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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Amenophis - Amerika (Lage und Grenzen)

Amenophis (ägypt. Amenhotep), vier Könige von Ägypten; besonders bekannt ist A. III. aus der 18. Dynastie, der in der sog. Memnonssäule (s. Memnon) bei Theben dargestellt ist, und sein Sohn A. IV. (S. Ägypten, S. 239.)

Amenorrhöe, Amenie (grch.), das Ausbleiben der Menstruation (s. d.) in dem Falle, wo solche normalerweise erwartet werden darf. Das verspätete Auftreten der ersten Menstruation oder das Ausbleiben der schon eingetretenen bei einem Mädchen hängt meist von Allgemeinerkrankungen ab, als Bleichsucht, Skrofulose, Tuberkulose, weil bei diesen Zuständen die Geschlechtsteile in ihrer Entwicklung zurückbleiben, während das vorzeitige Erlöschen des Monatsflusses bei Frauen zwar auch durch tief eingreifende Allgemeinerkrankungen bedingt sein kann, aber doch immer den Verdacht begründet, daß Erkrankungen der Gebärmutter oder der Eierstöcke zu Grunde liegen. Das plötzliche Stocken des schon fließenden Menstruationsblutes (Suppressio mensium) ist Folge akuter Krankheiten oder starker Erkältungen, auch heftiger Nervenerschütterungen (Schrecken u. s. w.). Die Behandlung der A. muß sich stets nach der Ursache richten und zerfällt bald in eine rein örtliche, bald in eine allgemeine, die Hebung des gesamten Kräftezustandes bezweckende.

Amens (lat.), sinnlos, unsinnig.

A mensa et thoro (lat.), vom Tisch und Bett (geschieden; s. Scheidung von Tisch und Bett).

Amentaceen, Ordnung aus der Gruppe der Dikotyledonen, Abteilung der Choripetalen, charakterisiert durch eingeschlechtige Blüten, von denen namentlich die männlichen in kätzchenartigen Blütenständen stehen. Die Blüten enthalten ein oft sehr rudimentäres Perigon; die Anzahl der Staubgefäße ist verschieden. Der Fruchtknoten ist unter- oder oberständig, die Frucht meist einfächerig und einsamig. Die Ordnung umfaßt die Familien der Cupuliferen (s. d.), Juglandaceen (s. d.), Myricaceen (s. d.), Salicaceen (s. d.), Casuarinaceen (s. d.), Betulaceen (s. d.). Hierzu eine Tafel: Amentaceen. Zur Erklärung vgl. die Artikel Edelkastanie, Eiche, Nußbaum, Casnarina.

Amenthes (ägypt. Amentet, d. i. das Westland), bei den Ägyptern die Unterwelt, vornehmlich im Totenbuch (s. d.) beschrieben und in Vignetten dargestellt. Die Hauptstelle ist der Gerichtssaal des Totenrichters Osiris, vor den der Verstorbene von der Göttin Mat (die Gerechtigkeit) geführt wird, während Horus und Anubis seine Thaten abwägen.

Amentia (lat.), Verstandeslosigkeit, wenig mehr gebrauchter Ausdruck für gewisse Geisteskrankheiten, meist für Zustände der Verwirrtheit.

Amentum, s. Kätzchen und Blütenstand.

Amer, s. Biesbosch.

