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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Amselgrund; Amsler; Amstäg; Amstel; Amstelodamum; Amsterdam

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Amselgrund - Amsterdam (Stadt)

stieß ihn nieder; sofort wurde Murads Sohn Bajezid I. zum Sultan proklamiert, der die Schlacht alsbald gewann. Lazar fiel in Gefangenschaft und wurde nebst vielen Edelleuten enthauptet. Eine spätere Sage schreibt die Niederlage dem Verrat des Schwiegersohnes Lazars, dem serb. Teilfürsten Wuk Brankowitsch zu. Eine zweite Schlacht fand ebendort 19. Okt. 1448 statt, als der ungar. Reichsverweser Johs. Hunyady ohne Einverständnis mit dem damaligen Serbenfürsten Georg Brankowitsch durch Serbien gegen die Türken zog. Hunyady erlitt eine vollständige Niederlage, wurde auf der Flucht gefangen und erst nach langem Verhandlungen freigelassen.

Amselgrund, s. Sächsische Schweiz.

Amsler, Samuel, Kupferstecher, geb. 17. Dez. 1791 zu Schinznach in der Schweiz, Schüler von Oberkogler und Lips in Zürich und Heß in München. Nach Vollendung einer Magdalena nach Carlo Dolci ging er 1816 nach Rom, wo er sich der neudeutschen Schule anschloß. Er starb 18. Mai 1849 zu München. In mehrern Blättern, die er nach Statuen von Thorwaldsen stach, verband A. die einfache Weise des Marc-Anton (s. Raimondi) mit treuer Wiedergabe des Originals. Während seines zweiten Aufenthalts in Rom (1820-24) begann er sein großes Werk, den Triumphzug Alexanders nach Thorwaldsen (hg. von Schorn, Münch. 1835). 1829 Professor an der Münchener Akademie, vollendete er 1831 die Grablegung nach Raffael, den Christus nach Dannecker. 1835 folgte die Heilige Familie Raffaels und 1836 die Madonna di casa Tempi (beide in der Münchener Pinakothek). Bedeutend ist auch sein letztes Werk, ein Stich nach Overbecks Triumph der Religion in den Künsten (im Städelschen Institut zu Frankfurt a. M.).

Amstäg oder Amsteg, Dorf in der Gemeinde Silenen im schweiz. Kanton Uri, in 522 m Höhe, an der Gotthardbahn und an der Gotthardstraße, liegt am Eingang in das Maderanerthal (s. d.), zwischen der Kleinen Windgälle (2988 m) und dem Bristenstock (3075 m) bei der Mündung des Maderaner- oder Kerstelenbachs in die Reuß. A. ist Hauptplatz des urnerischen Mineralienhandels sowie Touristenstation für das Maderanerthal und hat Viehmärkte. Nördlich von A. die angeblichen Trümmer der Geßlerschen Burg Zwing-Uri.

Amstel, Fluß in Holland, an dessen Einmündung in das Y (s. d.) Amsterdam erbaut wurde, entsteht auf der Grenze der Provinz Utrecht aus der Drecht, Kromme Mydrecht und Angstel. - Amstelland hieß ehemals die zur Grafschaft Holland gehörende Uferlandschaft der A., unter König Ludwig Bonaparte ein die heutige Provinz Nordholland umfassendes Departement, welches 1810 unter franz. Herrschaft mit dem Depart. Utrecht zu dem des Zuidersees vereinigt wurde.

Amstelodamum, lat. Name für Amsterdam.

Amsterdam, afrik. Insel, s. Neu-Amsterdam.

Amsterdam, ursprünglich Amstelledamme, d. h. Damm in der Amstel, Hauptstadt, aber nicht Residenz des Königreichs der Niederlande, liegt unter 52° 23' nördl. Br. und 4° 5' östl. L. von Greenwich am Ausflusse der Amstel in das Y (Ij), einer Bucht des Zuidersees, und umfaßt 32,62 qkm.

