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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Alkaluretika; Alkamenes; Alkan; Alkanin; Alkanna; Alkannarot; Alkannawurzel; Alkäos; Alkarsin; Alkassar-Kebir; Alkathoos

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Alkaluretika - Alkathoos

giftigen Wirkungen ausgezeichnet sind, vorfinden. Einige derselben können auch künstlich dargestellt werden. Sie sind meist auch sauerstoffhaltig, in Wasser wenig, in Alkohol leicht löslich, reagieren alkalisch und bilden mit Säuren Salze. Einige davon, wie das Coniin und Nicotin, sind flüssig, die übrigen, wie die A. des Opiums (Morphin, Codein, Papaverin u. s. w.), der Chinarinden (Chinin, Chinidin, Chinicin, Chinchonin), der Strychnosarten (Strychnin, Brucin, Curarin u. s. w., sind fest. Mehrere der A., wie das Strychnin und das Morphin, gehören zu den schärfsten Giften. Aus ihren Lösungen werden die A. unlöslich niedergeschlagen durch Tannin, Phosphormolybdänsäure, Phosphorwolframsäure, Kaliumquecksilberchlorid und Kaliumquecksilberjodid. Der Nachweis der A. bei Vergiftungen ist leicht, da die meisten sich durch charakteristische Farbenreaktionen auszeichnen. Die meisten A. sind Abkömmlinge des Pyridins oder Chinolins. - Vgl. Pictet, Die Pflanzenalkaloide und ihre chem. Konstitution (deutsch von Wolffenstein, Verl. 1891).

Alkaluretika (grch.), Heilmittel, welche den Alkaligehalt des Harns erhöhen, wie die Mineralwässer von Vichy, Wildungen, Bilin, manche Obstarten u. dgl. Sie sollen die Entstehung harnsaurer Steine innerhalb der Harnorgane verhüten.

Alkamenes, griech. Bildhauer, Schüler des Phidias, soll nach Pausanias die Gruppen im Westgiebel des olympischen Zeustempels gemacht haben, was aber bezweifelt wird, da auch Pausanias' Angabe über den Künstler des Ostgiebels, Päonius (s. d.), allem Anschein nach falsch ist und die sonstigen chronol. Angaben über A. eher auf die zweite als auf die erste Hälfte des 5. Jahrh. v. Chr. führen. Diejenigen, welche an Pausanias' Nachricht fest halten, nehmen denn auch zumeist zwei verschiedene Künstler mit Namen A. an. Unter den angeführten Werken des A. befinden sich viele Götterstatuen; berühmt war die Figur einer Aphrodite und die eines sich salbenden Athleten, dem die Marmorstatue des stehenden Diskoswerfers im Vatikan nachgebildet sein soll ("Archäologische Zeitung", Taf. 209, 1, 2, Verl. 1806).

Alkan, Charles Henri Valentin, franz. Pianist, geb. 30. Nov. 1813 zu Paris, kam schon mit dem 6. Jahre auf das Konservatorium und zeichnete sich im Verlauf seiner Schülerzelt wiederholt durch seine Leistungen als Klavierspieler wie in der Komposition aus. 1831 ließ er sich in seiner Vaterstadt als Lehrer nieder, trat auch häufiger in bedeutenden Konzerten auf. In der Pariser Musikwelt gilt A. als vornehmer und gründlich gebildeter Musiker. Außerhalb Frankreichs hat er sich den Ruf eines feinsinnigen und selbständigen Komponisten, namentlich durch seine Etüden für Klavier erworben.

Alkanna Tausch., Pflanzengattung aus der Familie der Boragineen (s. d.) mit gegen 40 sämtlich mediterranen Arten; ausdauernde, borstig behaarte Kräuter mit kleinen meist blauen, zu Wickeln vereinigten Blüten. Wichtig ist A. tinctoria Tausch. (Anchusa tinctoria L., s. Tafel: Tubifloren, Fig. 6), die Stammpflanze der Alkannawurzel (s. d.).

Alkannarot, s. Alkannin.

