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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Anden; Anden-Eisenbahn; Andenelle; Andenne; Ander; Anderlecht; Anderledy; Anderloni; Andermatt; Andernach

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Anden - Andernach

Bachs Gambon, verdankt seinen Ursprung einer von Chlotilde, Gemahlin Chlodwigs, an einer Heilquelle (Ste. Chlotilde) 526 erbauten Nonnenabtei mit alter, wegen ihrer herrlichen Glasmalereien berühmter Kirche. Das Gasthaus Grand-Cerf aus dem 16. Jahrh. ist mit Holzschnitzereien verziert und enthält eine Sammlung von Altertümern. Klein-Andely wurde 1195 von Richard Löwenherz an der Seine gegründet, als er in der Nähe das Château-Gaillard erbaute. Die Burg, deren Ruinen auf dem hohen Seineufer liegen, hat eine dreifache Umwallung, 5,5 m dicke Mauern und 17 Türme. Erobert wurde die Feste 1419 von den Engländern unter Gloucester nach elfmonatiger Belagerung, 1429 von den Franzosen unter Lahire, dann wieder von den Engländern und 1449 von Karl VII. von Frankreich. Heinrich IV. bemächtigte sich ihrer im Kampfe mit den Liguisten 1589 und 1591 und ließ sie 1603 schleifen. In der Nähe der Weiler Villers, Geburtsort des Malers Nicolas Poussin, welchem in Groß-Andely ein Bronzestandbild errichtet worden ist.

Anden (Andes), s. Cordilleren.

Anden-Eisenbahn, s. Cordilleren-Eisenbahnen.

Andenelle, s. Andenne.

Andenne (spr. angdänn), Kantonsstadt im belg. Arrondissement und der Provinz Namur rechts von der Maas, 15 km unterhalb Namur, an den Linien Lüttich-Namur der Nordbelg. Bahnen und Samson-Gives der Belg. Vicinalbahn, hat (1890) 7075 E., Post, Telegraph; Fayence- und Papierfabriken, Steinkohlenwerke und Hochöfen, Marmorbrüche, Blei- und reiche Eisenminen; die Ausfuhr nach Holland erstreckt sich besonders auf Pfeifenthon. A. hatte angeblich schon im 7. Jahrh. ein von der heil. Begga (der Tochter Pippins von Landen) gegründetes adliges Damenstift, das 1705 nach Namur verlegt wurde. Nahebei der kleine Ort Andenelle mit einer schönen, im roman. Stil erbauten Kirche; gegenüber das Dorf Seilles, mit Kalköfen.

Ander, Aloys, Tenorist, geb. 10. Aug. 1821 zu Liebititz in Böhmen, wurde 1845 an die Wiener Hofoper engagiert, zu deren Hauptstützen als Tenorist er bis zum Anfang der sechziger Jahre gehörte. Dann verfiel er in eine Geisteskrankheit und starb 11. Dez. 1864 im Bade Wartenberg. Wohllaut des Organs, Gesangstechnik, geschmackvoller Vortrag waren A.s Vorzüge, die er auch auf Gastspielen in Norddeutschland und anderwärts zeigte.

Ander., bei naturwissenschaftlichen Benennungen Abkürzung für Joh. Anderson, Hamburger Großkaufmann und Bürgermeister, geb. 1674, gest. 1743. Von ihm "Nachrichten von Island, Grönland u. s. w." (Hamb. 1747) und "Naturgeschichte von Island und Grönland" (1750).

Anderlecht, Vorstadt von Brüssel (s. d.).

Anderledy, Antonius, Jesuitengeneral, geb. 3. Juni 1819 zu Brieg in der Schweiz, trat 19 J. alt in den Jesuitenorden und studierte in Rom und Freiburg Philosophie und Theologie; 1847 aus Freiburg, 1848 aus Piemont vertrieben, ging er nach Amerika, kehrte 1851 zurück, wurde 1853 Rektor der theol. Studienanstalt der Jesuiten in Köln, 1856 Rektor des Kollegiums in Paderborn, 1859 Provinzial, 1865 Professor der Moraltheologie und 1869 Rektor in Maria-Laach, das er zum Haupterziehungsinstitut der Jesuiten in Deutschland machte. Seit 1870 Assistent des Jesuitengenerals Beckx, wurde er 1883 dessen Vikarius, 1884 sein Nachfolger und starb 19. Jan. 1892 in Fiesole.

