Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Amerika; Amerika-Inseln; Amerikanische Altertümer; Amerikanische Eisenbahnen; Amerikanische Kunst

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Amerika (Fabrikort) - Amerikanische Kunst

Amerika, Fabrikort in der Amtshauptmannschaft Rochlitz der königlich sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig, 2,5 km nördlich von Penig, teils zu Penig, teils zu Arnsdorf gehörig, an der Linie Glauchau-Wurzen der Sächs. Staatsbahnen, hat Post, Telegraphenhilfsstelle und große Spinnerei.

Amerika-Inseln, s. Fanninginseln.

Amerikanische Altertümer, die aus vorcolumbischer Zeit stammenden Denkmäler, die Reste des Hausgeräts, der gewerblichen und künstlerischen Erzeugnisse der eingeborenen Nationen Amerikas. In Betracht kommen namentlich die Gebiete, in welchen in vorcolumbischer Zeit eine höhere Civilisation oder wenigstens eine Art Halbkultur sich entwickelt hatte. Das sind das Mississippithal und die östlich desselben gelegenen Gebiete (s. Mounds und Moundbuilders), die Territorien Neumexiko und Arizona (s. Pueblo-Indianer, Casas-Grandes), Centralamerika (s. Mexikanische Altertümer, Maya, Nicaragua, Darien), die Hochländer der heutigen Vereinigten Staaten von Columbia (s. Chibcha) und Peru, Bolivia und Chile (s. Peruanische Altertümer). Weitaus in den meisten dieser Gebiete handelt es sich um Gegenstände, die ein jahrhundertelanges Liegen in der Erde vertragen, ohne gänzlicher Zerstörung anheimzufallen. Aus den Mounds des Mississippithals sind schöne irdene Gefäße, aus Speckstein geschnitzte Tabakspfeifen, Knochen- und Perlmutterschmucksachen und einzelne wenige auch aus Kupfer bekannt geworden (s. Tafel: Amerikanische Altertümer I, Fig. 1-9). Die Hauptmasse der neuamerik. Altertümer sind gröbere und feinere dekorierte Gefäße. In Mexiko und den angrenzenden centralamerik. Staaten haben sich herrliche Bauwerke mit Skulpturen erhalten und eine Fülle an Gegenständen aus Stein, Thon und Muschelschale, auch einige feinere Stücke in Türkis-und Federmosaik (s. Taf. I, Fig. 10-23; II, Fig. 1-3, 4). Costa-Rica (s. Taf. II, Fig. 5), der Isthmus und Columbia (s. Taf. II, Fig. 6-10) haben eine Menge goldener Geräte und Schmucksachen geliefert. Unter den peruan. Altertümern (s. Taf. II, Fig. 11-23) sind in erster Linie bemerkenswert und seit alter Zeit bekannt die schön verzierten und originell geformten Vasen. Der Umstand, daß es in den Küstengebieten Perus fast nie regnet, hat zur Folge gehabt, daß in den dortigen Gräberfeldern die vergänglichsten und zerstörbarsten Gegenstände unzerstört sich erhalten haben, und in neuerer Zeit vorgenommene systematische Ausgrabungen haben eine überwältigende Fülle derselben zu Tage gefördert, schön gewebte und verzierte Stoffe, Hausgerät aller Art, Nahrungsmittel, Mais und Bohnen und in wohlverspundeten Gefäßen Reste von Getränk. Am reichsten an A. A. sind das Peabody-Museum in Cambridge (Massachusetts), das Nationalmuseum in Washington und die ethnogr. Museen von Berlin, London und Paris.

