Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Angeli; Angelica; Angelica salutatio; Angelicae; Angelicin; Angelico; Angelikabalsam; Angelikaöl; Angelikasäure

616

Angeli - Angelikasäure

aus Knochen, Fischgräten oder Muschelstücken, sonst aus Metall gearbeitet, haben je nach der Natur der zu angelnden Fische verschiedene Gestalt und Größe (Fig. 5 a-e). Die wichtigsten Arten des Rutenangelns sind die Grundfischerei und die Fliegenfischerei. Zu der erstern bedarf man einer Beschwerung des Vorfachs mit Blei und eines aus Kork (Fig. 4), Federspulen oder Rohr verfertigten, verstellbaren Flosses, das den Köder in einer bestimmten Tiefe erhält und zur Beobachtung des Anbeißens dient. Bei einigen Fischen, z. B. Karpfen, Schleien, Barben, muß der Köder am Grunde liegen, andere, wie Barsche und Weißfische, nehmen ihn nur aus der Mitte des Wassers. Für Weißfische kann man aus Brot, Ochsenhirn und andern Stoffen geknetete Köder verwenden, für die meisten ist der zweckmäßig befestigte Regenwurm (Fig. 6 a-d) die beste Lockspeise, während größere Raubfische, wie der Hecht, mit kleinen, lebenden (Fig. 12-14; Fig. 13 Befestigung des Köderfisches mit dreispitzigem Haken [13 a]) oder toten (Fig. 8-11) oder künstlich nachgemachten (Fig. 15-17) Fischchen oder Stückchen von Fischfleisch (Fig. 7) gefangen werden. Die Fliegenfischerei (fly fishing) ist die interessanteste, aber auch schwierigste Angelweise und wird für lachsartige Fische (Lachs, Forelle, Äsche) angewandt, besonders in England und Nordamerika, wo sie zu einem volkstümlichen Sport ausgebildet ist. Als Köder verwendet man teils natürliche lebende, teils (und neuerdings fast ausschließlich) mit großem Geschick hergestellte künstliche Insekten der verschiedensten Gestalt (Fig. 18-22), die mit dem Haken verbunden auf die Oberfläche des Wassers geworfen oder über derselben hin und her bewegt werden (Flugangel). Die besten Angelgeräte, besonders Haken, verfertigt man in England (Birmingham, Kendal, Redditch) und in den Vereinigten Staaten (Boston und Philadelphia). Auch in China und Japan werden solche sehr praktisch angefertigt. - Neben der gewöhnlichen Rutenangel giebt es Angeln ohne Ruten: Senk-, Wurf-, Grund-, Stand- und Legangeln. Über die A. im Meere s. Leinenfischerei.

In England ward die A. schon zu Eduards I. Zeit (um 1300) durch eine lange Reihe von Verordnungen geschützt, und die engl. Litteratur ist reich an Schriften in Prosa und Versen über diese Belustigung. In Nordamerika ist das Angeln ebenso wie die Jagd völlig frei. Die älteste Schrift über diesen Gegenstand ist das seltene "Book of St.-Albans" (1486), dessen zweite Ausgabe von 1496 einen Anhang enthält mit dem Titel "Treatyse of fysshinge wyth an angle" von Juliane Berners, Bernes oder Barnes, der Priorin eines Nonnenklosters bei St. Albans, ausgezeichnet durch unerreichbare Einfachheit. Vollständiger ist Isaak Waltons in dialogischer Form abgefaßtes Buch "The complete angler" (1653 u. ö.), das später von anderer Hand fortgesetzt wurde und nach dessen Muster das geistvolle, anonym erschienene Buch des berühmten Chemikers Humphry Davy verfaßt ist: "Salmonia or days of fly fishing" (2. Aufl., Lond. 1828 u. ö.; deutsch von Neubert, Lpz. 1840). Andere geschätzte engl. Schriften sind von Salter, Stoddart, Stewart. Deutsche Schriften: d'Alquen, "Vollständiges Handbuch der feinern Angelkunst" (Lpz. 1862); Horrocks, "Die Kunst der Fliegenfischerei auf Forellen und Aschen" (2. Aufl., Weim. 1879); von Ehrenkreutz, "Das Ganze der A." (15. Aufl., Quedlinb. 1894); M. von dem Borne, "Illustriertes Handbuch der A." (Berl. 1875); ders., "Wegweiser für Angler" (ebd. 1877): ders., "Taschenbuch der A." (3. Aufl., ebd. 1892); Hawlitschek, "Über Angelsport" (Wien 1892). - Vgl. Blakey, Historical sketches of the angling literature of all nations (Lond. 1855). In rechtlicher Beziehung: Peyrer, Fischereibetrieb und Fischereirecht in Österreich (Wien 1874); Harnisch, Preuß. Fischereigesetzgebung (Düsseld. 1887).