Amerbach, auch Emmerpach, Johannes, hervorragender Baseler Buchdrucker und Buchhändler, geb. 1443 in Reutlingen, widmete sich den Universitätsstudien und erwarb in Paris, wo der um die Einführung der Typographie daselbst hochverdiente Humanist Johannes (Heynlin) de Lapide sein Gönner wurde, den Grad eines Magister artium. Gleich vielen andern Männern mit gelehrter Vorbildung wandte er sich, vielleicht durch Heynlin mit bestimmt, der neuen Kunst zu, war höchstwahrscheinlich für Ant. Koberger in Nürnberg als Korrektor thätig und fing etwa um 1475 in Basel selbst zu drucken an, wo außer dem lebhaften Handel das Aufblühen der 1460 eröffneten Universität mit humanistischer Richtung ihm besonders günstige Aussichten bot. 1478 erschien sein erster nachweisbarer Druck; in demselben Jahre besuchte er bereits die Frankfurter Messe; 1483 wurde er Bürger von Basel. Mit zahlreichen Gelehrten, wie Beatus Rhenanus, Konrad Pellikan, besonders aber Joh. de Lapide (gest. 1490 zu Basel), in Verkehr und von ihnen unterstützt, war er eifrig auf Herstellung kritisch zuverlässiger und korrekt gedruckter Texte bedacht. Seine Ausgaben gehören hauptsächlich der patristischen und humanistischen Litteratur an. Seit 1500 verband A. sich zum Drucken mit Joh. Froben, seinem berühmten Nachfolger, dazu (seit 1503) mit Joh. Petri. Mit Ant. Koberger, Adolf Rusch (in Straßburg) und andern Buchhändlern stand er in lebhaftem Geschäftsverkehr; ersterer war wiederholt an seinem Verlage beteiligt. Er starb 25. Dez. 1513. Sein Hauptwerk ist die erste Gesamtausgabe der Schriften Augustins (1500). Eine Ausgabe des Hieronymus erschien erst 1516 nach seinem Tode. Sein dritter Sohn, Bonifacius A. (1495-1562), Professor der Rechte zu Basel, war befreundet mit Holbein dem Jüngern. Sein berühmtes Porträt von des letztern Hand (1519) befindet sich im Museum zu Basel. - Vgl. Burckhard-Biedermann, Bonifacius A. und die Reformation (Bas. 1894).

Ameria, s. Amelia.

American Pills, s. Geheimmittel.

American safety gas, s. Auroraöl.

Amerighi, Michelangelo, s. Caravaggio.

Amerigo Vespucci, s. Vespucci, Amerigo.

Amerika. Der Name A. wurde 1507 von dem deutschen Gelehrten Waldseemüller (oder Waltzemüller) zu St. Dié in Lothringen in einer Flugschrift, "Cosmographiae inductio", in der außer einer kurzgefaßten Erdbeschreibung auch eine lat. Übersetzung der Schiffahrten des Amerigo Vespucci (s. d.) enthalten war, vorgeschlagen, da Waldseemüller den Vespucci für den Entdecker des Festlandes von Südamerika hielt. Der Name bürgerte sich trotz dieses Irrtums rasch ein und verdrängte schließlich auch den in Spanien üblichen Namen "Neue Welt". Die erst in unserer Zeit aufgetretene Behauptung, der Name A. rühre von einer amerik. Landschaft her, oder gar die Ansicht, Vespucci habe sich erst nach seinen Reisen nach einer solchen Gegend Amerigo genannt, ist völlig unhaltbar.

Lage und Grenzen. Das Festland der westl. Halbkugel oder der Neuen Welt wird umspült im W. vom Großen oder Stillen Ocean, im O. vom Atlantischen Ocean und im N. und S. von den Gewässern des Arktischen und des Antarktischen Polarmeers. Es nähert sich im NW. mit der Halbinsel Alaska dem Kontinente Asiens bis auf 92 km und nordöstlich durch das vorgelagerte Grönland Norwegen auf 1500 km, mit dem Kap Charles in Labrador der Südwestspitze Englands auf 3200 km. Eine 3000 km weite Wasserstrecke trennt den Nordosten Südamerikas von der nächstgelegenen Küste Afrikas, und die Südspitze A.s ist von der Afrikas 87 Längengrade, von Tasmanien sogar 147 Längengrade entfernt. Die äußersten Punkte des Festlandes sind: im N. Kap Murchison, auf der Halbinsel Boothia-Felix, 72° nördl. Br. und 93° 40' westl. L. von Greenwich; im S. Kap. Froward, 53° 54' südl. Br. und 71° 20' westl. L., oder, wenn man den Feuerland-Archipel mit einrechnet, Kap Hoorn, 55° 59' südl.Br. und 67° 20' westl. L.; im W. Kap Prince of Wales auf Alaska, 65° 33' nördl. Br. und 108° westl. L.; im O. Kap Branco, 7° 8' südl. Br. und 34° 50' westl. L., etwas südlich von Kap San Roque in Brasilien. Diese