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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Amati-Violine; Amatonga-Land; Amaul; Amaurōse; Amaury-Duval; Amausen; Amaxíki; Amazirghen; Amazonas; Amazōnen

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Amati-Violine - Amazonen (mythologisch)

südlich von der Stadt Guatemala, in einer sehr gut angebauten, an Cochenille-Nopal und an Zuckerrohr reichen Gegend, um 1840 noch ein Indianerdorf, ist seit dem Aufschwunge der Cochenillekultur ein wohlhabender und lebhafter Ort mit etwa 12000 E. geworden. A., jetzt durch Eisenbahn mit Guatemala und der Küste bei San José verbunden, besitzt eine alte Dorfkirche und eine Brücke, gebaut von Dominikanern, die sich 1549 hier niederließen. Am See sind heiße Quellen, die auch zum Baden benutzt werden. - Der Amatitlansee ist 12 km lang, 4 km breit und wird von sehr zerklüfteten Bergen umgeben. An seiner Südseite steht der Pacaya (2550 m); der eine seiner vier Krater hatte 1870 einen Ausbruch. Der Abfluß des Sees, der Rio Michatoya, der nach seiner großen Wassermasse unterirdischen Zufluß haben muß und größtenteils durch Urwald strömt, bildet bei dem Dorfe San Pedro Martyr zwei Wasserfälle, von denen der eine fast 60 m hoch und einer der schönsten der Erde ist, und mündet nach einem 110 km langen, wegen seines starken Gefälles und seiner vielen Felsen nicht schiffbaren Laufe bei Istapa in die Südsee.

Amati-Violine, s. Amati.

Amatonga-Land, s. Tongaland.

Amaul, Süßwasserfisch, s. Sander.

Amaurōse, Amaurosis (grch.), s. Star (Augenkrankheit bei Haustieren).

Amaury-Duval (spr. amorih düwáll), eigentlich Eugène Emmanuel Pineau du Val, franz. Maler, geb. 8. Febr. 1808 in Montrouge, trat 1826 in das Atelier Ingres' zu Paris. Anfangs widmete er sich der Porträtmalerei (Bildnisse der Rahel, Duvals), malte dann Fresken in der Kirche St. Merry zu Paris, in der Kirche von St. Germain und St. Germain d'Auxerrois, in denen er dem Vorbilde der Quattrocentisten folgte. Seine spätern Bilder, besonders die der Mythologie entnommenen, zeichnen sich durch Anmut aus; so: Das schlafende Christkind, Geburt der Venus (1862; Lille, Museum), Daphnis und Chloë (1865). Er starb 27. Dez. 1885 in Paris.

Amausen oder künstliche Edelsteine, s. Straß.

Amaxíki oder Hamaxiki, auch Hagia Mavra oder (offiziell) Levkas, Hauptort der ion. Insel Leukas, an der Stelle der alten Hauptstadt an der Nordostküste in fruchtbarer Ebene, ist Sitz eines griech. Metropoliten, und hat (1889) 5539 E., zwei Häfen, ein Gymnasium. Die Einwohner betreiben Gerberei, Baumwollweberei und Landwirtschaft. 1 km nördlich liegt auf einer Landzunge da, wo die Meerenge zwischen der Insel und dem Festlande nur 1100 m breit ist, die im 14. Jahrh. von den Grafen von Tochis erbaute Festung Santa Maura, mit Gräben und Türmen umgeben und durch ihre Lage zwischen Lagunen gesichert. Sie steht mit A. durch eine von den Türken erbaute, jetzt als Brücke zwischen beiden Orten benutzte Wasserleitung in Verbindung.

Amazirghen, s. Berbern.

Amazonas (spr.-ßohnas), Strom, s. Amazonenstrom.

