Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ammon; Ammoniacum; Ammoniak

536

Ammon (Friedr. Aug. von) - Ammoniak (wässeriges)

4 Bde., 1801-2) den histor.-kritischen Nationalismus. In Dresden wandte er sich mehr und mehr der kirchlichen Orthodoxie zu und zeigte sich in der Broschüre "Bittere Arznei für die Glaubensschwäche der Zeit" (Hannov. 1818) als Verteidiger der Harmsschen Thesen (s. Harms, Klaus), kehrte jedoch mit der "Fortbildung des Christentums zur Weltreligion" (Lpz. 1833-35; 2. Aufl., 4 Bde., 1836-40) wieder zum frühern Rationalismus zurück. Dieses Schwanken seines theol. Standpunktes läßt sich in den verschiedenen Auflagen seines dogmatischen Kompendiums "Summa theologiae christianae" (Erlang. 1808; 4. Aufl., Lpz. 1830), sowie der "Sittenlehre" (1798; neu bearbeitet, 3 Bde., Lpz. 1823; 2. Aufl. 1838) verfolgen. - Vgl. Chr. F. von A., nach Leben, Ansichten und Wirken (Lpz. 1850).

Ammon, Friedr. Aug. von, Arzt, besonders Augenarzt, Sohn des vorigen, geb. 10. Sept. 1799 in Göttingen, studierte in Leipzig und Göttingen, ließ sich 1823 als Arzt in Dresden nieder, erhielt 1829 daselbst eine Professur an der chirurg.-mediz. Akademie und die Direktion der Poliklinik, gründete eine Privatheilanstalt für Augenkranke und an chirurg. Krankheiten Leidende, ward 1837 Leibarzt des Königs Friedrich August II. von Sachsen und starb 18. Mai 1861. A.s Hauptwerk ist: "Klinische Darstellungen der Krankheiten und Bildungsfehler des menschlichen Auges" (4 Tle., Berl. 1838-47); schon vorher waren von ihm erschienen: "De genesi et usu maculae lutae in retina oculi humani obviae" (Weim. 1830) und "De physiologia tenotomiae" (Dresd. 1837). Von seinen übrigen auf die Augenheilkunde bezüglichen Schriften sind hervorzuheben: "De iritide" (deutsch Berl. 1843) und die "Illustrierte pathol. Anatomie der menschlichen Cornea, Sclera, Chorioidea und des optischen Nerven" (hg. von Warnatz, Lpz. 1862). Um die Chirurgie machte sich A. unter anderm durch "Die angeborenen chirurg. Krankheiten des Menschen" (Berl. 1839-42) und im Verein mit Mor. Baumgarten durch "Die plastische Chirurgie" (ebd. 1842) verdient. Populäre Schriften A.s sind: "Die ersten Mutterpflichten und die erste Kindespflege" (34. Aufl. von Winckel, Lpz. 1894) und die "Brunnendiätetik" (7. Aufl., bearbeitet von Reimer, ebd. 1880). Auch gab A. eine "Zeitschrift für Ophthalmologie" (5 Bde., Dresd. und Heidelb. 1830-36) und eine "Monatsschrift für Medizin, Augenheilkunde und Chirurgie" (3 Bde., Lpz. 1838-40) heraus.

Ammoniacum, s. Aminoniak (Drogue).

