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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Amsterdam (Stadt)

des Admirals de Ruyter. Die Alte oder Nikolaikirche (Oude Kerk, 90 m lang, 65 m breit), um 1300 erbaut, hat schöne Glasgemälde von 1555 und Denkmäler der Admirale Jakob van Heemskerck, Abraham van der Hulst (gest. 1666), Sweers (gest. 1673), van der Zaan (gess. 1669), Cornelius Jansz (gest. 1633), des Feldmarschalls Paul Wirtz und der Dichterin Lucretia Wilhelmina van Winter, geborene van Merken (gest. 1705).

Weltliche Bauten. Das schönste Gebäude von A., wenn nicht der Niederlande überhaupt, ist das vormalige Stadthaus, von 1808 bis 1810 Residenz des Königs Ludwig Napoleon. Es wurde 1648-55 unter Bürgermeister Tulp nach Plänen von Jac. van Kampen mit einem Kostenaufwande von 8 Mill. Fl. aus gewaltigen Quadern erbaut, steht auf 13 659 eingerammten Pfählen, ist 85 m lang, 70 m breit, 36 m hoch und hat einen runden Turm (56 m) mit vergoldetem Schiffe statt der Spitze. Sein Inneres wurde durch ausgezeichnete niederländ. Bildhauer (Quellinus u.a.; s. Tafel: Niederländische Kunst III, Fig. 2) und Maler des 17. Jahrh. geschmückt. Der Thronsaal (36 m lang, 18 m breit, 30 m hoch) gilt für den schönsten Saal in Europa. Das Gebäude dient noch jetzt als Königspalast. Die Stadtbehörden halten ihre Sitzungen in dem ehemaligen Admiralitätshof am Oudezijds-Voorburgwal. Die alte, 1608-13 gebaute Börse, unter der die Amstel in das Damrakgewässer floß, wurde 1837 abgebrochen und 1845 eine neue jenseit des Dam gebaut; auch diese genügt längst nicht mehr, so daß im Nov. 1890 die Errichtung eines neuen großartigen Baues und zugleich eine neue Straßenanlage auf dem sog. Damrak beschlossen wurde. Ferner sind zu erwähnen das Gebäude der Niederländischen Bank, 1872 erbaut, das Museum Fodor am Keizersgracht, eine Stiftung des 1860 verstorbenen Kaufmanns Ch. Jos. Fodor und unweit der Hoogesluis der schöne Palast der Nationalindustrie (Paleis voor Volksvlijt, 1855-64) mit elliptischer Kuppel (57 m), die eine Victoria (7 m) von dem Brüsseler Bildhauer Jaquet krönt, die letztern beiden Gebäude nach Plänen von Corn-Outshoorn; das Reichsmuseum (s. unten), ein stattliches Gebäude (11 000 qm), 1877-85 nach Plänen von Cuypers aufgeführt, in sog. altholländ. Renaissancestil mit got. und roman. Anklängen; die Skulpturen an der Hauptfaçade sind von Vermeylen-Löwen und van Hove-Amsterdam, das Äußere nach Zeichnungen von G. Sturm mit figurenreichem Mosaik in gemalten und glasierten Ziegeln geschmückt; der Centralbahnhof, von demselben Architekten erbaut und 1889 in Betrieb genommen; das sog. Trippenhuis, im 17. Jahrh. von den Amsterdamer Patriciern, den Brüdern Trip errichtet, welches früher die große Gemäldegalerie, jetzt nur die Königl. Akademie der Wissenschaften (s. Akademien, S. 277 b) beherbergt; endlich das neue Stadttheater, Sand- und Backsteinbau im altholländ. Renaissancestil (1894), von van Gendt und den Gebrüdern Springer erbaut.

