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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Amerikanische Sprachen; Amerikanischer Tiger; Amerikanisches Duell; Amerikanisches Pulver; Amerikanismen

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Amerikanischer Tiger - Amerikanismen

oder sich mit ihnen verschmelzend. So ist denn das Inselkaribisch offenbar ein Gemisch zweier Sprachen; auch existiert dort, mehr oder minder scharf abschieden, eine Weibersprache und eine Männersprache, erstere wohl ursprünglich mit dem Aruak sich deckend, letztere die eigentliche Karibensprache repräsentierend.

Eine dritte größere Sprachgruppe bilden die Tupi-Guarani, die von Paraguay längs der Küste von Brasilien bis zum Amazonenstrom sich ziehen. Ihre Sprache ist die sog. lengoa geral do Brasil, Verwandte von ihnen sind die Ovampi in Guayana, die Camayura im Quellgebiet des Xingu, die Mauhe und Apiaca in dem des Tapajoz, vielleicht auch die Manitsaua, Yuruna, Mundrucu. Ferner die Umaua oder Omagua (s. Tafel, Fig. 19) am Rio Iça, die Cocama am obern Maranon, die Guarayo, die östlich von den Moro in den Llanos im Quellgebiet des Madeira hausen und die Chiriguana des bolivian. Chaco.

Eine vierte größere Gruppe bilden die Tapuya oder Gêsstämme, wozu die Botokuden (s. d. und Tafel, Fig. 18) und andere Stämme im östl. Brasilien, die Cherentes und Chavantes am Tocantins, die Kayapo in Goyaz, die Suya des Xingu und die Kamē von Sta. Catharina gehören.

Zwischen den Völkern der genannten vier Gruppen sitzen aber noch zahlreiche andere Stämme besonderer Stellung, wie die Guarauno oder Warrau am untern Orinoco, die Saliva im Centrum von Venezuela, die Mayoruna, Konibo und andere Stämme am obern Amazonenstrom, die Chiquito im nördl. Gran Chaco, die Coroado oder Puri in dem brasil. Staat Sta. Catharina und die Caraja und Bororo (s. Tafel, Fig. 16, 17) des centralen Brasilien. Im Gran Chaco selbst werden erwähnt die nahe verwandten Stämme der Abipon oder Suscuanit, auch Frontones genannt, der Natakebit oder Toba, Amokebit oder Mocobi, der Gapitalaka, Oackatalot oder Guaycuru und der Mbaya; ferner die Lule, Vilela, Payagua u. a. In Uruguay hausten die wilden Charrua, die aber jetzt ausgestorben sind. In den argentin. Pampas schweifen die den Charrua verwandten Puelche oder Pampasindianer, und südlich von ihnen die Tehuelche oder Patagonier (s. Tafel, Fig. 23). Ihre westl. Nachbarn sind an der pacifischen Seite der Magalhãesstraße die Chono.

Auf dem Feuerland wohnen drei verschiedene Stämme: die Ona im O., die Alacaluf im W. und die Jahgan im äußersten Süden, in der Umgebung des Kap Hoorn (s. Tafel, Fig. 21, 22).

