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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: A-Madi; Amadeus; Amadeus-Lake; Amadinen; Amadis

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Amadeus (König von Spanien) - Amadis

unter seine Lehnshoheit gezwungen (1364), erhob ihn Karl IV. 1365 zum Reichsstatthalter in der Schweiz und den Bistümern Lyon, Mâcon und Grenoble. 1366 zog er Joh. Paläologus zu Hilfe gegen die Türken und Bulgaren. In die Fehden der ital. Staaten griff er als bewaffneter Vermittler ein; 1372-75 bekämpfte er seinen Schwager Joh. Galeazzo Visconti (s. d.) im Bunde mit Gregor XI. und Johanna I. (s. d.) von Neapel und unterstützte Ludwig I. (s. d.) von Anjou gegen Verzicht auf seine savoyischen Erbrechte beim Kampf um die Nachfolge in Neapel 1382, wobei er 2. März 1383 in Apulien der Pest erlag. 1362 stiftete er den spätern Annunciaten- (Halsband-) Orden (s. d.). A. setzte die Unteilbarkeit der savoyischen Lande und ihre Vererbung nach dem Erstgeburtsrecht fest, was 1439 durch A. VIII. und 1470 durch A. IX. bestätigt wurde. - Vgl. die Biographien von Stefani (Tur. 185)3), Biré (Chambéry 1869), Foucard (Modena 1878), Datta, Spedizione in Oriente di A VI. (Tur. 1826).

A. VII. (VI.), der Rote, geb. 24. Febr. 1360, Sohn des vorigen, folgte seinem Vater 1379 in Bresse, 1383 in Savoyen. Im Bunde mit Karl VII. von Frankreich kämpfte er in Flandern, dann gegen die Markgrafen von Saluzzo und Montferrat und ward von den Rivierastädten Barcelonetta, Ventimiglia und Nizza zum Schutzherrn berufen, die so den Bedrängnissen des Krieges zwischen Ludwig II. von Anjou und Wladislaw von Ungarn zu entgehen suchten. A. starb 1. Nov. 1391.

A. VIII., der Friedfertige, als Papst Felix V. (s. d.) genannt, erster Herzog von Savoyen, Sohn des vorigen, geb. 4. Sept. 1383 zu Chambéry, trat, nachdem er den Markgrafen von Saluzzo aufs neue zur Unterwerfung genötigt und vermittelnd in den Streit zwischen den Häusern Orléans und Burgund eingegriffen hatte, mit Kaiser Sigismund in Verhandlungen wegen Beseitigung des Schismas, unterstützte ihn mit Truppen gegen die Hussiten und erhielt dafür Febr. 1419 die Herzogswürde. 1418 hatte Piemont sich nach dem Erlöschen der ältern Linie Savoyen für ihn erklärt; von Montserrat erlangte er 1432 die Abtretung der nördlich vom Po gelegenen Gebietsteile. 1422 erwarb er durch Kauf die Grafschaft Genf. Als ein Mordanfall auf ihn versucht ward, dankte er 1433 zu Gunsten seines Sohnes ab. Vom Baseler Konzil 5. Nov. 1439 an Stelle Eugens IV. zum Papst gewählt, wurde er 24. Juni 1440 in Basel gekrönt, verzichtete aber April 1449 und starb 7. Jan. 1451 in Genf.

A. IX. (VIII.), der Glückliche, Enkel des vorigen, geb. 1. Febr. 1435, folgte 1465 seinem Vater, dem Herzog Ludwig. Gatte der Jolanthe, Schwester Ludwigs XI. von Frankreich, unterstützte er diesen gegen Johann von Bourbon und die "Ligue du bien public". Nachdem sein Bruder Philipp von Bresse mit Glück für ihn gegen Mailand und Montserrat gekämpft (1467) und er selber 1468 ein zehnjähriges Bündnis mit Venedig geschlossen hatte, übertrug er krankheitshalber 1469 seiner Gattin die Regierung. Seine damit unzufriedenen Brüder nahmen A. gefangen und zwangen ihn im Frieden von Chambéry, ihnen Anteil an der Regierung zu gewähren. Nach seinem kurz darauf erfolgten Tode, 16. April 1472 zu Vercelli, führte Jolanthe die Regierung als Vormünderin des jungen Philibert.