Bildungs- und Vereinswesen. Die 1632 als Athenäum illustre von der Stadt gegründete Hochschule wurde 1867 in der philos. und mediz. Fakultät reorganisiert, 15. Okt. 1877 zur Universität erhoben und den übrigen Reichsuniversitäten gleichgestellt. Sie hatte (1892) 65 Docenten und 1103 Hörer und besitzt hervorragende Institute, namentlich das chem. und physiol. Laboratorium sowie eine 1881 erneuerte Bibliothek (100 000 Bände, darunter 8000 Werke über ind. Litteratur und wertvolle Handschriften). Besonders für mediz. Studien ist sie wegen der großen Krankenhäuser von hoher Bedeutung; sie ist wiederholt mit bedeutenden Schenkungen bedacht worden. Ferner befindet sich in A. die Reichsakademie der bildenden Künste, ein Reichsseminar für Zeichenlehrer, eine Reichsschule für Kunstindustrie, ein Gymnasium, eine Handelsschule, mehrere höhere Bürgerschulen, Industrieschule für die weibliche Jugend, ein städtisches Seminar für Primärschullehrer, eine Seemannserziehungsschule (seit 1785 bestehende Privatstiftung), ein botan. Garten mit einem schönen Victoria-Regia-Haus, ein großer (11 ha.) zoolog. Garten (Artis), 1836 von der Gesellschaft Natura artis magistra gegründet, der zu den besteingerichteten Europas gehört und mit reichen Sammlungen, einer Bibliothek, einem ethnographischen Museum, einem Aquarium und einer bedeutenden Salmen- und Forellenzucht verbunden ist, eine Schauspielerschule (Toneelschool), errichtet vom Verein zur Hebung der nationalen Schauspielkunst. In neuerer Zeit hat man auch den Versuch mit einer nationalen Operngesellschaft gemacht, wie überhaupt die Musik eifrigste Pflege findet; 1888 wurde ein neues Konzerthaus eröffnet mit trefflichem Orchester (Direktor Kes). Die sechs Theater sind das Grand Théàtre (Besitzer van Lier) mit 1000 Plätzen (Holland. Schau- und Lustspiel), Parktheater (Aktiengesellschaft) mit 1800 Plätzen (deutsche Operette), Theater in der Plantage (Besitzer van Lier) mit 1000 Plätzen (deutsche Oper und Operette, nur Sommersaison), Theater Frascati in der Plantage (Besitzer Prott) mit 800 Plätzen (holländ. Operette), Paleis voor Volksvlijt (Aktiengesellschaft) mit 3000, event. auch 6000 Plätzen (großes Ballet, Feerie, nur im Winter), Stadttheater (Eigentum der Stadt) mit 1200 Plätzen (auch deutsche Vorstellungen). Das Reichsmuseum (s. Tafel: Museen II, Fig. 2) enthält eine der bedeutendsten Gemälde- und Kupferstichsammlungen (150 000 Kupferstiche, 400 Sammelwerke und 400 Handzeichnungen) der Welt und umfaßt nicht nur die Sammlungen aus dem frühern Reichsmuseum im Trippenhaus und aus dem Museum van der Hoop (1854 gegründet), sondern auch zahlreiche bisher zerstreute Gemälde und andere Kunstwerke aus dem Stadthaus, aus dem Huiszittenhuis und gewährt in den Sammlungen des frühern niederländ. Museums im Haag und der Oudheidkundig Genootschap (Altertumsverein) zu A. einen Überblick über die ganze Geschichte der niederländ. Kunstgewerbe mit Einschluß der weltlichen und kirchlichen Architektur von der Karolingerzeit bis zum 19. Jahrh. Die Werke Rembrandts, seiner Zeitgenossen und Schüler sind zahlreich vertreten, ferner Meister der vläm., ital., franz. und span. Schule, von van Haerlem, Jan Steen, Hobbema, van Ostade, Maes, van de Velde dem Jüngern, Rubens, de Heem, Metsu, Karel du Jardin, van Dyck, Ruisdael, Dou, Weenir, Berghem u. a. Das Museum Fodor enthält eine ausgezeichnete Sammlung von Werken der franz. Maler, Meissonier, Decamps, Ary Scheffer u. a., sowie Kabinettbilder der neuern belg. und holländ. Schulen. Ferner finden sich in der Sixschen Gemäldesammlung, gegründet von dem Gönner Rembrandts Jan Six, der von 1691 bis 1702 Bürgermeister von A. war, viele Meisterwerke niederländ. Maler, besonders Rembrandts, vereinigt; die histor. Galerie des Malervereins Arti et Amicitiae besitzt