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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ammoniakeisenalaun - Ammoniter

barkeit unterscheiden. Die höhern sind Flüssigkeiten. Sehr charakteristisch ist das Verhalten der A. gegen salpetrige Säure. Die primären Amine werden durch dieselbe unter Stickstoffentwicklung und Wasseraustritt in die entsprechenden Alkohole übergeführt, indem die Amidogruppe NH2 durch die Hydroxylgruppe OH ersetzt wird:

C2H5.NH2 + HNO2 = C2H5.OH + N2 + H2O

Die sekundären A. werden durch salpetrige Säure in Nitrosamine verwandelt; so giebt Dimethylamin das ölige, stechend riechende Nitrosodimethylamin:

(CH3)2NH + HNO2 = (CH3)2N.NO + H2O

Die tertiären A. werden von salpetriger Säure nicht verändert. Es können diese Reaktionen auch zur Trennung der A. benutzt werden.

Ammoniakeisenalaun, s. Eisensulfate.

Ammoniakgummi, s. Ammoniak (Drogue).

Ammoniakliquor, soviel wie Salmiakgeist, s. Ammoniak, wässeriges.

Ammoniakpflanze, s. Dorema.

Ammoniakrut, ein von Norbin und Ohlsson in Stockholm 1867 erfundenes Sprengpulver, das vor dem Nitroglycerin und dem Dynamit den Vorzug der Gefahrlosigkeit und Wohlfeilheit haben soll. Es besteht aus Nitroglycerin mit Kohle (10-20 Proz.) und Ammoniumnitrat (90-80 Proz.).

Ammoniaksalze, gleichbedeutend mit Ammoniumsalze, s. Ammonium.

Ammoniaksoda, allgemein verbreiteter Handelsname für die nach dem sog. Ammoniakverfahren (nach Solvey) bereitete Soda (s. d.).

Ammoniaksodaprozeß, ein Sodagewinnungsverfahren, s. Soda.

Ammoniaksuperphosphat wird durch Mischung eines hochgradigen Superphosphats (s. d.) mit schwefelsaurem Ammonium hergestellt. Die Mischung muß eine recht innige sein, wenn es rasch wirken soll. Das A. wird als Ersatz des Peruguanos (s. Guano) angewendet, da man die beiden Düngstoffe, von denen der eine den Stickstoffgehalt, der andere den Phosphorsäuregehalt der Mischung bedingt, in jeder beliebigen Menge miteinander vermischen kann. Das A. wird gern bei Sommergetreide und besonders auch bei Zuckerrüben angewendet.

Ammoniakverbindungen, s. Ammonium.

Ammoniakwasser, s. Gaswasser, Ammonium.

Ammoniämie (grch.), die Vergiftung des Blutes durch kohlensaures Ammoniak, infolge der unterdrückten Harnabsonderung, äußert sich in heftigen Konvulsionen, Erbrechen, Durchfall, starkem Ammoniakgeruch der ausgeatmeten Luft und führt meist zu raschem Verfall und zum Tode.

Ammonit, ein Sprengstoff (s. Explosivstoffe).

Ammoniten oder Ammonshörner, ausgestorbene, große Cephalopodenfamilie, die sich an den Nautilus (s. d.) anschließt. Die A. zeigen eine gekammerte Schale, die meist zu einer Spirale in der Ebene aufgewunden ist, wobei sich die Umgänge nur berühren oder mehr oder minder bedecken, so daß bei manchen Formen nur der äußerste Umgang sichtbar ist. Einige wenige Arten sind gerade gestreckt, einige andere zeigen eine mehr oder minder lockere Spirale mit sich nicht berührenden Umgängen, noch andere sind schneckenartig aufgerollt. Solche bezeichnet man als Nebenformen der A. Die Schalen sind bald glatt, bald mit Rippen, Dornen, Einschnürungen oder Wülsten versehen. Für die Systematik ist der Mundsaum, d. h. der äußerste Rand der Schale, über den das Tier seinen Körper zum Teil herausstrecken konnte, von großer Wichtigkeit; er ist bisweilen mit Fortsätzen, sog. Ohren, ausgestattet. Das Tier saß mit seinem Körper wie der Nautilus nur in der vordersten Kammer, der Wohnkammer, von der aus sich ein dünner Schlauch, der Sipho, durch die ältern, sog. Luftkammern erstreckte, die Scheidewände stets am äußern Rande durchbohrend. Bei den meisten A. ist die Lobenlinie, d. h. die Linie, an der die Scheidewände und die äußere Schale aneinander grenzen, vielfach zerteilt und zerschlitzt; sie bildet neben der ganzen Form das wichtigste Kennzeichen für die Unterscheidung der Gattungen und Arten. Die Aptychen (s. d.) waren mit der Schale nicht im Zusammenhange stehende Zartteile der A. Die Größe der A. ist sehr verschieden, von wenigen Millimetern bis zu anderthalb Meter Durchmesser; die meisten Arten haben einen Durchmesser von 2 bis 20 cm. Der Formenreichtum der A. ist ein ganz gewaltiger; man kennt wohl gegen 4000 Arten, hat aber erst in neuerer Zeit diese Familie in eine größere Anzahl von Gattungen, wie Arcestes, Pinacoceras, Lytoceras, Amaltheus, Aegoceras, Harpoceras, Cosmoceras, Perisphinctes u. a. zerlegt, nachdem man schon früher die ältesten Formen, die sich vom Devon an finden, als Goniatites (s. Goniatiten), Clymenia (s. d.) und aus der Trias Ceratites (s. d.) unterschieden hatte. Die A. finden sich vom Devon an in allen Formationen bis zum Ende der Kreide, mit größtem Formenreichtum aber wohl in der Juraformation. Sie waren pelagische Tiere mit weiter Verbreitung über die Erde hin; da die einzelnen Arten aber eine kurze Lebensdauer besaßen, und da oft auch schon Bruchstücke zur Bestimmung genügen, so sind fast alle A. von größter Wichtigkeit für die Altersbestimmung der Schichten; so ist z. B. das Stephanoceras Humphriesianum Sow. (s. obenstehende Figur) ein Leitfossil für den mittlern Dogger. Am Ende der Kreideformation sterben die A. aus, nachdem in ihr die sog. Nebenformen, wie Baculites, Scaphites, Turrilites, besonders häufig gewesen sind. Vgl. die Abbildungen zahlreicher Arten von A. auf den Tafeln: Petrefakten der Mesozoischen Formationsgruppe I-IV, beim Artikel Mesozoische Formationsgruppe.

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Ammoniter, ein östlich von Moab und den israel. Stämmen Ruben und Gad wohnender hebr. Stamm, mit dem Hauptorte Rabba, jetzt Ammân (s. d.). Sie befanden sich häufig mit den Israeliten im Kriege, wurden nach der Sage von Jephtha, nach den histor. Nachrichten der Bücher Samuelis von Saul wie von David bekriegt, von letzterm auch