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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ammonium; Ammoniumacetat; Ammoniumamalgam; Ammoniumbasen; Ammoniumbromid; Ammoniumcarbonat

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Ammonium - Ammoniumcarbonat

unterworfen, breiteten sich jedoch nach dem Falle des israel. Reichs in den Landschaften östlich vom Jordan aus und bewiesen auch in den Kriegen der Chaldäer gegen das Reich Juda sowie im Makkabäischen Kriege (165) ihre Feindseligkeit. Erwähnt sind die A. bis gegen Ende des 3. Jahrh. n. Chr. in griech. und jüd. Schriften. Ihr Gott hieß Milkom.

Ammonium, eine Verbindung von 1 Atom Stickstoff mit 4 Atomen Wasserstoff NH4, die bislang im freien Zustande noch nicht hat dargestellt werden können, deren Existenz in Verbindungen aber aus dem Vorhandensein einer sehr großen Zahl von Körpern gefolgert werden muß, deren Eigenschaften die Annahme einer solchen Atomgruppe erheischt. Es verhält sich in diesen Körpern das A. in allen Beziehungen den Alkalimetallen (s. d.) analog und kann als ein zusammengesetztes Metall betrachtet werden. In Verbindung mit Quecksilber, als Ammoniumamalgam, erhält man es, indem man Natriumamalgam mit Chlorammoniumlösung übergießt, oder indem man eine Lösung von Chlorammonium der Elektrolyse unterwirft und dabei den negativen Pol in Quecksilber eintauchen läßt. Das Ammoniumamalgam, das etwa 0,1 Proz. A. enthält, bildet eine schwammige, butterweiche, in großer Kälte krystallinisch erstarrende Masse, die bei gewöhnlicher Temperatur, sobald sie dem Bereich des elektrischen Stroms entzogen ist, sich in Quecksilber, Wasserstoff und Ammoniak zersetzt, wobei auf 2 Volumen Ammoniak 1 Volumen Wasserstoff frei wird. 2Hgx NH4 ^[NH<sub>4</sub>] = 2xHg + 2 NH3 ^[NH<sub>3</sub>] + H2 ^[H<sub>2</sub>]. Seine Verbindungen leiten sich auf einfachste Weise vom Ammoniak her, dessen wässerige Lösung als Ammoniumoxydhydrat betrachtet werden kann:

NH3 ^[NH<sub>3</sub>] + H.OH = NH4OH ^[NH<sub>4</sub>OH].

Diese Lösung verhält sich durchaus analog einer solchen von Kaliumoxydhydrat, sie reagiert stark alkalisch und liefert mit Säuren Salze, die in fast allen ihren Eigenschaften den Kaliumsalzen ähnlich sind und sich von diesen dadurch unterscheiden, daß die aus ihnen abgeschiedene Base sich in Ammoniak und Wasser spaltet. Folgende Zusammenstellung der entsprechenden Verbindungen wird den Zusammenhang derselben zeigen:

^[Liste]

K Kalium NH4 ^[NH<sub>4</sub>] Ammonium

KOH Kaliumoxydhydrat NH4OH ^[NH<sub>4</sub>OH] Ammoniumoxydhydrat

KCl Chlorkalium NH4Cl ^[NH<sub>4</sub>Cl] Chlorammonium

KONO2 ^[KONO<sub>2</sub>] Salpetersaures Kalium NH4ONO2 ^[NH<sub>4</sub>ONO<sub>2</sub>] Salpetersaures Ammonium

K2SO4 ^[K<sub>2</sub>SO<sub>4</sub>] Schwefelsaures Kalium (NH4)2SO4 ^[(NH<sub>4</sub>)<sub>2</sub>SO<sub>4</sub>)] Schwefelsaures Ammonium.

Die Salze des A. entstehen auch durch direkte Verbindung des Ammoniakgases mit den Säuren, so das Chlorammonium aus Chlorwasserstoffsäure und Ammoniak:

HCl + NH3 ^[NH<sub>3</sub>] = NH4Cl ^[NH<sub>4</sub>Cl],

das schwefelsaure A. aus Schwefelsäure und Ammoniak:

SO2(OH)2 ^[SO<sub>2</sub>(OH)<sub>2</sub>] + 2 NH3 ^[NH<sub>3</sub>] = SO2(ONH4)2 ^[SO<sub>2</sub>(ONH<sub>4</sub>)<sub>2</sub>].

Die Ammoniumverbindungen oder Ammoniumsalze, vielfach auch Ammoniakverbindungen oder Ammoniaksalze genannt, sind fast ausnahmslos in Wasser leicht löslich und gut krystallisierbar, nur das Ammoniumplatinchlorid und das saure weinsaure A. sind schwer löslich. Erkennbar und von den Kaliumverbindungen unterscheidbar sind sie sofort durch den stechenden Ammoniakgeruch, der auf Zusatz irgendwelchen Alkalis bemerkbar wird. Zu ihrer Darstellung dient Ammoniak, das man entweder in wässeriger Lösung oder gasförmig auf die betreffenden Säuren wirken läßt. Das dazu nötige Ammoniak wird heutzutage fast ausschließlich als Nebenprodukt bei der Fabrikation des Leuchtgases aus dem sog. Ammoniakwasser oder Gaswasser (s. d.) gewonnen.

