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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Alkoholismus

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Alkoholismus

Der folgende Butylalkohol, C4H10O ^[C<sub>4</sub>H<sub>10</sub>O], ist in 2 isomeren Formen bekannt: Normalbutylalkohol CH3.CH2.CH2.CH2OH ^[CH<sub>3</sub>.CH<sub>2</sub>.CH<sub>2</sub>.CH<sub>2</sub>OH] und Isobutylalkohol ^[img].

Die möglichen Isomeren werden bei steigender Anzahl der Kohlenstoffatome immer zahlreicher, so sind vom primären Amylalkohol, C5H12O ^[C<sub>5</sub>H<sub>12</sub>O], schon 4 Isomere bekannt u.s.w. (s. Isomer).

2) Einwertige sekundäre A. leiten sich vom Methylalkohol in der Weise ab, daß zwei Wasserstoffatome desselben durch Alkyle ersetzt sind. Sie enthalten demnach die Gruppe -CHOH-. Der erste sekundäre Alkohol ist der sekundäre oder Isopropylalkohol, CH3.CHOH.CH3 ^[CH<sub>3</sub>.CHOH.CH<sub>3</sub>], isomer mit dem Propylalkohol. Vom sekundären Amyalkohol an sind auch hier zahlreiche Isomere möglich.

3) Einwertige tertiäre A. leiten sich vom Methylalkohol ab, indem 3 Wasserstoffatome desselben durch Alkyle ersetzt werden. Sie enthalten die Gruppe ^[img], und das erste Glied ist der tertiäre Butylalkohol ^[img].

4) Zweiwertige A. enthalten nach dem oben Gesagten zwei Hydroxylgruppen und werden im allgemeinen als Glykole bezeichnet. Das einfachste Glied ist das Äthylenglykol oder Glykol schlechtweg, CH2OH.CH2OH ^[CH<sub>2</sub>OH.CH<sub>2</sub>OH] = C2H6O2 ^[C<sub>2</sub>H<sub>6</sub>O<sub>2</sub>].

5) Dreiwertige A. Zu dieser Gruppe gehört das wichtige, in den Fetten vorhandene Glycerin, C3H8O3 ^[C<sub>3</sub>H<sub>8</sub>O<sub>3</sub>] = CH2OH.CHOH.CH2OH ^[CH<sub>2</sub>OH.CHOH.CH<sub>2</sub>OH].

Man kennt ferner vier-, fünf- und sechswertige A., wie den Erythrit, C4H10O4 ^[C<sub>4</sub>H<sub>10</sub>O<sub>4</sub>]; Arabit, C5H12O5 ^[C<sub>5</sub>H<sub>12</sub>O<sub>5</sub>]; den Mannit, C6H14O6 ^[C<sub>6</sub>H<sub>14</sub>O<sub>6</sub>].

Die einwertigen A. sind wasserhelle flüchtige Flüssigkeiten oder bei höherm Molekulargewicht feste krystallinische Körper, meist von schwachem Geruch; die niedern Glieder sind in Wasser sehr leicht löslich. Die zwei- und dreiwertigen sind ebenfalls meist flüssig und flüchtig, das Glycerin ist aber unter gewöhnlichem Luftdruck schon nicht mehr destillierbar; die höherwertigen A. sind ausnahmslos feste, gut kristallisierende Körper. Mit der Zunahme der Anzahl der Hydroxylgruppen wird der süße Geschmack der A. intensiver; der Mannit schmeckt schon ganz zuckerähnlich.

Bei der Oxydation verhalten sich die A. verschieden, je nachdem sie primäre, sekundäre oder tertiäre (s. Kohlenstoffbindung) sind. Die primären A. verwandeln die in allen enthaltene Gruppe -CHOH- in die Gruppe -CHO und -COOH: es bilden sich Aldehyde und weiter Carbonsäuren von gleicher Kohlenstoffanzahl. Die sekundären A. geben erst Ketone durch Übergang der Gruppe -CHOH- in die Gruppe =CO, bei weiter gehender Oxydation zerfallen sie in Säuren mit einer geringern Anzahl von Kohlenstoffatomen. Das letztere ist auch der Fall bei den tertiären A., die außerdem weder Aldehyde noch Ketone zu liefern imstande sind.

