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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Allyghur; Allyl; Allylalkohol; Allylsenföl; Allylsulfid; Alm; Alma; Almacks; Almada; Almaden; Almadenejos; Almagest; Almagro

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Allyghur - Almagro (Stadt)

gesteine hervorgegangen sind, die einen Teil der festen Erdkruste bilden, so z. B. Konglomerat, Sandstein, Schieferthon, Thonschiefer, Kalkstein, Brauneisenstein, Braunkohle, Steinkohle u. s. w.

Allyghur (spr. -görr), s. Aligarh.

Allyl, eine ungesättigte organische Atomgruppe, die nicht für sich allein existiert, von der Konstitution CH2:CH·CH2-. Von den Allylverbindungen sind die wichtigsten die Allylhaloide (z. B. Allyljodid), Allylalkohol (s. d.) und einige Pflanzenstoffe, z. B. Senföl und Knoblauchöl.

Allylalkohol, der primäre einwertige Alkohol (s. Alkohole) der Allylreihe (s. Allyl) von der Zusammensetzung C3H5O und der Konstitutionsformel CH2:CH·CH2·OH. Er bildet sich aus Allyljodid beim Kochen mit Wasser und wird am besten durch Erhitzen von Glycerin mit Ameisensäure oder Oxalsäure dargestellt. Der reine A. bildet eine bewegliche stechend riechende Flüssigkeit, die bei 96° siedet und bei -50° erstarrt. Durch Oxydation geht er in Allylaldehyd oder Akroleïn (s. d.) und in Akrylsäure über. Als sog. ungesättigte Verbindung vermag er 2 Atome Chlor, Brom, Jod u. s. w. zu addieren.

Allylsenföl, s. Senföl.

Allylsulfid, s. Knoblauchöl.

Alm, s. Alp.

Alma (lat.), d. i. die Nährende, Nahrunggebende, ein Beiwort, das von den röm. Dichtern häufig Göttinnen des reichen Natursegens, wie der Ceres, Venus, Pales, Felicitas u. a., aber auch der Göttermutter Kybele gegeben wird. Von dieser übertrug man die Bezeichnung A. mater auf die Universitäten, als die Spenderinnen geistiger Nahrung.

Alma, Almud oder Meter, älteres türk. Flüssigkeitsmaß für den Kleinverkehr = 5,2 l. An Gewicht sollte die A. 8 Oken Wein oder 12 Oken Öl fassen. (S. auch Almude.)

Alma, Fluß der russ. Halbinsel Krim, entspringt auf dem Nordabhang des Jaila, im Süden des Tschatyr-Dagh, und ergießt sich nach einem nordwestl. und späterhin westl. Lauf in die Bucht Felenk Burun. Das Thal der A. ist berühmt durch seine Schönheit und seine weiten Fruchtgärten. An der A. wurden 20. Sept. 1854 die Russen unter Menschikow von den verbündeten Franzosen und Engländern unter Marschall Saint-Arnaud und Lord Raglan geschlagen, die ihren Sieg aber nicht durch Verfolgung ausnutzten. (S. Orientkrieg.) - Vgl. Kunz, Die Schlachten und Treffen des Krimkrieges (Berl. 1889).

Almacks (spr. ällmäcks) hießen in England gewisse, in regelmäßiger Folge veranstaltete Subskriptionsbälle. Seit der Mitte des 18. Jahrh. vergnügte sich Londons vornehme Welt an Konzerten, Bällen und Maskeraden von großartiger Pracht in Carlislehouse, dem Hause einer frühern deutschen Sängerin, Therese Cornelys. Mit diesen hocharistokratischen Unterhaltungen wetteiferten seit 1765 ähnliche Vergnügungen bei dem Gastgeber Almack (eigentlich M'Call), die durch ungemeinen Aufwand jene bald übertrafen und bis ins 19. Jahrh. zu den Glanzpunkten der Londoner Saison gehörten.

Almada, Hafenort im Distrikt Lissabon der portug. Provinz Estremadura, links der Entrada do Tejo, Lissabon gegenüber, malerisch am Fuße eines mit einem Kastell gekrönten Felsens, hat (1890) 6674 E. und große Weinmagazine. A. ist von engl. Rittern gegründet und führt den Titel einer Grafschaft. Bei A. siegte 23. Juli 1833 Villaflor über die Miguelisten (s. Miguel).

