." genannt wird. (S. Athen.)

Akrostichon (grch.), eine Poet. Spielerei, angeblich von Epicharmus (s. d.) erfunden, bei der die Anfangsbuchstaben (-Silben oder -Worte) besonders aufeinander folgender Worte oder korrespondierender Verse zusammengelesen ein Wort, einen Namen oder eine Sentenz ergeben. Oft ist dies zugleich bei den End- (Telestichon), bisweilen auch bei den mittelsten Buchstaben (Mesostichon) der Fall. Das A. findet sich schon bei den Griechen der alexandrinischen Zeit, bei den Römern seit Ennius und Plautus. Sehr beliebt war es in der lat. Mönchspoesie, besonders für Sprüche, Gebetsformeln und Widmungen, wie auch bei Otfried, bei vielen mittelhochdeutschen Dichtern, in der ital. und franz. Renaissance, z. B. bei Boccaccio und unter Ludwig XIV., bei den slaw. Lyrikern des Spätmittelalters, neuerdings fast nur im Gelegenheitsgedicht, allezeit gern gebraucht, um den Namen des Verfassers oder des Angeredeten zu verstecken. Deutsche A. bieten u. a. Gottfried von Straßburg, Rudolf von Ems, Ph. Nicolai (Strophenanfangsbuchstaben in "Wie schön leuchtet der Morgenstern"), P. Gerhard (Strophenanfangsworte in "Befiehl du deine Wege"). Aus den Anfangsbuchstaben einer Wortreihe wurden durch A. versteckspielend Worte gebildet, wie Ichthys (s. d.) und Cabal (s. d.).

Akroterion (grch.), der äußerste oder höchste Teil eines Gegenstandes, z. B. ein Vorgebirge, die Spitze eines Berges, der Schnabel eines Schiffs, bei beflügelten Gestalten (z. B. der Nike) auch die Flügel. In der Baukunst die verzierten Bauteile des griech. Tempels, die an den beiden Ecken und an der Spitze des Giebels auf besondern Postamenten aufgestellt wurden. Man wählte dazu figürliche Darstellungen, phantastische Tiergestalten oder aus Ranken und Palmetten gebildete Ornamente, oder auch Gefäße, wie z. B. an den Giebelecken des Zeustempels in Olympia. Die erhaltenen A. vom Tempel in Ägina (s. Äginetische Kunst) sind Greife und zwei weibliche Gewandfiguren, die zu beiden Zeiten eines Rankenornaments stehen. In dem spätern röm. und Renaissancebaustile wurden die A. mit verschiedenen Modifikationen nachgebildet, und selbst in der jetzigen Kunstindustrie (z. B. Möbeltischlerei) finden sie als Eckverzierungen vielfach Anwendung. Das A. gehört zu den Bauteilen, die man "freie Endigungen" nennt.

Akrylsäure, s. Acrylsäure.

Aksájskaja Staniza, Marktflecken im Kreis Nowo-Tscherkask des Gebietes der Donischen Kosaken, an der Mündung des Aksaj in den Don, 25 km südwestlich von Nowo-Tscherkask, einer der bedeutendsten Hafenplätze am Don, hat (1885) 5644 E., Post, Telegraph; Handel mit Fischen, Getreide, Holz und Eisen. Bei A. S. befindet sich die Hauptüberfahrt über den Don auf dem Wege nach Kaukasien.

Aksákow, Sergej Timosejewitsch, russ. Schriftsteller, geb. 1. Okt. (20. Sept.) 1791 in Ufa, stammte aus einem alten russ. Geschlecht (in alter Zeit Oksakow), studierte in Kasan, ging 1808 nach Petersburg und war bis 1812 als Übersetzer bei der Gesetzgebungskommission thätig. In Petersburg wurde er Anhänger Schischkows und der russ.-nationalen Richtung. Er lebte dann mehrere Jahre auf seinen Gütern im Gouvernement Orenburg und ließ sich 1826 in Moskau nieder, wo er 6 Jahre Censor war und 12. Mai (30. April) 1859 starb. Nachdem ein 1840 in der Zeitschrift "Moskovskij Vestnik" veröffentlichtes Bruchstück seiner "Familienchronik" Aufsehen erregt hatte, fesselte das u. d. T. "Bemerkungen über den Fischfang" (Mosk. 1847) erschienene Buch durch lebendige Naturschilderungen und liebenswürdigen