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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Anjou-Plantagenet; Ankehrwasser; Ankeimen; Anker

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Anjou-Plantagenet - Anker

Grafengeschlecht, das von dem Lande den Namen führte, erlosch 1060; die Schwester des letzten Grafen, Gottfried II., brachte A. an das Haus Gatinais, dem Gottfried V., der Ahnherr der Plantagenet (s. d.), entsprang. Er heiratete 1128 Mathilde, die Tochter Heinrichs I. von England; ihr Sohn bestieg 1154 als Heinrich II. den engl. Thron und A. gehörte nun zu den franz. Besitzungen der engl. Krone. Durch Philipp II. August ward es aber 1204 wieder für Frankreich gewonnen; 1246 wurde Karl, der jüngste Sohn Ludwigs VIII., damit belehnt, der auch Provence und Neapel-Sicilien erwarb (s. Karl I. von Anjou). Diese ältere Linie von Anjou-Neapel kam dann auch in Ungarn zur Regierung. Karl II. von Sicilien gab A. seiner Tochter Margarete bei ihrer Vermählung mit Karl von Valois, dem Bruder Philipps des Schönen. Dieser erhob A. 1297 zur Pairie. Der Sohn Karls und Margaretens wurde 1328 als Philipp VI. König von Frankreich und vereinigte A. mit der Krone. Sein Sohn Johann verlieh A. seinem zweiten Sohne Ludwig, der 1360 ebenfalls auf den Thron von Neapel kam und dort die jüngere Linie A. begründete. Sein Enkel René, Titularkönig von Neapel, wurde von Ludwig XI. des Herzogtums A. beraubt, der es 1480 mit der franz. Krone vereinigte. Mit Rene's Bruder Karl erlosch 1481 das Haus A. Seitdem gab es nur noch einen Titel für königl. Prinzen ab. Heinrich III. führte ihn vor seiner Thronbesteigung, ebenso der Enkel Ludwigs XIV., der 1701 als Philipp V. König von Spanien wurde. - Vgl. Port, Dictionnaire historique, géographique et biographique de Maine-et-Loire (3 Bde., Par. 1879); Bodin, Recherches historiques sur l'Anjou (2 Bde., Saumur 1821-22).

Anjou-Plantagenet, s. Plantagenet.

Ankehrwasser, im Bergwesen das in die Sinkwerke (s. Bergbau) eingelassene, zum Auflösen des Steinsalzes bestimmte süße Wasser.

Ankeimen, Stratificieren, die zur Saat vorbereitende Behandlung von Samen, die zur Entwicklung des Keims längerer Zeit und anhaltender Bodenfeuchtigkeit bedürfen und unmittelbar in das Land gesät, sehr spät, unter Umständen nur teilweise oder gar nicht aufgehen würden. Diese Vorbehandlung hat den Zweck, die starke, lederartige oder knochenharte Decke solcher Samen in ungleich kürzerer Zeit mürbe zu machen und dadurch den Durchbruch des Keims zu beschleunigen. Mittel hierzu sind das Aufweichen der Samen in erwärmtem Wasser und das Zusammenschichten derselben mit feuchtem Sande. Verbindet man hiermit den Zweck, eine vollkommenere Lösung der im Samen aufgespeicherten Nahrungsstoffe herbeizuführen, so bedient man sich hierzu sog. Beizen, d. i. verdünnter Säuren. Will man in andern Fällen den Samen beim Keimen reichlichere Nahrung zuführen, so weicht man sie in Stalljauche ein. Alle hartschaligen Gehölzsamen, wie die des Weißdorns, der Hundsrose u. a., die erst im zweiten Jahre nach ihrer Reife und Aussaat keimen, werden in Erdgruben in Sand eingeschichtet und erst im zweiten Frühjahr ausgesät.