Almaden (arab. almâden, Bergwerk), mit dem Beinamen de Azogue (von Quecksilber), Stadt (Villa) in der span. Provinz Ciudad-Real, in der südwestl. Ecke Neucastiliens, Eisenbahnstation an der Linie Madrid-Badajoz, Hauptort der hohen Mancha (Mancha alta) und Sitz eines königl. Bergamtes, liegt 98 km südwestlich von Ciudad-Real anmutig zwischen parallelen Bergketten der Sierra de A., einer westl. Forsetzung ^[richtig: Fortsetzung] der Sierra Morena, ist ein gutgebauter, reinlicher und lebhafter Ort und hat (1887) 8165 E. Seinen Wohlstand verdankt A. den berühmten, in der Nähe und zum Teil unter ihm befindlichen Quecksilbergruben, die schon von den Römern (im Altertum hieß der Ort Sisapon), dann von den Mauren ausgebeutet wurden und Eigentum der Krone sind. 1525-1645 befanden sich diese Gruben (4000 Bergleute arbeiten in den Hütten, Werken und Destillationsöfen) in Pacht der Familie Fugger, die durch deutsche Bergleute den Betrieb in die Höhe brachte. Die jetzigen Bergwerke, deren unterstes 300 m Tiefe erreicht, bilden fünf Stockwerke und bauen auf einen fast senkrechten, nach unten immer breiter werdenden Zinnobergang, der im untersten Stockwerk 16 m Mächtigkeit erreicht und zahlreiche Nester gediegenen Quecksilbers enthält. Der Hauptausfuhrort des Quecksilbers ist Cordoba. Die Bergwerke und Hütten von A. und von Almadenejos, einem 10 km im Osten gelegenen Städtchen von 1114 E., sowie von dem nördlicher gelegenen Gargantiel und Val de Azogues, wo Felsitporphyre und Hornblendegrünsteine durch die devonischen Schichten brechen, sind eine der Haupteinnahmen des Staates. Von 1773 bis 1823 gewann man jährlich 14 300 Quintals (à 46,014 kg), von da ab meistens über 20 000 Quintals (24 875 im J. 1839); später ist die Ausbeute auf etwa 14 000 Quintals herabgegangen, in neuerer Zeit aber wieder ansehnlich gestiegen (s. Spanien, Bergbau). Die span. Regierung verpachtete seit 1836 den Vertrieb dem Hause Rothschild zu London. Dieses erneuerte wiederholt die Verträge und monopolisierte den ganzen Handel bis zur Entdeckung der Zinnoberlager Kaliforniens, deren Produkt schon 1848 so sehr in Wettbewerb trat, daß der 1847 geschlossene Pachtvertrag wegen großer Einbuße der königl. Bank aufgehoben wurde. Auch die nach dieser Zeit mit dem Hause Rothschild abgeschlossenen Verträge haben der span. Regierung keine Vorteile gebracht. Nach dem 1870 auf 30 Jahre gegen Beschaffung einer Anleihe von 168 Mill. Realen abgeschlossenen Vertrage hat sich die Regierung zur Deckung der Zinsen verpflichtet, jährlich 24 000 Ctr. Quecksilber nach London zum Verkauf zu liefern. Dieser Vertrag ist nicht nur pekuniär ungünstig für die Regierung, sondern belastet auch die Werke übermäßig. - Vgl. Röggerath, Mitteilungen über die Quecksilberbergwerke zu A. (Berl. 1863).

Almadenejos, s. Almaden.

Almagest, bei den Arabern Titel der arab. Übersetzung des Werkes "Syntaxis mathematica" des Astronomen Claudius Ptolemäus (s. d.).

Almagro, alte Stadt (Ciudad) in der span. Provinz Ciudad-Real in Neucastilien, an der Linie Alcazar-Ciudad-Real, 23 km ostsüdöstlich von Ciudad-Real, in sehr fruchtbarem, oliven- und rebenreichem Hügelgelände, das viele Gartenfrüchte, namentlich Melonen, hervorbringt, ist Hauptort des unter dem Namen Campo de Calatrava bekannten Distrikts der Mancha, hat (1887) 8712 E. und große Spitzenfabriken. Das hügelerfüllte Dreieck zwischen A.,