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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Anisaldehyd - Anjou

desgleichen die Anisessenz, ein wohlriechendes Wasser. Auch werden die Anissamen als Küchengewürz, zu Backwerk und zur Liqueurfabrikation gebraucht. Die Anispflanze wird in Spanien, Italien, der Levante, südl. Frankreich sowie in Thüringen, besonders in der Umgegend von Erfurt, und in Rußland als Feldfrucht angebaut. Sie verlangt zum Gedeihen ein warmes, trocknes Klima sowie lockern, kraftreichen Boden. Von ähnlichem Geschmacke wie der gemeine A. ist der Sternanis (s. d.). Feinde des A. sind die Maden der Anismotte (Depressaria nervosa Haw.), ferner die rote Lohe oder das Rotwerden und Faulen der Samenkörner bei beginnender Reife. Die von der Krankheit befallenen Pflanzen müssen sofort herausgezogen und verbrannt werden. Die Anismotte legt ihre Eier an die Samen, wo sie bei trockner Aufbewahrung zwei Jahre lebensfähig bleiben. Die Maden entwickeln sich erst, nachdem die Samen in die Erde gebracht sind und zu keimen beginnen und gehen, wenn dies nicht erfolgt, im dritten Jahre zu Grunde. Man verwendet deshalb an Orten, wo die Anismotte aufgetreten ist, dreijährigen Samen zur Aussaat.

Anisaldehyd entsteht aus Anethol (s. d.) durch Oxydation mit Chromsäure, wenn man einen Überschuß von Anethol anwendet und dadurch die Oxydation nicht bis zur Bildung der Anissäure (s. d.) treibt. Man wendet dazu auf ein Teil Anethol ein Gemisch von zwei Teilen Kaliumbichromat (s. Kaliumchromate) mit verdünnter Schwefelsäure an. Man destilliert den A. im Dampfstrome ab und erhält ihn als farbloses Öl, das bei 248° siedet und in Wasser unlöslich ist. Der A. ist als Methyläther des Paraoxybenzaldehyds, C6H4(OCH3)CHO ^[C<sub>6</sub>H<sub>4</sub>(OCH<sub>3</sub>)CHO], aufzufassen. Durch alkoholische Kalilauge wird er in Anissäure und Anisalkohol, C6H4(OCH3)CH2OH ^[C<sub>6</sub>H<sub>4</sub>(OCH<sub>3</sub>)CH<sub>2</sub>OH], verwandelt.

Anisalkohol, s. Anisaldehyd.

Anisholz, das Holz des Sternanisbaumes (Illicium anisatum L.); es kommt aus China und Cochinchina, ist graurötlich, hart und wird zu Einlagen bei feinen Tischlerarbeiten benutzt.

Anisidinponceau (spr. -pongßoh), s. Anisolrot.

Aniskörner, s. Anis.

Anislakritze, s. Cachou.

Anismotte, s. Anis.

Anisöl, ein ätherisches Öl, das durch Dampfdestillation der zerquetschten Aniskörner, den Früchten von Pimpinella anisium L. (s. Anis), oder des Krautes der getrockneten Pflanze gewonnen wird. Es ist farblos oder schwach gelblich gefärbt, von charakteristischem Gerüche und besteht zum überwiegend größten Teile, bis zu 90 Proz., aus Anethol (s. d.) und erstarrt infolgedessen bei niedern Temperaturen zu einer krystallinischen Masse, die bei etwa 18° C schmilzt. Der beim Krystallisieren des Anethols flüssig bleibende Teil ist wenig untersucht. In mangelhaft verschlossenen, höherer Wärme ausgesetzten Gefäßen aufbewahrtes A. erleidet eine Veränderung und scheidet dann in der Kälte kein Anethol mehr aus. Die Fabrikation des A. findet in einigen thüring. Städten, im größten Maßstabe aber in Leipzig statt; im Handel wird außer diesem das aus dem südl. Rußland (Sarepta) kommende Öl besonders geschätzt. Das A. wirkt sehr energisch auf tierische Parasiten und wird z.B. gegen Kopfläuse und Krätze angewandt.