Von allgemein anwendbaren Bildungsweisen der A. kennt man eine große Zahl; die wichtigsten sind folgende: 1) Zersetzung der halogensubstituierten Kohlenwasserstoffe mit Alkalihydraten oder der Iodide mit feuchtem Silberoxyd:

C2H5J ^[C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>J] + AgOH = C2H5OH ^[C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>OH] + AgJ

2) Reduktion von Aldehyden und Ketonen durch Natriumamalgam oder Zink und Säuren. Dabei entstehen primäre oder sekundäre A. 3) Behandeln der ungesättigten Kohlenwasserstoffe mit konzentrierter Schwefelsäure und Zersetzung der gebildeten Ätherschwefelsäuren durch Kochen mit Wasser:

C2H5O.SO2OH ^[C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>O.SO<sub>2</sub>OH] +H2O ^[H<sub>2</sub>O] = C2H5OH ^[C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>OH + H2SO4 ^[H<sub>2</sub>SO<sub>4</sub>].

Alkoholismus oder Alkoholvergiftung bezeichnet den Inbegriff aller derjenigen körperlichen, geistigen und sittlichen Schäden und Nachteile, die aus dem übermäßigen Genuß von Alkohol (s. d.) und alkoholhaltigen Getränken entspringen. Infolge der enormen Verbreitung, welche der Alkohol als Genußmittel fast allenthalben gefunden, erstrecken sich seine unheilvollen Wirkungen nicht nur auf das einzelne Individuum, sie sind vielmehr fühlbar für die ganze Gesellschaft und nehmen deshalb neuerdings das Interesse der Ärzte, Nationalökonomen und Gesetzgeber in hervorragendem Maße in Anspruch. Die Wirkungen des Alkohols auf den menschlichen Organismus sind verschiedene, je nachdem er verdünnt oder konzentriert, in kleinern oder größern Mengen, gelegentlich oder gewohnheitsmäßig genossen wird. Kleine Mengen rufen wie andere gleichfalls giftige Genußmittel (Tabak, Thee, Kaffee) eine angenehme Aufregung hervor, welcher später ein Zustand der Erschlaffung folgt; sie bewirken zunächst das Gefühl von Wärme im Magen und in der Haut, machen den Puls kräftiger und schneller, veranlassen einen stärkern Blutzufluß zu den Baucheingeweiden (Leber) und dem Kopfe und regen die geistige Thätigkeit an. Nach dem Genusse größerer Mengen Weingeist sind diese Wirkungen stärker, und die schädlichen Einflüsse derselben treten hervor. Die Verminderung der Leistungsfähigkeit macht sich früher und in stärkerm Grade geltend. Das Denkvermögen verliert an Schärfe, das Gedächtnis wird unsicher, die Sinne versagen den Dienst, das Gehirn verliert seine Herrschaft über den Körper, so daß die Bewegungen unsicher werden und endlich Schlafsucht und völliger Verlust des Bewußtseins sich anschließen (akuter A., Rausch, Trunkenheit). Bei dem Hinzutreten anderer Einflüsse kann durch Herzlähmung oder Schlagfluß der Tod erfolgen.

Der Körper bedarf einiger Zeit, um sich von solchen Angriffen auf seinen Normalzustand zu erholen, und es hinterbleibt daher nach dem Rausche eine Störung der Gesundheit, bei welcher die Zeichen eines Magen- und Darmkatarrhs (der sog. Katzenjammer) hervortreten. Bei häufiger Wiederholung der Intoxikation mit Alkohol bilden sich allmählich in allen Geweben und Organen des Körpers gewisse krankhafte Veränderungen und Störungen aus, die schließlich eine völlige Zerrüttung des ganzen Organismus zur Folge haben und unter dem Namen des chronischen A. (Trunksucht, Trunkfälligkeit, Säuferkrankheit) zusammengefaßt werden. Am frühzeitigsten pflegt beim Gewohnheitstrinker der Verdauungsapparat zu erkranken; chronischer Rachen- und Magenkatarrh, Appetitlosigkeit, morgendliches Erbrechen, Säurebildung und Verstopfung sind die ersten Symptome des Alkoholmißbrauchs und haben schließlich schwere Ernährungsstörungen und fehlerhafte Blutmischung zur Folge. Vermöge der abnormen Verdauung und des veränderten Stoffwechsels kommt es leicht zu einer übermäßigen Fettablagerung in der äußern Haut und den innern Organen, welche mannigfache Beschwerden und Störungen bewirkt. Namentlich die Leber ist vergrößert, schwerer, mit Fett infiltriert; nicht selten bildet sich unter dem irritierenden Einfluß des Alkohols eine chronische Entzündung dieses Organs aus mit nachfolgender Schrumpfung, Gelb-^[folgende Seite]