Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Anders; Andersdorf; Andersen; Anderson

593

Anders. - Anderson (Stadt)

Fabrikation von Cigarren, Fässern, Thon-, Metallwaren, Ultramarin, Parfümerien, Chemikalien, Malz, Gerbereien, Bierbrauereien; Handel mit Kartoffeln, Getreide, Holz, Mühlsteinen, Traß und Bimsstein. Nahe der Stadt, besonders am Kirchberg, wurden röm. Grabmäler gefunden. - A. ist von Drusus als Kastell gegründet. Hier wurde 876 Karl der Kahle von Ludwig II., 939 die Herzöge von Franken und Lothringen von Otto d. Gr., und 1114 Kaiser Heinrich V. von den mit dem Erzbischof von Köln vereinigten Sachsen geschlagen. Später fiel die Stadt an das Erzbistum Köln und gelangte durch Handel zu großer Macht. 1608 kamen hier die die Liga vorbereitenden drei geistlichen Kurfürsten zusammen. 1632 wurde A. von den Schweden eingenommen, 1633 von Josias Rantzau gegen Spanier und Kölner verteidigt und 1688 durch die Franzosen eingeäschert. Die zu Anfang des Spanischen Erbfolgekrieges hier hausenden Franzosen mußten 1702 abziehen; seit 1801 im franz. Besitz, kam A. 1815 an Preußen.

Anders., botan. Abkürzung für Nils Johan Anderson (s. d.)

Andersdorf, czech. Ondřejov, Dorf in der österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Sternberg in Mähren, bei Bärn, an der Linie Olmütz-Jägerndorf-Troppau der Mährisch-Schles. Centralbahn, hat (1890) 476 deutsche E. und ist bekannt durch seinen Sauerbrunnen, dessen Wasser dem Spaawasser gleichgestellt und viel versandt wird.

