Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Alexie; Alexikakon; Alexin; Alexinac; Alexine; Alexios; Alexipharmakon; Alexis; Alexisbad; Alexishafen; Alexius

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Alexie - Alexius

Alexie (grch.), das Unvermögen, geschriebene oder gedruckte Schriftzeichen richtig aufzufassen, kommt als Symptom bei verschiedenen Hirnkrankheiten vor, gewöhnlich mit Aphasie (s.d.) verbunden.

Alexikakon (grch.), Schutzmittel gegen Unglück; auch Gegengift.

Alexin, s. Aleksin.

Alexinac (spr. -átz), Stadt im serb. Kreis Krusevac, rechts von der bulgar. Morava, an der Mündung des Moravicabachs und an der Linie Belgrad-Risch der Serb. Staatsbahnen, hat (1890) 5762 E., Post, Telegraph, ein Untergymnasium; ein Kohlenbergwerk, Paraffinschieferbrüche, Tabaksbau. Früher war A. lebhafter Stapelplatz des Durchfuhrhandels. Im Serbisch-Türkischen Kriege 1876 war A., damals Grenzstadt gegen die Türkei, Hauptquartier des serb. Oberkommandos und wurde 31. Okt. von den Türken verwüstet. - Der frühere Kreis A. ist jetzt auf die Kreise Timok und Krusevac verteilt.

Alexine (grch.), s. Schutzimpfung.

Alexios, Name mehrerer byzantinischer Kaiser:

A. I. Komnenos (1081 - 1118), geb. 1048 zu Konstantinopel, Sohn des Joh. Komnenos und Neffe Isaaks I., des ersten Kaisers aus dem Hause der Komnenen, zeichnete sich jung gegen die Türken aus und kam dann an den Hof Nikephoros' III., dessen Vertrauen er zu gewinnen wußte. Aber bald beim Kaiser verleumdet und diesem durch seine wachsende Macht unbequem, mußte er fliehen. Er sammelte ein Heer, bemächtigte sich April 1081 Konstantinopels und übernahm nach der Abdankung des Nikephoros selbst die Herrschaft. Um das Reich aus seiner bedrängten Lage zu befreien, schloß A. zunächst mit den Seldschuken Frieden, verbündete sich mit Venedig und dem deutschen Kaiser Heinrich IV. und wandte sich dann gegen den Normannenherzog Rob. Guiscard, der in das Reich eingefallen war, wurde aber bei Durazzo Okt. 1081 geschlagen. 1084 nötigte A. zwar Guiscards Sohn Bohemund zur Räumung Griechenlands, im September des Jahres aber erschien Robert aufs neue, siegte über die vereinigte griech.-venet. Flotte und hatte sich Korfus bemächtigt, als sein Tod im Juli 1085 seinen Unternehmungen ein Ziel setzte. Von diesem Feinde befreit, schlug A. 1091 die Petschenegen im Norden des Reichs. Minder glücklich war er gegen die Seldschuken; erst 1092 hatte er mit großer Mühe sein Reich wieder einigermaßen gesichert. Dann wurde durch die große Menge und die Zügellosigkeit der Kreuzfahrer (seit 1096), die das Land durchzogen, sein Argwohn erweckt; deshalb suchte er sich ihrer durch eilige Überschiffung nach Asien zu entledigen, nachdem er 1097 die meisten fränk. Fürsten zum Lehnseid für alle von ihnen in Asien zu erobernden Gebiete bestimmt hatte. Nachdem A. noch einmal 1107-8 mit den Normannen unter Bohemund und dessen Neffen Tancred Krieg geführt, später den Seldschuken 1115-16 bedeutende Niederlagen beigebracht hatte, starb er 15. Aug. 1118. Sein Leben beschrieb seine Tochter Anna Komnena (s.d.) in der "Alexias". - Vgl. Wilken, Rerum ab Alexio I., Joanne, Manuele et Alexio II. Comnenis gestarum libri IV (Heidelb. 1811).

A. II. Komnenos (1180-83), Urenkel A.' I. und Sohn Manuels I., folgte 13jährig seinem Vater zunächst unter Vormundschaft seiner Mutter. Nach kurzer Regierung wurde er durch seinen Oheim Andronikos I. 1183 gestürzt und Okt. 1184 ermordet.

