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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Aleator - Alektryomantie

das ehemalige Toscana, nächstdem die Gegend von Alessandria und Turin ist. Diese Weine werden aus Muskatellertrauben gewonnen und besitzen eine dunkelrote Farbe, süßen und aromatischen Geschmack. Der Alkoholgehalt beträgt 11,5 bis 12,5 Proz., der Extraktgehalt 2 bis 2,5 Proz. Es kommt auch A. aus Süditalien mit 14 Proz. Alkoholgehalt.

Aleator (vom lat. alea, der Würfel), der Würfelspieler; aleatorisch, das Würfelspiel betreffend, auf Zufall beruhend; Aleatorium, Spielhaus.

Aleatorische Verträge, gewagte Geschäfte, Glücksverträge, Verträge, bei denen der Zufall entscheiden soll, für welche Partei das Geschäft einen Vorteil, für welche es einen Nachteil bringen wird. Das Preuß. Allg. Landrecht rechnet dahin Versicherungsverträge, Lotterien, Hoffnungskäufe, Leibrentenverträge, Altenteilsverträge. Allgemein rechnet man hierher Spiel (s. d.) und Wette (s. d.). Die Geschäfte sind so weit gültig und klagbar, als damit ein berechtigtes Lebensinteresse verfolgt zu werden pflegt, soweit sie also, wie andere Geschäfte, dem menschlichen Verkehr dienen.

Alec, s. Halec.

Alecsandrescu (spr. aless-), Gregor, rumän. Dichter, geb. 1812 zu Tirgovesti in der Walachei, besuchte das Gymnasium St. Sava in Bukarest und trat hierauf in Militärdienste, verließ aber 1834 beim Regierungsantritte Alexander Ghikas die Armee und übernahm die Leitung der 1835 von Campinianu, dem Führer der Oppositionspartei, gegründeten Philharmonischen Gesellschaft. Schon um jene Zeit hatte sich A. durch Satiren und polit. Fabeln Anerkennung in weiten Kreisen erworben, aber auch die Mißgunst der Machthaber. Deshalb in ein Kloster verwiesen, schrieb A. sein "Jahr 1840", worin er den Wünschen seiner Partei feurigen Ausdruck verlieh. Unter der Regierung Bibescos war er längere Zeit im Ministerium, führte unter Cusa das Kultus- und Unterrichtsministerium und 1859 auf einige Monate das der Finanzen. 1860 wurde er Mitglied der sog. Centralkommission, 1866 des Theaterausschusses und lebte zu Bukarest, wo er 1886 starb. Seine Werke, von denen nur die Fabeln populär sind, erschienen als "Meditatii, elegi, epistole, satire si fabule" (Bukarest 1847; 2. Aufl. 1863).