Litteratur. Von allgemeinern Werken, außer den betreffenden Abschnitten bei Waitz, Anthropologie der Naturvölker, Bd. 3 u. 4 (Lpz. 1862-64), bei Friedrich Müller, Allgemeine Ethnographie (2.Aüfl., Wien 1879) und bei Ratzel, Völkerkunde, Bd. 2 (Lpz. 1888), namentlich Brinton, The American Race (Neuyork 1891). - Über anthropol. Verhältnisse: Morton, Crania Americana (Philad. 1839, mit 78 Kupfern); d'Orbigny, L'homme américain considéré sous ses rapports physiologiques et moraux (in "Voyage dans l'Amérique méridionale", 9 Bde., Par. 1834-47); de Quatresages und Hamy, Crania ethnica (ebd. 1875-82); Virchow, Crania ethnica Americana (Berl. 1892). - Über Nordamerika: Prinz zu Wied, Reise in das innere Nordamerika in den J. 1832-34 (2 Bde., Koblenz 1838-43, mit einem Atlas von 81 Kupfern); Mac Kenney und Hall, History of the Indian tribes (3 Bde., Washington 1838-44); Catlin, Manners, customs of the North American Indians (2 Bde., Lond. 1846 u. 1876, mit vielen Abbildungen; deutsch von Berghaus, Brüss. 1846-48; 2. Aufl. 1851); Schoolcraft, Historical and statistical information respecting the history, condition and prospects of the Indian tribes of the United States (6 Bde., mit 136 Kupfern, Philad. 1851-57); Bancroft, The Native Races of the Pacific States of North America (5 Bde., Lond. 1875); Boas, Report on the North Western Tribes of Canada ("British Association for the Advancement of Science" 1889-90). Ferner Contributions to the North American Ethnology, Bd. 1-3 (Washington 1877-79), und Annual Report of the Bureau of Ethnonolgy, Bd. 1-6 (ebd. 1880-85). - Über Centralamerika: Orozco y Berra, Geografia de las lenguas y carta etnográfica de México (Mexiko 1864); Stoll, Zur Ethnographie der Republik Guatemala (Zür. 1884). - Über Südamerika: Die Reisewerke von Al. von Humboldt, Spix und Martius, d'Orbigny, Castelnau u. a. Ferner Prinz zu Wied, Reise nach Brasilien 1815-17 (Frankf. a. M. 1820-21, 2 Bde., mit 22 Tafeln); Richard Schomburgk, Reisen in Britisch-Guayana (Lpz. 1847-48); von Martins, Zur Ethnographie Amerikas, zumal Brasiliens (2 Bde., ebd. 1867); von den Steinen, Durch Centralbrasilien (ebd. 1886). - Sprachliches: Außer den Arbeiten von Gallatin, Buschmann vgl. namentlich Friedr. Müller, Grundriß der Sprachwissenschaft, Bd. 2, Abteil. 1 (Wien 1882); Hale, Ethnography and Philology of the U. S. Exploring Expedition (Philad. 1846); Pimentel, Cuadro descriptivo y comparativo de las lenguas indigenas de Mexico (Mexiko 1862); Pinart, Bibliothèque de lingustique et d'ethnograhie américaines (Par. 1875); Lucien Adam und Leclerc, Bibliothèque linguistique américaine, Bd. 1-13 (ebd.); Brinton, Library of American Aboriginal Literarture, Bd. 1-8 (Philad. 1885-90); Middendorf, Die einheimischen Sprachen Perus, Bd. 1-6 (Lpz. 1890-92). (S. weitere Litteratur unter den Artikeln über einzelne Stämme, Stammesgruppen und Gebiete.)

Amerikanischer Tiger, s. Jaguar.

Amerikanisches Duell, Bezeichnung für einen infolge einer Übereinkunft durch das Los bestimmten Selbstmord. Die Bezeichnung ist indes in doppelter Hinsicht unzutreffend, einerseits weil das bezeichnete Unwesen nicht aus Amerika stammt, andererseits weil es kein Duell (d. h. kein Kampf mit gleichen Waffen) ist.

Amerikanische Sprachen, soviel wie Indianersprachen, s. Amerikanische Rasse.

Amerikanisches Pulver, s. Augendres Schießpulver.

Amerikanismen, die sprachlichen Besonderheiten des Englischen der Vereinigten Staaten. Schon die ersten engl. Einwanderer brachten dialektische Verschiedenheiten mit. Zu diesen gesellte sich das holländ. Sprachelement im Staate Neuyork, das deutsche in Pennsylvanien und an vielen andern Orten, das Französische in Louisiana und Missouri, sowie später von Untercanada aus, das Spanische in Florida, später in Texas, Neumexiko und Kalifornien, in neuerer Zeit einzelne amerikanisierte deutsche Wörter, wie lagerbeer (Lagerbier), steal (Stiel), standpoint (Standpunkt) u. s. w. Unter allen Besonderheiten sind die (meist nordengl. und schott.) Provinzialismen Neuenglands am verbreitetsten; sie erstrecken sich auch auf Ton und Accent und haben die allgemeine Umgangssprache stark be-[folgende Seite]