Anisöl, der Methyläther des Phenols:

C6H5.O.CH3 ^[C<sub>6</sub>H<sub>5</sub>.O.CH<sub>3</sub>],

eine ätherisch riechende Flüssigtcit, die bei 152° siedet und bei der Destillation von Anissaure mit Kalk oder beim Erhitzen von Phenol mit Kali und Methyljodid entsteht.

Anisolrot, Anisidinponceau, ein Teerfarbstoff, ist ein scharlachrotes, in Wasser lösliches Pulver und besteht aus dem Natriumsalz der Anisolazobetanaphtholmonosulfosäure.

Anisometropie (grch.), die ungleiche Sehweite beider Augen; sie beruht entweder auf Verschiedenheit der Brechungsverhältnisse oder auf ungleichem Accommodationsvermögen des Linsenapparates.

Anisotrop oder Heterotrop, s. Isotrop.

Anissäure, eine organische Säure von der Zusammensetzung C8H8O3 ^[C<sub>8</sub>H<sub>8</sub>O<sub>3</sub>], die bei der Oxydation von Anethol (s. d.) mit Chromsäure gebildet wird und auch synthetisch ans Paraoxybenzoesäure dargestellt werden kann. Sie ist der Methyläther dieser Säure: C6H4(OCH3).COOH ^[C<sub>6</sub>H<sub>4</sub>(OCH<sub>3</sub>).COOH]. Aus heißem Wasser krystallisiert die A. in farblosen Nadeln; Schmelzpunkt 185°, Siedepunkt gegen 280°.

Anitorgis, s. Alcañiz.

Aniuma, s. Wehrvögel.

Anjalabund, eine auf dem Gute Anjala in Finland gestiftete Adelsverschwörung gegen König Gustav III. von Schweden, der 1788 ohne Beratung der Stände das im Kriege gegen die Türkei befindliche Rußland angriff und sich dadurch einer Übertretung der Fundamentalgesetze des Reichs schuldig machte. Gleichzeitig benutzten einflußreiche Finländer die hierdurch entstandenen Wirren, um einen Plan zur Erreichung der polit. Unabhängigkeit für ihr Land zu entwerfen. Der A. wandte sich um Schutz der schwed. Verfassung direkt an die russ. Kaiserin und überreichte zu derselben Zeit (12. Aug. 1788) dem Könige eine von 113 Offizieren unterzeichnete Schrift, worin sich die Unterzeichner eidlich verpflichteten, den König zum Frieden und zur Berufung eines Reichstags zu vermögen. Es kam in der That zu einem Waffenstillstand, aber auf dem Reichstag von 1789 gelang es dem König mit Unterstützung des Volks den Widerstand des Adels zu brechen und seine eigene Macht zu erweitern. Befehle zur Verhaftung der leitenden Männer wurden erteilt, die Eiferer für die finn. Selbständigkeit entflohen nach Rußland, den übrigen ward in Stockholm ein Prozeß gemacht, jedoch nur Oberst Hästesko zum Tode verurteilt. - Vgl. Malmanen, Anjalaförbundet (Stockh. 1848).

Anjer (spr. andscher), Hafenplatz und Fort in der niederländ. Residentschaft Bantam an der Nordwestspitze Javas und der Mündung der Sundastraße in die Binnensee des Archipels, hat 3000 E. und eine 11 km lange Wasserleitung. In A. laufen die durch die Sundastraße fahrenden und die nach Batavia bestimmten Schiffe an, um sich mit frischem Wasser und Lebensmitteln zu versehen. Auch werden daselbst die nach Batavia bestimmten Briefbeutel abgegeben und die Reisenden gelandet, die den Landweg (über Serang, den Hauptort der Residentschaft) nach dem 105 km entfernten Batavia vorziehen, der in einem Tage zurückzulegen ist, während die Schiffahrt viel länger dauern kann. A. wurde durch die Erdbebenflut, die einem Vulkanausbruch auf Krakatau folgte, 27. Aug. 1883 vollständig zerstört, ist jedoch wieder aufgebaut.

Anjou (spr. angschuh), ehemalige, von Maine, Bretagne, Poitou und Touraine umgebene Provinz des nordwestl. Frankreich, etwa 9000 qkm groß, umfaßt das heutige Depart. Maine-et-Loire und Teile von Indre-et-Loire, Mayenne und Sarthe. Die Hauptstadt war Angers (Andegavum). - Das alte