Alecsandri (spr. aless-), Basil, rumän. Dichter, geb. 1821 in der nördl. Moldau, erhielt 1834-39 seine Ausbildung zu Paris. Heimgekehrt, schloß er sich Cogalniceanu (s. d.) an und wurde eifriger Mitarbeiter an dem 1840 begründeten, 1842 unterdrückten Journal "Dacia literara". A. durchwanderte hierauf die Moldau, um die Sagen und Lieder des Volks kennen zu lernen, und übernahm 1844 mit Cogalniceanu und Negruzzi (s. d.) die Leitung des rumän. und franz. Theaters in Jassy, für das er eine Reihe von einfach gestalteten Lustspielen aus dem Gesellschaftsleben schrieb: "Jassy im Karneval", "Georg aus Sadagura", "Frau Kiritza in Jassy", "Frau Kiritza auf dem Lande", "Die Bauernhochzeit" u. a. Er beteiligte sich an der Bewegung von 1848, verließ aber mit Eintritt der Reaktion sein Vaterland und wirkte zu Paris für Rumänien. Wieder zurückgekehrt, war A. 1857 Mitglied des Diwans für die Verfassungsangelegenheit und von Okt. 1859 bis Mai 1860 Minister des Auswärtigen. Nach des Fürsten Cusa Sturz (1866) zog er sich vom polit. Leben zurück und trat erst 1879 in die Erste Kammer, wo er als leidenschaftlicher Antisemit gegen die Judenemancipation protestierte. Seit 1885 Gesandter in Paris, starb er 4. Sept. 1890 auf seinem moldauischen Landgute Mircesti. Für die "Convorbiri literare", das mit von ihm begründete Orqan der litterar. Gesellschaft Junimea (s. d.), schrieb A. die schönen Gedichte "Pasteluri" (d. i. Pastellbilder), das kleine Epos "Dumbrava rosie" (1872) und das Lustspiel "Ciocoi". Besonders wichtig für die rumän. Litteratur ist seine Sammlung der Volkslieder ("Poesii populare a le Românilor", Par. 1853 und Bukarest 1867; deutsch von Kotzebue als "Rumän. Volkspoesie", Berl. 1857; zum Teil bei Rudow, "Rumän. Volkslieder", 2. Aufl., Lpz. 1888). Von A.s Gedichten ("Les Doines", Par. 1853; 2. Aufl. 1885; "Doine si Lacrimioare", Bukarest 1863; 3. Sammlung, 1880) sind viele populär geworden, namentlich die zündenden "Kriegslieder" im Russisch-Türkischen Kriege von 1877 bis 1878; Meister ist er in der Ballade. Seine 1878 in Montpellier preisgekrönte "Ode auf den lat. Stamm" machte ihn durch ganz Rumänien berühmt. Zum Dramatiker fehlt A. die markige Gestaltungskraft, doch war die Tragödie "Despot Voda" (Fürst Despot) durch ihre schönen Worte 1880 auf der Bühne erfolgreich, mehr noch das Lustspiel aus Horaz' Leben "Fontana Blandusiei" (Bukarest 1884; deutsch von E. von Herz, Wien 1885) und "Ovid" (Bukarest 1885; deutsch von Stern, Hermannst. 1886). Seine ältern Arbeiten für das Theater sammelte A. 1875 (4 Bde.). Einen Teil seiner Gedichte übersetzte er selbst ins Französische ("Ballades et chants populaires de la Roumanie", Par. 1855). Viele seiner Gedichte sind verdeutscht in Carmen Sylvas "Rumän. Dichtungen" (3. Aufl., Bonn 1889). Von A.s Prosa (1876 gesammelt) sind "Die Geschichte eines Dukatens" und die Denkrede auf Negruzzi, sowie rumän. Sittenbilder zu nennen. Eine Sammlung von A.s Werken erschien 1873-76 in 8 Bänden.

Alectorolophus, s. Rhinanthus.

Aleipten, s. Alipten.

Aleko Pascha, s. Vogorides (Alexander).

Aleksandrija, russ. Stadt, s. Alexandria.

Aleksandropol, s. Alexandropol.

Aleksandrowsk, s. Alexandrowsk.

Aleksandrowskaja Staniza, s. Alexandrowskaja Staniza.

Aleksin. 1) Kreis im russ. Gouvernement Tula, hat 1983,3 qkm mit 83 115 E. - 2) Kreisstadt des Kreises A., rechts an der Oka, zu beiden Seiten des Flüßchens Mordowka, 59 km im NW. von Tula, an der Privatbahn Wjasma-Rjashk, hat (1888) 5713 E., Post und Telegraph; Talgschmelzereien, Lederfabriken, Holzflößerei und Handel mit Eisen nach den Tulaer Gewehrfabriken.

Aleksjejewka (Alexejewka), Flecken im Kreis Birjutsch des russ. Gouvernements Woronesch, an der Tichaja Sosna, mit (1885) 14069 E. (Kleinrussen), Post, 2 Kirchen; Landwirtschaft, Anbau von Sonnenblumen, aus deren Samen Öl geschlagen wird. A. ist der Hauptsitz der Güter des Grafen Scheremetjew, die 18 verschiedene Flecken und Meiereien mit 77 000 E. umfassen.

Alekto, eine der Erinnyen (s. d.).

Alektryomantie (grch.), eine Wahrsagerei durch den Hahn, der Art, daß auf jeden der 24 Buchstaben des Alphabets, die in den Sand geschrieben werden, ein Körnchen Getreide gelegt wird und als Antwort auf die an die Zukunft gerichtete Frage die Zusammenstellung der Buchstaben dient, von denen der Hahn das Körnchen weggepickt hat. Kaiser Valens, der