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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Alexandros - Alexianer

wurden die Türken unter Jussuff Pascha 18. Juni 1807 vom russ. General Gudowitsch besiegt. Paskewitsch eröffnete im Juni 1828 von A. aus den Feldzug gegen die Türken. Am 30. Okt. 1853 wurden letztere bei A. vom russ. General Barjatinskij geschlagen. Von A. aus rückten 1877 die Russen mit ihrer Hauptmacht gegen Kars und Erzerum vor.

Alexandros (griech. Mythologie), s. Paris.

Alexandrow (Aleksandrow). 1) Kreis im russ. Gouvernement Wladimir, hat 3285,5 qkm mit 100 525 E. und Industrie. - 2) Kreisstadt im Kreis A., an der Seraja und an der Privatbahn Moskau-Jaroslaw-Wologda, hat (1888) 5692 E., Post, Telegraph, fünf Kirchen und ein berühmtes Nonnenkloster, in dessen Kirche zwei Schwestern Peters d. Gr., Marfa und Feodosia, beigesetzt sind. In der Nähe ein kaiserl. Gestüt. Die Stadt ist durch ihre vorzüglichen Stahl- und Baumwollfabrikate berühmt. A. (damals Slobode) wurde vom Zaren Iwan IV. Wassiljewitsch, der hier Hof zu halten pflegte und die erste Buchdruckerei des Russischen Reichs anlegte, 1564 zum Hauptsitz der von ihm gestifteten Opritschnina (s. d.) ernannt.

Alexandrowsk (Aleksandrowsk). 1) Kreis im russ. Gouvernement Jekaterinoslaw, hat 19 194 qkm mit 198 392 E. und vorzüglichen Porzellanthon. Hier begann die 1770 gegen die krimschen Tataren angelegte Dnjeprlinie, die aus 7 Festungen längs der Konskaja bestand und an der Mündung der Berdjanka ins Asowsche Meer endigte. - 2) Kreis im russ.-kaukas. Gouvernement Stawropol, hat 11 715 qkm mit 146 981 E. Hauptstadt ist Alexandrowskaja Staniza (s. d.). - 3) Kreisstadt von 1, am Flüßchen Mokraja Moskowka, 2 km vom Dnjepr, unterhalb der Wasserfälle desselben und an der Privatbahn Losowo-Sewastopol, hat (1888) 15079 E., Post, Telegraph; Branntweinbrennereien, bedeutenden Handel mit Getreide und drei Jahrmärkte. In der Umgegend viele Kurgane (s. d.). A. gegenüber im Dnjepr die Insel Chortizy (s. d.). - 4) Russ. Kolonie und Fort an der Mündung des Flüßchens Nerla in die Castriesbai im ostsibir. Küstengebiete, der Insel Sachalin gegenüber, mit gutem Hafen, Magazinen, Hospital und lebhaftem Handel mit Nordamerika.

Alexandrowskaja Staniza (Aleksandrowskaja Staniza), Kreisstadt im Kreis Alexandrowsk (s. d., 2), an der Tumuslowka (Nebenfluß der Kuma), in 320 m Hohe, mit (1885) 8708 E., Post und bedeutendem Obstbau.

Alexejewka, s. Aleksjejewka.

