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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Alicantewein – Alima

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Alicante'

ließ. - A., das röm. Lucentum, wurde 713 von den Arabern erobert und Lekant oder Alkant genannt. Mit der Umgegend bildete es eine Zeit lang ein eigenes Emirat. Ferdinand III. von Castilien entriß die Stadt den Mauren, die 1304 an Jakob II. von Aragonien abgetreten ward, der sie zum Königreich Valencia schlug. Berühmt ist die Belagerung von A. 1709 durch die Franzosen unter Asfeld, bei der der engl. Kommandant der Citadelle, Oberst Richard, mit seinem ganzen Stabe in die Luft gesprengt wurde. Auch 1812 wurde A. von den Franzosen belagert. Im Sommer 1873 erklärte sich A. anfangs, gleich Cartagena, für unabhängig von der Centralregierung in Madrid, unterwarf sich jedoch bald wieder, wurde deshalb 27. Sept. von zwei aus Cartagena ausgelaufenen Kriegsschiffen der Insurgenten zur Anerkennung des Kantons Cartagena aufgefordert und nach der Weigerung mit 700 Geschossen (darunter viele Petroleumbomben) beschossen, widerstand aber, tapfer verteidigt, und zwang die beschädigten Kriegsschiffe zum Rückzug.

Alicantewein, ein in der Nähe der Stadt Alicante in Spanien wachsender, dunkelroter, süßer und feuriger Wein; eine geringere herbere Sorte heißt Alaque. Auch der stark dunkelrote, zum Färben anderer Weine dienende Vino tinto wird von dort ausgeführt. Weine aus der Provinz Valencia werden auch als A. in den Handel gebracht.

Alicāta, Stadt, s. Licata.

Alice, der 291. Planetoid.

Alice, Maud Mary, Großherzogin von Hessen, zweite Tochter der Königin Victoria von Großbritannien und Irland und des Prinzen Albert zu Sachsen, geb. 25. April 1843, war vermählt seit 1. Juli 1862 mit dem Prinzen Ludwig von Hessen, der 1877 als Ludwig IV. Großherzog wurde. Sie starb 14. Dez. 1878 zu Darmstadt an Diphtheritis. A. war eine kunstsinnige, hochgebildete Fürstin. Von ihr gegründete Anstalten und Vereine wirken noch in ganz Hessen (s. Alice-Frauenverein). – Vgl. A., Großherzogin von Hessen. Mitteilungen aus ihrem Leben und ihren Briefen (5. Aufl., Darmst. 1884); A., Grand Duchesse of Hesse. Biographical sketch and letters (Lond. 1884); A., Grand Duchesse of Hesse. Letters to Her Majesty the Queen (2 Bde., Lpz. 1885).

Alice-Frauenverein, 1867 von der spätern Großherzogin Alice (s. d.) von Hessen gestiftet, bezweckt die Pflege von Verwundeten und Kranken und gehört zum Verbande der deutschen Frauenvereine zum Roten Kreuz. Er besitzt Zweigvereine über ganz Hessen. – Der Alice-Verein für Frauenbildung und Erwerb dient der Hebung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts. Er hat unter anderm in Darmstadt den Alice-Bazar geschaffen, eine ständige Verkaufsstelle für weibliche Handarbeiten; auch schuf er das Alice-Lyceum, woselbst belehrende Vorträge abgehalten werden.

Aliden, s. Fatimiden.

Alienation (lat., alienatio mentis, Entfremdung des Geistes), Geistesverwirrung, Geisteskrankheit.

Alienbill, s. Fremdengesetze.

Aligarh (engl. Allyghur), Stadt im Distrikte A. der Provinz Mirat, in den indobrit. Nordwestprovinzen, an der großen Heerstraße zwischen Agra und Dehli, hat mit der Altstadt Koil (engl. Coel) (1891) 64485 E., darunter 37855 Hindu, 22609 Mohammedaner, 692 Dschain und 263 Christen. Das große Fort, früher im Besitz der Mahratten, wurde 23. Sept. 1803 von den Engländern erstürmt. ↔ Mit Dehli, Agra, Muradabad und Bareli-Lakhnau ist A. durch Eisenbahnlinien verbunden.