Ammonium, essigsaures, s. Essigsaure Salze.

Ammonium, kohlensaures, s. Ammoniumcarbonat.

Ammonium, schwefelsaures, s. Ammoniumsulfat.

Ammonium, Ammon, bei den Alten die jetzige Oase Siwah (s. d.) in der Libyschen Wüste. Mit dem Tempel des Ammon, der wahrscheinlich vom äthiop.-ägypt. Pharao Tahrako (Tirjaka, Tearkos) gegründet wurde, war ein berühmtes Orakel verbunden. Noch jetzt ist auf den Tempelruinen das Bild des thebanischen Ammon (s. d.) mehrfach erhalten. Der Zug des Kambyses von Theben aus nach der Oase mißlang. Alexander erreichte von Parätonium an der Meeresküste aus in acht Tagen sein Ziel und wurde von den Priestern des Oasentempels als "Sohn des Ammon" begrüßt. In der Oase ist noch jetzt der "Sonnenquell" vorhanden, dessen (stets gleich temperiertes) Wasser bei Tage kalt, in den kalten Nächten dagegen warm erscheint, was Herodot als Merkwürdigkeit berichtet. - Vgl. Minutoli, Reise zum Tempel des Jupiter Ammon (mit Atlas, Verl. 1824); Parthey, Das Orakel und die Oase des Ammon (ebd. 1862); Lepsius, über die widderkopfigen Götter der Ammons-Oase (in der "Zeitschrift für ägypt. Sprache und Altertumskunde", Jahrg. 1877, Lpz.).

Ammoniumacetat, s. Essigsaure Salze.

Ammoniumamalgam, s. Ammonium.

Ammoniumbasen, organische Verbindungen, welche nicht, wie die Ammoniakbasen (s. d.), dreiwertig, sondern fünfwertig gebundenen Stickstoff enthalten. Die tertiären Amine verbinden sich mit Alkyljodiden zu jodwasserstoffsauren Salzen der A., N(C2H5)3 ^[N(C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>)<sub>3</sub>] + C2H5J ^[C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>J] = N(C2H5)4J ^[N(C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>)<sub>4</sub>J] (Teträthylammoniumjodür), welche selbst durch Kochen mit Kalilauge nicht verändert werden. Erst durch die Einwirkung von feuchtem Silberoxyd werden die Basen abgeschieden, z. B. Teträthylammoniumhydrat:

N(C2H5)4J ^[N(C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>)<sub>4</sub>J] + AgOH = N(C2H5)4OH ^[N(C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>)<sub>4</sub>OH] + AgJ

Die A. oder Ammoniumhydroxyde sind den Alkalimetallhydroxiden (NaOH, K0H) ähnlich, und es entspricht dabei die Ammoniumgruppe N(C2H5)4 ^[N(C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>)<sub>4</sub>] einem Alkaliatom. Sie sind stark alkalisch, verseifen Fette, krystallisieren und zerfließen an der Luft. Mit Säuren bilden sie sehr beständige Salze, zerfallen aber beim Erhitzen für sich in tertiäre Amine, Wasser und Alkylene (s. d.), z. B.:

N(C2H5)4OH ^[N(C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>)<sub>4</sub>OH] = N(C2H5)3 ^[N(C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>)<sub>3</sub>] + C2H4 ^[C<sub>2</sub>H<sub>4</sub>] + H2O ^[H<sub>2</sub>O].

Ammoniumbromid, s. Bromammonium.

Ammoniumcarbonat, kohlensaures Ammonium (Hirschhornsalz, Riechsalz, flüchtiges Salz), wird durch Sublimieren von schwefelsaurem Ammonium mit Kreide (Calciumcarbonat) erhalten. Es entsteht schwefelsaures Calcium und kohlensaures Ammonium, das sich in der Vorlage als weiße krystallinische Masse verdichtet. Das so gewonnene Handelsprodukt enthält neben neutralem A., CO(ONH4)2 ^[(CONH<sub>2</sub>)ONH<sub>4</sub>], noch saures A., CO(ONH4)OH ^[CO(ONH<sub>4</sub>)OH], und carbaminsaures Ammonium, (CONH2)ONH4 ^[(CONH<sub>2</sub>)ONH<sub>4</sub>]. Es erleidet schon bei gewöhnlicher Temperatur teilweise Zersetzung unter Abgabe von Ammoniak und besitzt daher Ammoniakgeruch; bei längerer Aufbewahrung in mangelhaft verschlossenen Gefäßen verwandelt es sich in saures kohlensaures Salz. Es wird in der