Amadeus, Ferd. Maria, Herzog von Aosta, König von Spanien (1870-73), geb. 30. Mai 1845 als der zweite Sohn des nachmaligen Königs Victor Emanuel von Italien. Schon im Kriege von 1859 gegen Österreich gehörte er dem sardin. Heere an und kämpfte im Feldzuge von 1866 mit. Später widmete er sich dem Seewesen und erhielt den Rang eines Konteradmirals. Am 30. Mai 1867 vermählte er sich mit Prinzessin Maria (geb. 9. Aug. 1847), Tochter des Fürsten Emanuel dal Pozzo della Cisterna. Nach dem Sturze der bourbonischen Dynastie in Spanien wurde A. von den Cortes 16. Nov. 1870 gewählt und nahm 4. Dez. die Krone als König Amadeus I. an. A. traf 2. Jan. 1871 in Madrid ein. Er versuchte vergeblich geordnete Zustände im Lande herzustellen. Nachdem A. in der Nacht vom 18. zum 19. Juli 1872 mit der Königin Maria in Madrid das Ziel eines Mordversuchs gewesen war, vermochten ihn Partei- und Hofintriguen, das Umsichgreifen des Karlistenaufstandes, Umtriebe des Klerus, fortwährende Geldnot, vor allem aber das Andringen seiner Gemahlin, die Krone freiwillig niederzulegen. Er teilte diesen Entschluß 11. Febr. 1873 den Cortes mit, verließ 12. Febr. die Hauptstadt, landete 8. März in Genua und legte den Königstitel nieder. Victor Emanuel ernannte A. zum Generallieutenant und annullierte die von A. bei Annahme der span. Königskrone ausgestellte Verzichtleistung auf die ital. Thronerbrechte. Seine Gemahlin Maria starb 8. Nov. 1876. Aus ihrer Ehe stammen: Emanuel Filibert, jetzt Herzog von Aosta, geb. 13. Jan. 1869, vermählt seit 25. Juni 1895 mit Prinzessin Helene von Orléans, Tochter des Grafen von Paris (s. d.); Victor Emanuel, Graf von Turin, geb. 24. Nov. 1870; Ludwig, Herzog der Abruzzen, geb. 29. Jan. 1873. A. vermählte sich ein zweites Mal 11. Sept. 1888 mit seiner Nichte, der Prinzessin Lätitia Bonaparte (geb. 20. Dez. 1866), Tochter des Prinzen Napoleon; aus dieser Ehe stammt Humbert, Graf von Salemi, geb. 22. Juni 1889. A. starb 18. Jan. 1890 zu Turin. - Vgl. Manfredi und Cisotti, Amadeo-Ferdinando-Maria, duca d'Aosta, ricordi storici (Rom 1890).

Amadeus-Lake, großer Salzsee im innern Australien, zum größern östl. Teile auf südaustral. (Alexandraland), zum kleinern westl. Teile auf westaustral. Gebiete, liegt zwischen 24 und 25° südl. Br., erreicht höchstens 60 km Breite bei 350 km Länge.

A-Madi, Volk in Äquatorialafrika, s. Madi.

Amadinen (Spermestes Swains.), die größern, dickschnäbeligen Prachtfinken (s. d.), welche wegen ihrer ansprechenden Färbung und ihres muntern Gezwitschers als Stubenvögel beliebt, in neuerer Zeit viel verbreitet und zum Teil leicht züchtbar sind. - Vgl. Ruß, Die Prachtfinken (Magdeb. 1880); ders., Handbuch für Vogelliebhaber, II (3. Aufl., ebd. 1891).

Amadis von Gaula (Gallien oder Wales), der Held des für das 16. Jahrh. tonangebenden Ritterromans. Dieser wird zuerst 1379 als vielgelesenes Buch in Spanien genannt, wo damals ziemlich sicher die jetzt verlorene Urform entstand. Die höfischen Ritter des franz. Kunstepos waren in den Prosaauflösungen der Gralsage im 13. bis 14. Jahrh. religiös geworden; in Spanien zeigen sich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. Nachahmungen, in denen sie moralisch werden, unter Aufgabe des in Frankreich festgehaltenen Rahmens der Tafelrunde (s. d.). Im A. trat ein sentimentaler Zug hinzu, der ebenfalls wohl schon der Urform eigen war. Aus dieser floß früh eine portug. Bearbeitung, die, nur in Spuren nachweisbar, zu der Behauptung portug. Ursprungs Anlaß gab. Ein Adliger aus Medina del Campo,