Andersen, Hans Christian, dän. Dichter, geb. 2. April 1805 zu Odense als Sohn eines armen Schuhmachers, nach dessen Tode 1819 ihn die Mutter nach Kopenhagen schickte, wo er nach vielfachen Widerwärtigkeiten in den Musikern Siboni und Weyse, dem Dichter Guldberg und namentlich in dem Konferenzrat Collin (gest. 1861) warme Gönner fand. Mit deren Hilfe ward er Schüler der Tanz- und Singschule des Theaters, durch die er später eine Unterstützung des Königs erhielt. Während der Gymnasialzeit in Slagelse und Helsingör lenkten mehrere Gedichte die Aufmerksamkeit auf ihn, besonders "Det döende Barn" ("Das sterbende Kind"), so daß er ziemlich bekannt die Universität bezog (1828). Nun entfaltete er seit der satir. Erzählung "Fußreise vom Holmenskanal zur Ostspitze von Amager" (1829) eine reiche dichterische Thätigkeit, teils in der Heimat, teils während vielfacher Reisen im Auslande. Diese Reisen in ganz Europa, selbst nach Kleinasien und Afrika, übten auf sein Dichten anregenden Einfluß aus; unmittelbare Eindrücke dieser Reisen schildern: "Reiseschatten" (1831), "Eines Dichters Bazar" (1842), "In Schweden" (1851). Im J. 1861 besuchte er zum viertenmal Rom, 1862 Spanien nebst Nordafrika; diese Reise schilderte "In Spanien" (1863). Dann verließ A. Kopenhagen nicht wieder, erkrankte 1872 schwer und starb 4. Aug. 1875. A.s Gedichte, seit 1830 in Sammlungen (so 1833 und 1847) erschienen, zeigen Empfindung und Phantasie. Selbständig traten hervor der größere Cyklus "Aarets tolv Maaneder" ("Die 12 Monate des Jahres"; Kopenh. 1833), das dramatische Gedicht "Agnete und der Meermann" (1834) und das epische "Ahasverus" (1848). Von Dramatischem sind noch zu nennen: "Der Mulatte" (1840), "Der Unsichtbare auf Sprogö" und vor allen "Die neue Wochenstube" (1845), die viel Glück machte und sich auf der Bühne erhielt. A.s Oper "Klein Karin" kam in Weimar zur Erstaufführung; für Gläser (s. d.) schrieb er die Librettos "Die Hochzeit am Comer See" und die "Wassernixe", für das Kasinotheater in Kopenhagen mehrere Stücke, deren gelungenste die Märchenkomödien "Ole Luköie" und Fliedermütterchen" sind. Unter A.s Romanen steht "Der Improvisator" (1835; deutsch u. a. von Lobedanz, Stuttg. 1882) obenan, der, die Frucht einer Reise nach Italien, dessen bunte Volksart und Natur in einer Reihe farbiger Scenen schildert. Es folgte der Roman "O. T." (1836), der gelungene Bilder aus dem Norden giebt, sodann "Nur ein Geiger" (1837), durch individuelle und volkstümliche Züge auf die Grundlage von A.s eigenem Leben hinweisend. "Die zwei Baronessen" (1849) schildert dän. Verhältnisse. Ein späterer Roman ist "Sein oder nicht sein" (1857). Den Höhepunkt erreichte A. in den "Märchen" ("Eventyr"), die außer ungezwungenem Humor sein ganzes inniges und herzliches Wesen am deutlichsten abspiegeln und durch Wachrufen von Jugenderinnerungen packen; hier hatte A.s lebendige Phantasie freiesten Spielraum. Die erste Sammlung erschien 1835, seitdem in vielen Übersetzungen (besonders ins Deutsche) und (von Vilh. Petersen, L. Richter, Thumann, Pletsch u. a.) illustrierten Ausgaben. Außer den "Sämtlichen Märchen" (30. Aufl., Lpz. 1894) veröffentlichte er "Ausgewählte Märchen für die Jugend" (illustriert von Kretzschmar, 17. Aufl., ebd. 1878). Den Märchen stehen die "Historien", ebenfalls von Petersen (1855) illustriert, nahe; einfache Situation, Bilderreichtum, jugendliche Laune und Frische zeichnen sie aus. Ungeteiltesten Beifall fand auch das "Bilderbuch ohne Bilder" (vielfach verdeutscht, u. a. von Ottmann, Lpz. 1891). Sein Leben beschrieb er selbst, zuerst deutsch in "Das Märchen meines Lebens" (2 Bde., Lpz. 1847; bis zum Tode ergänzt von Jonas, 2 Bde., Berl. 1879), ausführlicher dänisch in "Mit Livs Eventyr" (1855; bis 1867 fortgesetzt, 1877). A.s "Samlede Skrifter" erschienen dänisch in 23 (Kopenh. 1853-62; 2. Ausg. in 15 Bdn., 1876-80), deutsch in 50 Bänden (Lpz. 1847-72, von A. selbst herausgegeben; als "Werke", von Jonas, 1876-82); A.s Briefwechsel "Breve" (hg. von Bille u. Bögh) 1878, der "mit dem Großherzog Karl Alexander und andern Zeitgenossen" (hg. von Jonas) 1887. - Vgl. C. A. Mayer in den "Jahrbüchern der Gegenwart" (1846); Collin, H. C. A. og det Collinske Hus (Kopenh. 1882).

Andersen, Karl, dän. Dichter, geb. 26. Okt. 1828 zu Kopenhagen, wo er die Rechte studierte, 1860 Assistent der histor. Sammlungen des königl. Schlosses Rosenborg, später Inspektor der königl. Museen wurde und 1. Sept. 1883 starb. A.s Erstlinge erschienen unter dem Pseudonym Christian Adam, so der Liedercyklus "En Krands paa en Arbejders Kiste" ("Ein Kranz auf den Sarg eines Arbeiters", Kopenh. 1857); sonst sind hervorzuheben: "Lyriske Smaadigte" (ebd. 1863), "Ved Arno og ved Ganges" (ebd. 1865), "Poesier" (2. Aufl. 1870), "Romancer og Sänge" (1880), besonders die sieben Sammlungen sinniger "Genrebilleder" (1876-81). Seine Lyrik ist stimmungsvoll mit religiösem Grundtone, so daß sie Gade u. a. Kompositionsstoff bot. Die Natur und das Volksleben Islands, wo er seine Jugend verlebte, schildert A. vortrefflich in der Prosaerzählung "Over Skjœr og Brœnding" (Kopenh. 1883); auch isländ. Sagen sammelte er (2 Bde., 1864) und übersetzte serb. Volkslieder ("Gusle", 1875).

Anderson (spr. ännders'n), Hauptstadt des County Madison im nordamerik. Staate Indiana, nordöstlich