A. III. Angelos (1195-1203), entthronte und blendete seinen ältern Bruder Isaak II. Angelos. Als aber Isaaks Sohn A. IV. die Kreuzfahrer und Venetianer durch große Versprechungen zur Belagerung Konstantinopels vermocht hatte, mußte A. Juli 1203 die Hauptstadt verlassen. Seitdem als Flüchtling in Kleinasien umherirrend, wurde er, als er dort Herrscherrechte geltend zu machen suchte, von seinem Schwiegersohn Theodor Laskaris von Nicäa 1210 in ein Kloster gesperrt, wo er starb.

A. IV. Angelos (1203-4), Sohn Isaaks II. Angelos, floh nach der Entthronung des Vaters nach Italien und bewog den Papst Innocenz III. sowie seinen Schwager, den deutschen König Philipp von Schwaben, zur Hilfeleistung. Durch die Unterstützung der Kreuzfahrer im Juli 1203 in Konstantinopel auf den Thron gesetzt, erneuerten diese, da er die ihnen gemachten Versprechungen, namentlich die Vereinigung der griech. mit der röm. Kirche nicht erfüllen konnte, die Belagerung der Stadt; während derselben wurde A. durch Alexios Murtzuphlos entthront und 8. Febr. 1204 getötet.

A. V. Tukas Murtzuphlos, Kaiser 1204, Gemahl der Eudokia, Tochter A.' III., mußte nach der zweiten Einnahme Konstantinopels durch die Kreuzfahrer im April 1204 flüchten. Bei Mosynopolis in Macedonien traf er mit seinem ebenfalls flüchtigen Schwiegervater A. III. zusammen, der ihn aus Eifersucht blenden ließ. Zuletzt wurde er von den Lateinern nach Konstantinopel gebracht und von einer hohen Säule herabgestürzt (Sommer 1204).

Alexipharmakon (grch.), Schutzmittel gegen Gift; auch Gegenmittel, Gegengift.

Alexis, Wilibald, s. Häring, Wilh.

Alexisbad, Badeort im Kreis Ballenstedt des Herzogtums Anhalt, im romantischen Selkethal, 5 km von der Stadt Harzgerode gelegen und zu ihr gehörig, an den Linien Gernrode-Hasselfelde und A.-Harzgerode (2,9 km) der Gernrode-Harzgerode-Eisenbahn (Schmalspurbahn), hat (1890) 57 E., Post und Telegraph (nur im Sommer). A. wurde 1810 auf Kosten des Herzogs Friedrich Christian von Anhalt-Bernburg als Badeort eingerichtet, gehörte seit 1873 einer Aktiengesellschaft und ist seit 1879 Eigentum des Hüttenbesitzers Wenzel zu Mägdesprung. Der Selkebrunnen (l1,8° C.) auch Badequelle genannt, enthält Chloreisen und schwefelsaures Eisenoxydul, wird wegen seiner adstringierenden Wirkung nur zum Baden, der Alexis- oder Trinkbrunnen (8,7° C.), ein erdig-salinischer Säuerling mit doppeltkohlensaurem Eisenoxydul und etwas Kohlensäure, nur zum Trinken benutzt, beide als Mittel gegen Bleichsucht, Leukorrhöen und andere Frauenkrankheiten; in neuerer Zeit sind Sol-, Fichtennadel- und Wellenbäder sowie Molken-, Milch- und Kräutersaftkuren eingerichtet. Unweit die Victorshöhe (s. d.) oder Rammberg. - Vgl. Schauer, Die Blutarmut und Bleichsucht als Heilobjekte für Stahlquellen, mit besonderer Rücksicht auf die Kur in A. (Dessau 1809); Kothe, A. im Harz als Stahlbad und klimatischer Kurort (Berl. 1883).

Alexishafen, der größte Hafen von Kaiser-Wilhelms-Land, 5° 6' südl. Br. und 145° 45' östl. L. von Greenwich im N. von Prinz-Heinrich-Hafen, mit enger, aber sicherer Einfahrt.

Alexius, der Heilige, Schutzheiliger einer im 15. Jahrh. entstandenen Kongregation von Brüdern (Alexianer), die sich der Krankenpflege widmen und noch jetzt in Aachen ein Mutterhaus haben (auch Celliten oder Nollards genannt). A. war der Sohn eines vornehmen Römers Euphemianus, lebte