Alexej Michailowitsch, der zweite russ. Zar aus dem Hanse Romanow, geb. 19. März 1629, folgte seinem Vater Michael Feodorowitsch 14. Juli 1645 auf dem Throne. Durch die Habsucht seiner Ratgeber wurden öfters Empörungen veranlaßt; auch traten zwei Prätendenten auf, der dritte falsche Demetrius (s. d.) und Ankudinow. Letzterer gab sich für einen Sohn des Zaren Wassilij Shujskij aus, ward aber 1653 zu Moskau hingerichtet. Später wandte sich A. mit Eifer den Staatsgeschäften und der Vergrößerung seines Reichs zu. Durch die Kriege mit Polen (1654-67) sicherte er sich in den Friedensschlüssen von Njemez und Andrussow den Besitz der Provinzen Smolensk, Tschernigow und Sewerien. Da die mißhandelten Kosaken sich unter ihrem Hetman Bogdan Chmelnizkij gegen Polen erhoben hatten, gewann er auch einen Teil der Ukraine. Im Kriege mit Schweden (1655-58) eroberte er zwar Teile Livlands und Ingermanlands, mußte sie aber im Frieden von Kardis 1661 zurückgeben. Dagegen breitete er seine Herrschaft bis zum äußersten Osten Sibiriens aus, trat in Verbindung mit China und unterwarf Daurien und das Land am Amur. Der Aufstand der Donischen Kosaken unter Stenka Rasin wurde 1671 nach furchtbarem Blutvergießen niedergeworfen. Durch seine Fürsorge kam das berühmte russ. Gesetzbuch, das "Uloženie", zu stande, aber auch das Schisma in der russ. Kirche nahm unter ihm durch die Reformen des Patriarchen Nikon seinen Anfang. Den engl. Kaufleuten in Rußland entzog er nach der Hinrichtung Karls I. ihre Privilegien; doch wußte er andererseits die Vorzüge geschickter Ausländer zu schätzen. Er starb 30. Jan. 1676. Seine zweite Gemahlin, Natalie Narischkin, wurde die Mutter Peters d. Gr. - Vgl. Berg, Carstvovanie Aleksěja Michailoviča. (2 Bde., Petersb. 1830-31); Solowjew, Istorija Rossii, Bd. 10-12 (Mosk. 1860-62).

Alexej Petrowitsch, der älteste Sohn Peters d. Gr. und der Eudoxia Lopuchin, geb. 28. (18.) Febr. 1690 zu Moskau, trat mit der altruss. Partei in Verbindung, die mit den Neuerungen Peters unzufrieden war, worauf letzterer, wahrscheinlich von seiner zweiten Gemahlin, Katharina, aufgestachelt, den Beschluß faßte, ihn von der Thronfolge auszuschließen. A. leistete zum Scheine willig auf die Krone Verzicht und erklärte, daß er Mönch werden wolle. Nachdem aber Peter d. Gr. seine zweite Reise ins westl. Europa angetreten, entfloh er 1717 unter dem Vorwande, sein Vater habe ihn zu sich beschieden, nach Wien und von da nach Neapel. Auf des Vaters Befehl wieder zurückgekehrt, wurde er durch den Ukas vom 13. (2.) Febr. 1718 enterbt und gegen die Ratgeber und Mithelfer des A. eine Untersuchung eingeleitet. Die Mutter A.s, Eudoxia, deren Bruder Abraham Lopuchin, ferner Maria Alexejewna, die Halbschwester des Zaren, und andere Mitglieder der Verschwörung wurden teils gefangen gesetzt, teils hingerichtet. A. selbst ward zum Tode verurteilt. Obgleich Peter bald nachher dem Unglücklichen die Begnadigung ankündigen ließ, starb A. doch, wie es hieß, infolge der erlittenen Gemütsbewegung 7. Juli (26. Juni) 1718. Nach andern soll er im Gefängnisse enthauptet worden sein. Um den Schein der Ungerechtigkeit zu vermeiden, ließ Peter d. Gr. die Akten des Prozesses veröffentlichen. Von seiner Gemahlin, Charlotte Christine Sophie (s. d.), Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel, hinterließ A. eine Tochter, Natalie, die 1728 starb, und einen Sohn, den nachmaligen Kaiser Peter II. Dramatisch wurde die Verschwörung und der Tod A.s von Immermann ("Alexis, eine Trilogie", Düsseld. 1832) behandelt. Viele bisher unbekannte Dokumente zur Leidensgeschichte A.s enthält Ustrjalows "Istorjia carstvovanija Petra Velikago, Bd. 6 (Petersb. 1859), der gegenüber jedoch Pogodin in seiner "Sammlung der Dokumente in Sachen des Zarewitsch A. P., neu aufgefunden von Jessipow mit beigefügter Beurteilung von M. Pogodin" (Mosk. 1860), eine Ehrenrettung des Prinzen im Sinne der altruss. Partei versuchte. Fernere auf A. bezügliche Urkunden wurden von der Gesellschaft für russ. Geschichte und Altertümer (Mosk. 1861) veröffentlicht. - Vgl. Brückner, Der Zarewitsch A. (Heidelb. 1880); Herrmann, Peter d. Gr. und der Zarewitsch A. (Lpz. 1880).

Alexianer, s. Alexius und Lollharden.