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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Alcántara; Alcantariner; Alcaraz; Alcarraza; Alcathous; Alcatquen; Alcäus; Alcazar

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Alcantara - Alcazar

Provinz Teruel, rechts vom Guadalope, 20 km südlich von seiner Mündung in den Ebro bei Caspe, in sehr fruchtbarer, öl-, seide- und weizenreicher Ebene, hat (1887) 7781 E. Auf den Feldern von A. verlor 212 v. Chr. Publius Scipio gegen den Karthager Hasdrubal Barca Schlacht und Leben. Später fiel A. in die Hände der Mauren und erhielt seinen heutigen Namen. König Alonso el Batallador von Aragonien entriß es ihnen 1119. Im J. 1809 wurde A. von den Franzosen zerstört.

Alcántara (arab., die Brücke), das Interamnium der Römer. 1) Stadt (Villa) und Waffenplatz in der span. Provinz Caceres in Estremadura, 10 km von der portug. Grenze auf einem Felshügel links vom Tajo, hat (1887) 3814 E. Die großartige, vom Kaiser Trajan 103 bei der röm. Kolonie Norba-Cäsarea erbaute Brücke über den Fluß ist das schönste Denkmal aus der Römerzeit in Spanien. - 2) A., ursprüngliche Vorstadt von Lissabon, nach dem Erdbeben von 1755 mit der Hauptstadt vereinigt, hat dem jetzigen westl. Quartier derselben den Namen gegeben und ist berühmt durch den 1732-38 von Bellas über das Alcantarathal 7 km weit nach Lissabon geführten Aquädukt (agua de Bellas) mit 127 zum Teil aus Marmorquadern erbauten Bogen, deren mittelster 65 m hoch und 35 m weit ist, und durch die Schlacht vom 25. Aug. 1580, in der Alba die Portugiesen besiegte und damit deren Widerstand gegen die Vereinigung mit Spanien brach.

Alcántara, Orden von, geistlicher Ritterorden Spaniens, 1156 von den Brüdern Don Suero und Don Gomez Fernando Barrientos zur Verteidigung des gegen die Mauren erbauten castil. Grenzkastells San Julian de Peral (Pereyro) als Waffenbrüderschaft gestiftet und von Papst Alexander III. 29. Dez. 1177 zu einem geistlichen Ritterorden mit der gemäßigten Regel Benedikts erhoben. Von König Ferdinand II. von Castilien erhielt er große Freiheiten, von Papst Cölestin III. 1197 viele Privilegien; letzterer stellte ihn unmittelbar unter den Heiligen Stuhl und verpflichtete ihn zur Verteidigung des christl. Glaubens und zum ewigen Kriege gegen die Mauren. Alfons IX. schenkte 1218 dem Orden die Stadt A., nach welcher sich dieser fortan benannte und wohin er seine Residenz verlegte. Im Kampfe mit den Mauren erwarb der Orden Kriegsruhm und Reichtümer, verlor aber durch innere Händel Kraft und Einfluß, bis er unter dem Großmeister Don Juan de Zuñiga 1479 sich wieder hob. Unter Ferdinand V. wurde 1494 die Großmeisterwürde mit der Krone Spaniens vereinigt. Die Ordensritter durften seit 1540 heiraten und legten seitdem vier Gelübde ab: das der Armut, der ehelichen Keuschheit, des Gehorsams und der Verteidigung der Lehre von der unbefleckten Empfängnis Maria. Bis zur franz. Occupation 1808 besaß der Orden 37 Komtureien mit 53 Städten und Dörfern, von denen ihm nach der Restauration nur ein kleiner Teil wiedergegeben wurde. Von den Liberalen mehrmals aufgehoben, bestand der Orden unter Isabella II. und Amadeus nur noch als militär. Verdienstorden, wurde von der Republik 1873 wieder aufgehoben, von Alfons XII. indes 1875 wiederhergestellt. Das Ordenszeichen, seit 1441 ein grünes Malteserkreuz, dessen Arme durch goldene Lilien verbunden sind, wird am grünen Bande um den Hals, in Seide gestickt auf dem Rocke und weißen Mantel getragen. In dem Wappen führt der Orden einen Birnbaum mit zwei Balken.