Amazonas (spr.-ßohnas) oder Alto Amazonas, größter Staat von Brasilien, umfaßt das obere Stromgebiet des Amazonenstroms bis an die Grenzen von Bolivia, Peru, Ecuador, Columbia und Venezuela, wurde als Provinz 1850 aus dem westlichen größern Teile der alten Provinz Para gebildet und hat 1897020 qkm (ein Fünftel Brasiliens), (1888) ungefähr 160000 E., davon etwa die Hälfte unabhängige Indianer in den Urwäldern, d. i. auf 1 E. 12 qkm. Fast der ganze Staat ist eine große Alluvialebene; nur die Nordgrenze wird von Ausläufern der Gebirge von Guayana durchzogen, die als Serra Parima und Serra Pacaraima die Grenze gegen Venezuela bilden. In den Flußniederungen sind Felshügel selten, Steine fast Naturmerkwürdigkeiten. Der Staat bildet einen fast ununterbrochenen Urwald; das Land in seiner ganzen Ausdehnung durchfließt der Amazonenstrom mit seinen größten Zuflüssen, dem Iça, Yapura, Rio Negro, Jurua, Purus, Madeira. Die Kultur ist in A.noch gering. Die Ausfuhrprodukte des Staates sind Nüsse und Kautschuk, auch Baumwolle, tierisches Öl, Kakao, Balsam, Sassaparille, Vanille, Nutzholz, Medizinalpflanzen. Von der Eröffnung der natürlichen Verkehrswege des Staates ist bei ihrem großen Reichtum an Naturprodukten eine bedeutende Hebung des Handels und der Kultur zu erwarten. Schon jetzt ist der Aufschwung des Handels groß. Der Amazonenstrom, der Rio Negro und der Purus werden mit Dampfern befahren, ebenso der Madeira bis zu seinen Stromschnellen. Vor allem gehen Schiffe nach Nordamerika und nach England, auch deutsche Häuser sind hier ansässig; doch fehlt es noch an direkter Schiffsverbindung mit Deutschland, das über Liverpool importieren muß. Das Klima ist heiß und feucht, aber ziemlich gesund, trotz häufiger Fieber. Der Hauptort ist Manaos (s. d.), früher Barra do Rio Negro. Weitere Ortschaften von Bedeutung fehlen in A. Teffe oder Egas ist eine der größern Dampfschiffsstationen am Amazonenstrom.

Amazonas (spr.-ßohnas), Departamento in Peru, umfaßt den größten Teil des Oberlaufes des Amazonenstroms und das östlich davon gelegene Land bis zur Cordillera central, demnach den Westabhang dieser letztern, und hat 34115 qkm, (1876) 34245 E. Die Hauptstadt ist Chachapoyas (s. d.) mit 3366 E.

Amazōnen, nach der griech. Sage ein nur aus Frauen bestehendes Volk, das keine Männer unter sich duldete und unter einer Königin einen kriegerischen Staat bildete. Mit den Männern benachbarter Völkerschaften pflogen sie Gemeinschaft bloß der Fortpflanzung wegen. Diesen sandten sie auch die neugeborenen Knaben zu, wenn sie sie nicht töteten. Die Mädchen aber erzogen sie zum Kriege und brannten ihnen (nach späterer etymologisierender Sage) die rechte Brust aus, damit sie ihnen beim Spannen des Bogens nicht hinderlich sei. Davon sollen sie den Namen A., d. i. Brustlose, erhalten haben. Ihrem Wesen nach gehörten die A. zu dem Kreise der großen Göttin Kleinasiens, welche die Griechen mit ihrer Artemis identifizierten. Die A. wohnten nach der verbreitetsten Auffassung an den Küsten des Schwarzen Meers, an dem Flusse Thermodon und unfern von dem Flusse Iris, dem heutigen Jeschil-Irmak. Von hier aus sollen sie ganz Asien mit Krieg überzogen und Smyrna, Ephesus und andere Städte erbaut haben. Schon Homer weiß von Kämpfen des Bellerophon (s. d.) und der Phrygier gegen die A. Ihre Königin Hippolyte, nach andern Antiope, ward von Herakles getötet, unter dessen ihm von Eurystheus auferlegten Arbeiten eine darin bestand, jener Königin das Wehrgehänge, das sie von Ares erhalten hatte, abzunehmen. Auf diesem oder einem eigenen Zuge gewann Theseus die Antiope, infolgedessen die A. einen Einfall in Attika machten. Auch zogen sie unter ihrer Königin Penthesileia gegen die Griechen dem Priamos zu Hilfe. Selbst zur Zeit Alexanders d. Gr. treten sie noch in Sagen auf; ihre Königin Thalestris soll