Alkannawurzel, rote Ochsenzungenwurzel, rote Schlangenwurzel (lat. radix alkannae, radix anchusae tinctoriae; engl. orchanet; frz. orcanette), die Wurzel der im südl. und südöstl. Gebiete des Mitttelmeers wachsenden, zum Teil auch angebauten Alkanna tinctoria Tausch. Die Wurzel ist vielköpfig, wenig verästelt, l0-15 cm lang und bis 1 cm dick; sie ist meist etwas um ihre Achse gedreht, besitzt einen zerbrechlichen gelblichweißen Holzkörper und eine dunkelviolette bis braunrote, leicht sich abblätternde Rinde, welche allein nur Verwendung findet, da sie der alleinige Träger eines roten Farbstoffes, des Alkannins (s. d.), ist. Im Handel erhält man die A. aus Kleinasien, der Türkei und namentlich aus Ungarn, wo sie viel angebaut wird; man versendet sie in Ballen von etwa 100 kg. Die A., früher offizinell, findet sich noch in der 1. Ausgabe der Deutschen Pharmakopöe (von 1872), aber nicht mehr in der 2. Ausgabe (von 1882). Man bezeichnete diese Wurzel früher als unechte A. (radix alcannae spuriae) im Gegensatz zu einer Art, die aber in unserm Handel gar nicht vorkommt, und von der Lawsonia inermis L. (s. Lawsonia) abstammt. Diese Wurzel enthält ebenfalls einen roten Farbstoff, es wird aber nur der gelbe Farbstoff der Blätter dieser Pflanze, welcher im getrockneten und gepulverten Zustande unter dem Namen Henna oder Albenna im ganzen Orient bekannt sind, verwendet. Die gewöhnliche A. wird zum Rotfärben von Haarölen, Pomaden, Polituren u. s. w. benutzt. In England werden jährlich über 7000 kg davon verbraucht, in Nordamerika ebensoviel. Die Einführung der neuen Teerfarben hat dem Verbrauch auch dieser Wurzel viel Abbruch gethan.

Alkanin, Alkannarot, Anchusin, Anchusarot, Anchusasäure, der in der Schale der Alkannawurzel enthaltene prächtige rote Farbstoff; er bildet in noch unreinem Zustande als breiförmige Masse einen Handelsartikel; der daraus dargestellte möglichst gereinigte Farbstoff soll die Zusammensetzung C15H14O4 ^[C<sub>15</sub>H<sub>14</sub>O<sub>4</sub>] haben und beim Erhitzen mit Zinkstaub Methylanthracen liefern. Das A. des Handels wird durch Extrahieren der Wurzel mit Benzin und Abdestillieren des letzteren aus dem so gewonnenen Auszug erhalten; die Menge des so erhaltenen dickbreiförmigen Rückstandes beträgt 5-6 Proz. Die Versendung geschieht in Büchsen von Weißblech. Das A. ist in Wasser vollständig unlöslich, leicht löslich dagegen mit prächtig roter Farbe in Äther, Alkohol, Benzin, Chloroform, ätherischen und fetten Ölen; durch Alkalien geht die Farbe in Blau über. A. wird wie die Alkannawurzel verwendet.

Alkäos, s. Alcäus.

Alkarsin, Kakodyloxyd, Arsendimethyloxyd, As2(CH3)4O ^[As<sub>2</sub>(CH<sub>3</sub>)<sub>4</sub>O]. 1760 erhielt ein franz. Apotheker bei der Destillation von essigsaurem Kali mit arseniger Säure eine an der Luft rauchende, sehr entzündliche Flüssigkeit, die als Cadets rauchende Flüssigkeit ihren Platz in den chem. Werken fand, bis 1837 Bunsen zwei Körper von höchstem wissenschaftlichen Interesse auffand: das Kakodyl, As2(CH3)4 ^[As<sub>2</sub>(CH<sub>3</sub>)<sub>4</sub>], und dessen Oxyd, das Kakodyloxyd oder A., As2(CH3)4O ^[As<sub>2</sub>(CH<sub>3</sub>)<sub>4</sub>O], von denen das erstere als eine Arsenverbindung des Methyls und letzteres als dessen Oxyd erkannt wurde. Damit war die wichtige Entdeckung metallorganischer Radikale gemacht.

Alkassar-Kebir, s. Kassr-el-Kebir.

Alkathoos (Alcathous), Sohn des Pelops und der Hippodameia, Bruder des Atreus und Thyestes, erlegte den Kithäronischen Löwen und erhielt dafür die Hand der Tochter des Königs Megareus und die Herrschaft über Megara. Zum Zeichen, daß er den Sieg davon getragen, hatte er dem Löwen die Zunge ausgeschnitten, und überführte dadurch seine Nebenbuhler der Lüge. Sein Heroon lag