Ammoniak, farbloses Gas von äußerst scharfem, stechendem, die Augen zum Thränen reizendem Geruch, das im Molekül 1 Atom Stickstoff und 3 Atome Wasserstoff enthält und demnach der Formel NH3 ^[NH<sub>3</sub>] entspricht. Es wurde von Priestley entdeckt und als alkalische Luft bezeichnet. Man erhält es in reinem Zustande, indem man fein gepulverten Salmiak mit gepulvertem Ätzkalk oder besser mit gelöschtem Kalk mischt und gelinde erwärmt; das dabei entweichende Gas ist über Quecksilber zu sammeln. Unter einem Druck von 6,5 Atmosphären wird das Gas bei einer Temperatur von 10° C. zur Flüssigkeit verdichtet, die bei -33,7° C. siedet; bei Temperaturen, die unter dem Siedepunkt des flüssigen A. liegen, genügt der eigene Druck des Gases, um es zu verflüssigen. So bildet es eine farblose, sehr bewegliche, stark lichtbrechende Flüssigkeit von 0,650 spec. Gewicht bei -10° C.; bei den niedrigsten zu erzeugenden Kältegraden, in einem Gemisch von fester Kohlensäure und Äther, erstarrt das flüssige A. zu einer krystallinischen, bei -75° C. schmelzenden Masse. Das gasförmige A. zerfällt, wenn man es durch eine glühende Röhre leitet, unter Verdoppelung des Volumens in seine Bestandteile, d. h. 1/2 Volumen Stickstoff und 1 1/2 Volumen Wasserstoff. Von Wasser wird es unter starker Wärmeentwicklung sehr reichlich absorbiert; 1 Volumen Wasser nimmt dabei, wenn dasselbe durch Eiskühlung auf O° erhalten wird, nach Bunsen 1050 Volumen Gas auf, bei 20° dagegen nur 654 Volumen; durch Temperaturerhöhung wird demnach das Gas teilweise wieder aus der Lösung ausgetrieben; sehr konzentrierte wässerige Lösungen von A. können daher unter sehr gelindem Erwärmen zur Gewinnung des Gases verwandt werden. Die wässerige Lösung reagiert stark alkalisch; das gasförmige A. färbt gerötetes Lackmuspapier blau, wenn dieses angefeuchtet wird; befeuchtetes gelbes Curcumapapier wird gebräunt. An der Luft läßt sich das Gas zwar entzünden, brennt aber nicht von selbst weiter, in reinem Sauerstoff dagegen brennt das entzündete Gas auch ohne äußere Wärmezufuhr fort. Die Verbrennungsprodukte sind Wasser und Stickstoff neben etwas Stickstoffdioxyd und salpetriger Säure. Beim Erhitzen mit Metalloxyden verhält sich A. ähnlich wie Wasserstoff, es reduziert meist die Oxyde zu Metall unter Abspaltung von Stickstoff, manche Metalle verbinden sich mit dem frei werdenden Stickstoff. Wässeriges A. wird durch Chlor und Brom zersetzt, indem Stickstoff frei wird und Ammoniumsalze entstehen; letztere können bei Überschuß von Chlor Veranlassung zur Bildung von stark explodierenden Verbindungen werden (s. Chlorstickstoff). Auch das Jod liefert eine solche, wenn es mit freiem A. in Berührung kommt (s. Jodstickstoff). Über glühende Kohle geleitet, verwandelt sich das A. in Cyanverbindungen.

A. bildet sich in geringen Mengen, wenn man durch ein Gemisch von Stickstoff und Wasserstoff, das unter gewöhnlichen Umständen keine direkte Verbindung eingeht, anhaltend funkenlose, elektrische Entladungen stattfinden läßt. Es entsteht ferner, wenn Wasserstoff im Entstehungszustande auf salpetersaure Salze oder Salpetersäure oder Stickoxyd und sonstige höhere Oxydationsstufen des Stickstoffs wirkt; beim Glühen der meisten stickstoffhaltigen organischen Verbindungen mit Alkalihydrat, Natronkalk; bei der Fäulnis und trocknen Destillation stickstoffhaltiger organischer Verbindungen; bei der Erhitzung von Cyanverbindungen in Wasserdampf. Sehr geringe Mengen von A. finden sich in Form von kohlensaurem und salpetersaurem Ammoniumsalz in der atmosphärischen Luft; diese werden von jedem wässerigen Niederschlag (Regen, Tau u. s. w.) aufgenommen und gelangen damit auf die Oberfläche der Erde, wo das in den Boden eingedrungene A. als wichtiges Ernährungsmaterial aller pflanzlichen Organismen dient. - A. verbindet sich direkt mit allen Säuren unter Bildung von Ammoniumsalzen (s. Ammonium).

Ammoniak, cyansaures, s. Cyansaures Ammonium.

Ammoniak, wässeriges, Salmiakgeist, Ätzammoniakflüssigkeit, Liquor Ammonii caustici, Lösung von Ammoniakgas in Wasser, am einfachsten erhalten, indem man in einem eisernen Kessel frisch gebrannten Kalk (3 Teile) mit Wasser (8) zu Kalkmilch löscht und Salmiak (3) in großen Stücken hinzufügt. Der Kessel wird mit einem Deckel ver-^[folgende Seite]