Alcantariner, s. Franziskaner.

Alcaraz (spr. -áhs), Stadt (Ciudad) in der span. Provinz Albacete, unweit des Ursprungs des Guadarmena, eines Quellstroms des Guadalquivir, und auf der Westseite der Sierra de A., auf dem Plateau der hohen Mancha, in 960 m Höhe, hat (1887) 4029 E., Post, mehrere Kirchen, ist sehr gewerbreich und verdankt seinen Verkehr und Wohlstand den ergiebigen Zinkbergwerken und Schmelzhütten bei San Juan de A. (am Rio Mundo)und der dortigen großen Blech- und Messingfabrik. A. gilt für das alte Arcilacis, hieß bei den Arabern Al-Karad und war wichtig wegen seiner Bergfestung. Hier erfocht Alfons I. von Aragonien 1123 einen Sieg über 11 arab. Feldherren. Am nördl. Fuße der Sierra de A., westwärts zu dem Weinhügellande von Baldepeñas, ostwärts nach Albacete, zieht sich als höchster Teil der Mancha das Campo-de-Montiel, auf dem 14. März 1369 Peter von Castilien im Kampfe gegen Heinrich II. fiel. Die Sierra de A., ein Teil des Iberischen Gebirgssystems, erreicht im Cerro de Almenara, in dessen Nähe der Mundo (Nebenfluß der Segura) entspringt, 1848 m Höhe.

Alcarraza (arab.-span., spr. -ahßa, Kühlkrug), ein schwach gebranntes, unglasiertes, flaschenförmiges Thongefäß, in Spanien zum Abkühlen des Trinkwassers gebraucht. Die Abkühlung wird bewirkt, indem die Flüssigkeit durch die poröse, unglasierte Gefäßwand ausschwitzt und von der auf diese Weise feucht gehaltenen Oberfläche verdunstet. Um die Verdunstung zu unterstützen, setzt man das Gefäß soviel als möglich dem Luftzuge aus. Die besten, die zu Andujar in Andalusien angefertigt werden, sollen das Wasser 10° unter die umgebende Lufttemperatur abkühlen. In Ägypten sind diese Kühlgefäße seit den ältesten Zeiten bekannt. Die in Portugal üblichen Gefäße dieser Art hießen Bilha, die in Frankreich verfertigten Hydrocérames. Ähnlich sind die Wein- und Butterkühler.

Alcathous, s. Alkathoos.

Alcatquen, golddurchwirkte pers. Gewebe, die reiche Orientalen über den Diwan breiten.

Alcäus (Alkaios), aus Mytilene auf Lesbos, am Ende des 7. und Anfang des 6. Jahrh. v. Chr., neben seiner Zeitgenossin Sappho der größte Vertreter der äol. lyrischen Poesie. Altadliger Abkunft, nahm er Anteil an den Kämpfen des Adels gegen die Demokratie und verlieh seine Vaterstadt, als Pittacus die Verhältnisse zu ordnen übernahm. Als er an der Spitze der Ausgewanderten die Rückkehr erzwingen wollte, fiel er dem Pittacus in die Hände, der ihm jedoch verzieh. Seine Oden in Alcäischen Strophen (s. d.) sangen die Begeisterung zur Schlacht, den Preis der Tapferkeit, den Haß gegen Tyrannei, die Herrlichkeit der Freiheit und das Elend der Verbannung. Andere feierten die Freuden der Liebe und des Weins. Die Fragmente der ursprünglichen zehn Bücher sind herausgegeben von Bergk in den "Poetae lyrici Gaeci", Bd. 3 (4. Aufl., Lpz. 1882). - Vgl. Kock, Alkäos und Sappho (Berl. 1862).

Alcazar (spr. -kahßar) in Spanien, Alcacer in Portugal (vom arab. kassr, Burg, Schloß), der allgemeine Name vieler Schlösser und Citadellen, wie z. B. in Sevilla (s. Tafel: Arabische Kunst I, Fig. 5), Segovia u. s. w., ist auch vielfach zur Bildung von Ortsnamen verwendet. - Alcazar-de San Juan, Stadt (Villa) in der span. Provinz Ciudad-Real, in hügeliger Gegend zwischen den Flüssen Giguela und Zancara gelegen, an den