Alighiēri, s. Dante Alighieri.

Alignement (frz., spr. alinj'máng), die durch zwei Punkte bestimmte Richtung einer geraden Linie oder deren Verlängerung. In der Feldmeßkunst haben derartige A. insofern eine hohe Bedeutung, als die Richtigkeit einer Aufnahme darin besteht, daß alle Linien einer Zeichnung sich unter denselben Horizontalwinkeln treffen müssen wie die zugehörigen Naturrichtungen. – Militärisch versteht man unter A. vielfach diejenige Richtungslinie, in der die Truppen beim Exerzieren oder bei Paraden sich aufzustellen oder auch in der sie zu marschieren haben. – In der Baupolizei die Absteckung der Bauflucht für die an öffentliche Land- oder Wasserstraßen stoßenden Grundstücke, sowie diese Bauflucht selbst und in noch weiterm Sinne die Lehre vom Bauen längs öffentlicher Straßen überhaupt. – Über A. in der Astronomie s. Astrognosie.

Alî ibn Abî Tâlib, vierter Chalif, geb. 602 n. Chr. Sein Vater war der Bruder von Mohammeds Vater, er selbst von Anbeginn Anhänger des Propheten, dessen Tochter Fâtime er heiratete. Nach Othmâns Ermordung 656 an dessen Stelle zum Chalifen erhoben, mußte er die kurze Zeit seiner Regierung mit der Bekämpfung innerer Gegner und Empörer zubringen, an deren Spitze, unterstützt von Aïscha, der Witwe des Propheten, der Statthalter von Syrien, Moâwija, stand. Diese beschuldigten A. und seine Anhänger der Ermordung Othmâns. Weder die Kamelschlacht (656), noch das Treffen bei Siffin (657) brachte eine Entscheidung, ja es fielen sogar neue Elemente, die Chawâridsch (s. Châridschiten), infolge des Zugeständnisses A.s, die Streitfrage einem Schiedsgericht zu übergeben, von ihm ab. A. wurde 19. Jan. 661 in Kufa ermordet, wo er auch begraben liegt. Später wurde ihm dort ein Denkmal errichtet, zu dem seine Verehrer noch jetzt pilgern und das die Gründung der Stadt Meschded Ali veranlaßte. Nach seinem Tode hielten seine Anhänger die Berechtigung A.s zur Chalifenwürde und die Erbansprüche seiner Familie aufrecht und bildeten die Partei der Schiiten (s. d.). Aus dieser Bewegung ist die Erhebung der Fatimiden (s. d.) und anderer alidischen Dynastien in Ägypten und Spanien, in Westafrika und Syrien hervorgegangen. Die Legende hat aus A. auch einen Weisen und Dichter gemacht. Die ihm zugeschriebenen Weisheitssprüche (man nennt A. «Das Thor der Wissenschaft») hat Fleischer («A.s hundert Sprüche, arabisch und persisch paraphrasiert», Lpz. 1837) herausgegeben und übersetzt. Sein «Diwan», die Sammlung seiner Gedichte, wurde von Kuypers (Leid. 1745) veröffentlicht. Außerdem gehen viele Gedichte unter seinem Namen, die ebensowenig von ihm herrühren, wie die Predigten, die u. d. T. Nahdsch al balâgha unter den Schîiten verbreitet sind.

Alima (Mbossi), ein rechter Nebenfluß des untern Kongo in Französisch-Kongo, entspringt auf dem Plateau Akukuja, berührt die franz. Stationen Diélé, Alima und Leketi und mündet oberhalb Ikundo. Im obern Laufe kommen Stromschnellen vor, von Leketi ab ist die A. für kleine Dampfer fahrbar. Die A. wurde 1878 von Savorgnan de Brazza entdeckt, der die Posten Diélé und Alima gründete; Ballay nahm ihn 1883 bis zur Mündung auf. Durch die A. hoffte S. de Brazza eine gute Verbindung zwischen dem mittlern Kongo

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 403.