Anker, ein Weinmaß (zum Teil auch Branntweinmaß) von verschiedener Größe und nur in Dänemark, Rußland, sowie bis Ende 1891 auch in Finland noch von gesetzlicher Geltung. In Dänemark ist der A. gesetzlich = 38¾, im Großhandel aber = 39 Pott, also = 37,437 (37,079) l. In Rußland hat der A. 3 Wedro = 36,898 l, in Finland 39,260 l. In England heißen bei Branntwein 10 Imperial-Gallons (= 45,436 l) ebenfalls ein A. Der in den niederländ. Kolonien und in Südafrika noch vorkommende alte Amsterdamer A. enthält 38,806 l. Unter den bis Ende 1871 in den norddeutschen Staaten gesetzlich geltenden Maßen war der A. auch und zwar von verschiedener Größe. Der preuß. A. von 30 Quart, die Hälfte des preuß. Eimers, war = 34,351 l. Fast überall hießen 4 A. ein Ohm und 6 A. ein Oxhoft.

Anker, im Schiffswesen das Werkzeug, welches von einem Schiffe mittels einer Kette oder eines Taues in die Tiefe gelassen wird, sich vermöge seiner Gestalt und Schwere im Grunde eingräbt und dadurch das Schiff festhält. Die Hauptteile eines A. sind der Schaft, die Arme mit den Flüen (Flügeln) und der Stock. Erstere beide sind aus Schmiedeeisen verfertigt. Der Stock besteht bei den A. neuern Modells aus Eisen, bei den schwerern ältern Modells aus Holz. An dem untern Ende des Schaftes, der das Mittelstück des A. nach altem Modell, Admiralitätsanker genannt, bildet, gehen die Arme bogenförmig aus und endigen in die schaufelförmigen, mit einer Spitze zum Eingraben versehenen Flüen. Der Stock ist senkrecht zu den Armen um den obern Teil des Schaftes befestigt. Ist er von Eisen, so geht er durch ein Loch im Schaft; die hölzernen Stöcke sind aus zwei Hälften zusammengesetzt, die um den viereckigen Schaft gelegt und durch eiserne Bänder zu einem Ganzen verbunden werden Der Stock ist länger als die Sehne zwischen den beiden Flüen, so daß er sich, sobald die Ankerkette oder das Tau straff gezogen wird, in eine wagrechte Lage wirft. Dadurch wird eine der Flüen dem Grunde zugekehrt und zum Eingreifen gebracht. Der Schaft ragt über den Stock hinaus und hat hier eine runde Öffnung zur Aufnahme eines beweglichen eisernen Ringes, des Röhrringes, in dem die Ankerkette oder das Tau befestigt ist. Alle größern Schiffsanker haben nur zwei Arme, dagegen Bootsanker und A. für Flußfahrzeuge deren fünf bis sechs, dann fehlt ihnen der Stock; letztere heißen Draggen. Bisher waren die Arme fest an den Schaft geschmiedet. In neuerer Zeit macht man sie auch beweglich, indem man die als ein Ganzes geschmiedeten Arme durch einen Bolzen mit dem untern Ende des Schaftes verbindet. Die Folge dieser Konstruktion, Porteranker genannt, ist, daß, wenn sich der eine Arm eingräbt, der andere sich nach unten biegt, bis die Spitze seiner Flüe gegen den Schaft liegt. Man will hierdurch einen "unklaren" A. vermeiden. Hierüber s. Vertäuen. Eine andere Konstruktion ist das System von Martin. Die aus einem Stück geschmiedeten Flüen sind in der Weise durch ein Scharnier mit dem Stock verbunden, daß die durch sie gelegte Ebene nicht wie bei den übrigen A. senkrecht, sondern parallel zur Ebene des Stocks liegt. Der Zweck ist, daß beide Flüen, die sich von der Achse des Stocks nur bis zu einem gewissen Winkel entfernen können, in den Grund eingreifen und dadurch die Haltekraft des A. verdoppeln. Die Folge davon ist, daß das Gewicht des ganzen A. bedeutend verringert werden kann (etwa 30 Proz.), letzterer daher sowohl billiger als leichter zu handhaben ist. Außerdem haben die Martinsanker den Vorteil, daß man sie, weil Stock und Flüen sich in dieselbe Ebene legen lassen, viel bequemer am Bord der Schiffe verstauen und befestigen kann. Im Princip ähnlich sind die neuesten stocklosen Anker von Inglefield und Hall.