Anderloni, Faustino, ital. Kupferstecher, geb. 1766 bei Brescia, gest. 9. Jan. 1847 zu Pavia, war besonders mit Stichen für naturwissenschaftliche Werke beschäftigt. Unter seinen Blättern haben das Bildnis Herders (nach Kügelgen) und die büßende Magdalena (nach Correggio) den meisten Beifall gefunden.- Pietro A., Bruder und Schüler des vorigen, geb. 12. Okt. 1784 zu Sta. Eufemia im Brescianischen, arbeitete unter Longhi in Mailand, besuchte Rom und wurde 1831 an Longhis Stelle Direktor der Kupferstecherschule zu Mailand. Er starb 13. Okt. 1849. A.s Stiche zeichnen sich durch edle Auffassung und vorzügliche Wiedergabe des Kolorits aus. Unter seinen Arbeiten sind am berühmtesten die Bildnisse Appianis, L. da Vincis, Longhis, Canovas und Peters d. Gr.; dann Stiche nach Poussin, Tizian (Christus und die Ehebrecherin) und Raffael (Heliodor, Attilas Flucht).

Andermatt, Ursern, ital. Orsera, Pfarrdorf im schweiz. Kanton Uri, in 1444 m Höhe, am Fuß des St. Annabergs, vor dessen Lawinen der Ort durch einen Bannwald geschützt wird, hat 712 kath. E., Post, Telegraph, schöne Kirche, Rathaus, Kapuzinerhospiz für arme und kranke Reisende, treffliche Alpenwirtschaft. A. ist Hauptort des von der Reuß durchflossenen Ursernthals (10 km lang, 4 km breit), unter dem der Gotthardtunnel durchgeht, und des Transits über Furka und Oberalp, deren Verkehr über A. durch den Engpaß der Schöllenen der Gotthardbahn bei Göschenen zugeführt wird, zugleich auch Sommer- und Winterkurort. In A. kreuzen sich drei der belebtesten Alpenstraßen, die Gotthardstraße, die ins Tessinthal, die Furka, die ins Rhônethal, und die Oberalpstraße, die ins Rheinthal führt. Zum Schutze dieses wichtigen Straßenknotenpunktes ist auf dem Bäzberg oberhalb der Schöllenen, 1,5 km nördlich von A., ein starkes Fort erbaut worden. Mit Göschenen an der Gotthardbahn steht A. durch den Schöllenenpaß in Verbindung.

Andernach (Antunnacum, Castellum ante Nacum der Römer), Stadt im Kreis Mayen des preuß. Reg.-Bez. Koblenz, 17 km unterhalb Koblenz am linken Rheinufer, nahe der Mündung der Nette, an den Linien Kalscheuren-Bingerbrück und A.-Mayen-Gerolstein (23,45 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Koblenz), Rheinschiffahrtsgerichts, Zoll- und Steueramtes erster Klasse, ist Dampferstation und hat (1890) 6153 E., darunter 767 Evangelische und 99 Israeliten, basteiartige Ringmauern und unregelmäßige Straßen. Erwähnenswert sind die bedeutende kath. Genovevakirche, eine spätroman. Pfeilerbasilika mit vier Türmen aus dem 13. Jahrh. (Chor 1856 erneuert), die im 15. Jahrh. wiederhergestellte Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters (1818-56 Artilleriekaserne, seitdem zum evang. Gottesdienst bestimmt), altes Rathaus mit Museum röm. Altertümer, die alte Bastei, Ruine des 1688 von den Franzosen zerstörten kurkölnischen Residenzschlosses (1109 von Friedrich I. erbaut), der historisch und architektonisch merkwürdige Wartturm (1448-52 erbaut), die altertümlichen Rheinkräne (1554), das Rheinthor mit dem alten städtischen Wahrzeichen (zwei Steinfiguren), das Judenbad (ein altes Verließ unter dem Rathaus mit einem aus dem Rheine gespeisten Bassin in der Tiefe). Ferner hat die Stadt ein kath. Progymnasium (1773 gegründet), höhere Mädchenschule, Provinzialirrenanstalt, Irrenbewahranstalt (St. Thomas) mit Lederfabrik, städtisches Hospital, sowie