Angeli, Heinrich von, Genre- und Porträtmaler, geb. 8. Juli 1840 in Ödenburg, war Schüler der Wiener Akademie und bildete sich dann in Düsseldorf bei Em. Leutze aus. Hier entstanden: Maria Stuart bei Verlesung des Todesurteils (1857), Ludwig XI. und Franz von Paula (1859), Antonius und Kleopatra, Jane Gray. 1862 ließ er sich in Wien nieder, wo seine elegante Art des Vortrags mit dem Bild: Der Rächer seiner Ehre (1869) zu einem durchschlagenden Erfolg kam. Doch verließ A. das Genre, nachdem er 1870 noch die Verweigerte Absolution gemalt, um sich ganz dem Porträtfache zuzuwenden. Er malte vorzugsweise Fürstenbildnisse des österr., deutschen und russ. Hofs. 1876 wurde er Professor einer Specialschule an der Wiener Akademie. Die Berliner Nationalgalerie besitzt von ihm das Bildnis des Generalfeldmarschalls von Manteuffel (1879), das Museum zu Breslau das des Feldmarschalls Moltke (1884) und die Bildnisse des Kaisers und der Kaiserin Friedrich (1885). Auf der Internationalen Kunstausstellung zu Berlin 1891 sah man Bildnisse des deutschen Kaiserpaares von ihm.

Angelica L., Engelwurz, Pflanzengattung aus der Familie der Umbelliferen (s. d.) mit nur wenigen, vorzugsweise in Europa, Nordasien und Nordamerika wachsenden Arien. Die in Deutschland häufigste Art ist die auf feuchten Wiesen, an Bächen und Wäldern vorkommende gemeine Engelwurz (A. silvestris L.), ein oft lästiges Unkraut. Die Früchte werden von den Landleuten in gepulverter Form gegen Läuse gebraucht.

Angelicae, s. Angeliken.

Angelica salutatio (lat.), englischer GruÖ, s. Ave Maria.

Angelicin, s. Angelikawurzel.

Angelico (spr. andscheh-), Fra, ital. Maler, s. Fiesole.

Angelikabalsam, s. Angelikawurzel.

Angelikaöl, ein ätherisches Öl von kräftigem, aromatischem Geruch und brennendem Geschmack; man hat zwei Arten: Angelikawurzelöl und Angelikasamenöl, die sich nur im Geruch etwas unterscheiden. Sie sind beide schwachgelb und dienen zur Bereitung aromatischer Liqueure. Das Wurzelöl ist das billigere. Das beste liefern die Wurzeln des Erzgebirges, dann die aus Thüringen und dem Harz, während das japanesische A. schärfer im Geruch ist, der an Moschus erinnert.

Angelikasäure, der einzige genauer bekannte Bestandteil der Angelikawurzel von der Zusammensetzung C<sub>5</sub>H<sub>8</sub>O<sub>2</sub>, gehört der Ölsäurereibe an. Zu ihrer Darstellung wird die zerkleinerte Wurzel mit dünner Kaltmilch ausgekocht, die Flüssigkeit eingedampft, mit Schwefelsäure versetzt und mit Wasser anhaltend destilliert. Aus der übergebenden Flüssigkeit scheidet sich beim Stehen die A. in wasserhellen, glänzenden Nadeln ab. Sie ist in heißem Wasser und Alkohol leicht löslich, schmilzt bei 45° und siedet bei 185°. Bei längerm Erhitzen wird die A. in die nur durch sog. räumliche Isomerie (s. Isomer) von ihr verschiedene Tiglinsäure (s. d.) umgewandelt und besitzt wie diese die Konstitution der α-Methylcrotonsäure, CH3·CH:C(CH₃)·COOH. Beide Säuren