Litteratur. Hauptwerke sind: Squier und Davis, Ancient Monuments of the Mississippi Valley (Neuyork 1848); Kingsborough, Mexican Antiquities (9 Bde., Lond. 1831-18): Humboldt und Bonpland, Vues des Cordillères et Monuments des peuples indigènes de l'Amerique (2 Bde., mit 69 Tafeln); Stephens, Incidents of travel in Central America, Chiapas and Yucatan (2 Bde., Neuyork 1841); ders., Incidents of travel in Yucatan (2 Bde., ebd. 1843); Squier, Nicaragua (2 Bde., Lond. 1852); ders., Peru, Incidents of travel and exploration in the land of the Incas (ebd. 1877); Strebel, Alt-Mexiko (2 Bde. Fol., mit vielen Tafeln, Hamb. und Lpz. 1885); Peñasiel, Monumentos del arte mexicano antiguo (Berl. 1890); Bovallius, Nicaraguan Antiquities (Stockh. 1886); Rivero und Tschudi, Antiguedadas Peruanas (Wien 1851); Reiß und Stübel, Das Totenfeld von Ancon in Peru (Berl. 1880-87); Reiß, Stübel und Koppel, Kultur und Industrie südamerik. Völker (ebd. 1890); Stübel und Uhle, Die Ruinenstätte von Tiahuanaco in Peru (Bresl. 1893). - Zusammenfassende Darstellungen: Bastian, Die Kulturländer des alten Amerika (Berl. 1878); Brühl, Die Kulturvölker Alt-Amerikas (Neuyork, Cincinnati, St. Louis 1875-87).

Amerikanische Eisenbahnen, s. Amerika.

Amerikanische Kunst. Die ersten Regungen, einer der europäischen verwandten Kunstthätigteit zeigten sich in Amerika bald nach der Eroberung durch die Spanier zunächst in der Baukunst. Den im Barockstil errichteten Kirchenbauten ist eine kräftige Massenwirkung und Sinn für Größe und Raumbildung ebenso eigentümlich, als der überreiche Schmuck und die derbe Bildung im einzelnen. Nach dem festungsartig schweren Bau von San Francisco zu Tula (1540-61) entstand die Kuppelkirche zu Merida (1598 vollendet) und die gewaltige Kathedrale von Mexiko (1573-1056), deren Haupttürme bis zu 60 m Höhe ansteigen. Die stark barocke Parochialkirche zu Lagos, die 1649 geweihte Kathedrale zu Puebla und die Kirche zu Chihuahua (1789 vollendet) zeigen weitere Fortbildungen der span. Kunstweise. Doch tritt allmählich, besonders im 18. Jahrd., die überreiche Dekoration mehr zurück, während die großartige Raumentfaltung blieb. Beispiele hierfür bieten an Francisco und das Sagrario Metropolitano zu Mexiko sowie die Kathedrale zu Leon. Auch im Profanbau wurden stattliche Werke geschaffen: der Palacio Nacional aus dem J. 1692, mit über 200 m Frontlänge, das Ayuntamiento (1720-24) die Mineria (1797-1813) zu Mexiko sind Beweise von der formal zwar oft unsichern, aber großsinnigen Schaffensweise der dortigen Künstler. In Südamerika sind die stattlichen Kirchen zu Cuzco (1537 begonnen), in Rio de Janeiro, Bahia, Buenos-Aires, Lima, Santiago (dort namentlich die mächtige 1647-1748 errichtete Kathedrale) zu erwähnen. Die Baukunst jener Länder ist aber noch zu wenig bekannt, als daß ein klares Bild der Entwicklung gegeben werden könnte.

Die nach Nordamerika verpflanzte Kunst, von England und den Niederlanden beeinflußt, strebte mehr praktischen als künstlerischen Zielen nach. Auch hier gingen die span. Katholiken mit ihrem Beispiel voraus. In den neumerik. Städten, wie z. B. Santa Fé, finden sich früher als in den prot. Landesteilen Bauten, die auf durchbildete Gestaltung Anspruch erheben. Der Süden folgt auch in der Folge mehr den Anregungen kath. Länder. Die 1792-94 errichtete Kathedrale von Neuorleans zeigt eine Mischung franz. Klassicismus mit got. Anklängen. Ihr gegenüber steht im Norden die Christ-Church in Philadelphia (1727 vollendet), welche sich an die Bauten des Christopher Wren in London anlehnt und das State-House zu Boston wie das White-House zu Washington, beide mehr Zweck- als Schmuckbauten im Sinn des holländ. Schaffens.

Im 19. Jahrh. wirkten die verschiedenen Kunstschulen Europas, von dem Strom der Einwanderer getragen, auf Amerika. Die bescheidene Kunst der "old colonial-times" konnte diesen Einflüssen nicht