Bevölkerung. Die Zahl der Einwohner betrug 1879: 316 590, darunter 60 000 Katholiken, 34 500 Lutheraner, 4500 Anabaptisten, 1000 Remonstranten, 27000 deutsche und 3200 portug. Juden; 1885: 378 700, mit Einschluß der umliegenden Gemeinden 400 000, 1890: 406 532, Ende 1891: 420 914, darunter 91 000 Katholiken und 50 000 Israeliten sowie zahlreiche Deutsche, Ende 1893: 440 657.

Anlage, Straßen, Plätze, Denkmäler. Die alte Stadt, ohne die neuen Vorstädte, ist in Gestalt eines Halbmondes, dessen offene Seite dem Y (s. d.) im Nordosten zugewendet ist, und wegen des schlammigen Bodens auf eingerammten Pfählen erbaut und durch sechs parallel laufende Kanäle in konzentrische Halbkreise geteilt. Diese Kanäle und ihre Ufer (Grachten), in altholländ. Weise mit Reihen stattlicher Bäume (Ulmen) besetzt, bilden die schönsten und eigentümlichsten Stadtteile, namentlich die sog. Singelgracht (10 km lang), die Heeren-und Keizersgracht und die Prinsengracht. Von der Hafenseite gewährt die Stadt einen schönen Anblick, ebenso von der hohen, 206 m langen Amstelbrücke (Hoogesluis) mit 32 Bogen und von der östl. Einfahrt von Muiden aus. Die Werke der einst bedeutenden Festung A. sind in diesem Jahrhundert, der letzte Rest 1870, geschleift worden; doch ist die Stadt der Mittelpunkt des jetzigen Systems der Landesverteidigung. In der neuesten Zeit ist die Stadt außerordentlich gewachsen, ganz neue Stadtviertel sind außerhalb der Singelgracht entstanden, besonders im Süden. In der Stadt sind Kanäle zugeschüttet und in breite Straßen umgewandelt worden. Auch ist ein beträchtlicher Teil vom Y trocken gelegt und mit einem Centralbahnhof und andern Gebäuden besetzt. Den Mittelpunkt der Stadt bildet der sog. Dam, ein großer, freier Platz, der die Westseite jener Dammanlage einnimmt, die mit der Stadtgründung in Zusammenhang gebracht wird und mit schönen Bauten umgeben ist; von her zieht sich die mit glänzenden Läden und zahlreichen Geschäften besetzte Kalverstraat nach dem von Anlagen umgebenen Rembrandtsplatze, der ein Standbild von Rembrandt trägt, Erzguß nach Royers Modell, 1852 errichtet; südlich davon der Thorbeckeplatz mit einem Standbild Thorbeckes von Leenhof. Vor dem königl. Palais ein Denkmal für die beim belg. Aufstand 1830/31 vom niederländ. Volk bewiesene Treue, nach der damaligen Kriegsdenkmünze "het metalen kruis" genannt. (Hierzu Plan: Amsterdam nebst Straßenverzeichnis.)

^[Abb.]

Kirchen. Es bestehen folgende Kirchen: 10 reformierte (hervormde), 2 wallonische, 1 englisch-presbyterianische, 1 englisch-episkopale, 1 für Remonstranten, 2 evangelisch-lutherische, 1 für "hergestellte" Lutherische (1791 von den Lutheranern getrennt), 1 für Mennoniten, 3 christlich-reformierte, 19 kleinere und größere kath. Kirchen, worunter 2 jansenistische, ein röm.-kath. Beghinenhof aus dem 14. Jahrh., 10 Synagogen und das 1880 erbaute Versammlungsgebäude der Freien Gemeinde. Die schönste ist die Neue oder Katharinenkirche auf dem Dam (Nieuwe Kerk), eine kreuzförmige Basilika in spätgot. Stil, 1408-70 erbaut und nach den Bränden und Zerstörungen von 1421, 1578 und 1645 wiederhergestellt; der nur im Erdgeschoß vollendete Westturm wurde 1847 bis zur Höhe des Langhauses geführt. Das Innere hat eine gewölbte hellbraune Holzdecke, Reste alter Glasmalereien, eine durch feine Schnitzarbeit ausgezeichnete, 1649 von Vinckenbrinck ausgeführte Kanzel, außer andern ein großes Denkmal