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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Anna; Anna Iwanowna; Anna Leopoldowna

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Anna (Königin von Großbritannien) - Anna (Kurfürstin von Sachsen)

Mazarin, zu, der, gestützt auf A.s feste Treue, die ministerielle Allgewalt noch fester als sein Vorgänger begründete. Es ist unzweifelhaft, daß eine heiße und schwerlich nur geistige Liebe (nicht Ehe, wie man behauptet hat) sie an den feinen und glänzenden Mann band. A. überlebte ihren Freund 5 Jahre, die sie in ihrer Klosterstiftung Val-de-Grace und am Hofe zubrachte. Sie starb 20. Jan. 1666. - Vgl. Freer, Anne of Austria (2 Bde., Lond. 1866); Loiseleur, Problèmes historiques. Mazarin a-t-il épousé Anne d'Autriche? (Par. 1876).

Anna, Königin von Großbritannien und Irland (1702-14), war geboren im St. James'-Palast zu London 6. Febr. 1665 als zweite Tochter des Herzogs von York, spätern Jakobs II. aus seiner ersten Ehe mit Anna Hyde. Im Glauben der anglikan. Kirche erzogen, wurde sie 1683 mit dem Prinzen Georg von Dänemark verheiratet. Die zahlreichen Kinder aus dieser Ehe starben aber sämtlich vor A.s Thronbesteigung. Bei der Revolution von 1688, die ihren Vater stürzte, trat sie auf die Seite des Gatten ihrer ältern Schwester Maria, des Prinzen von Oranien, der dann als Wilhelm III. mit Maria zusammen auf den Thron erhoben wurde. Nach beider kinderlosem Tode folgte A. am 8. März 1702. Ihre Regierung erhielt eine außerordentliche Bedeutung für England durch dessen Teilnahme am Spanischen Erbfolgekrieg gegen Frankreich; aber A.s Verdienste dabei waren äußerst gering. Sie war eine beschränkte, eigenwillige, durch die kleinlichsten Intriguen bestimmbare Frau; dabei aber wohlwollend, fromm und mildthätig. Die Größe ihrer Zeit beruht auf dem Wirken ihrer langjährigen Chefminister Marlborough (s. d.) und Godolphin, die ihre Stellung bei der Königin vornehmlich dem beherrschenden Einfluß von Marlboroughs whiggistisch gesinnter Gattin Sarah, der Oberhofmeisterin A.s, zu verdanken hatten. Widerwillig entschloß sich 1708 die toryistisch gesinnte Königin zu der notwendig werdenden whiggistischen Umgestaltung des Ministeriums; nach einem Wandel zu Gunsten der Tories 1710 mußten Marlborough und Godolphin weichen, Harley und neben ihm St. John (s. Bolingbroke) traten an ihre Stelle. Den Krieg gegen Frankreich beendeten diese baldmöglichst, nachdem sie durch den Utrechter Frieden (s. d.) April 1713 den Gewinn für England in Sicherheit gebracht hatten. Der Verdacht, daß vom Ministerium aus Umtriebe für die Nachfolge der vertriebenen Stuarts geschähen, veranlaßte die führenden Lords der Whigpartei, der auf dem Sterbelager liegenden Königin die Berufung eines Whig an die leitende Stelle abzutrotzen. A., das letzte in England regierende Glied des Hauses Stuart, starb 1. Aug. 1714. - Vgl. Stanhope, History of England comprising the reign of Queen Anne until the peace of Utrecht (4. Aufl., Lond. 1873); Burton, History of the reign of Queen Anne (3 Bde., Edinb. 1880); Ranke, Engl. Geschichte, Bd. 7; von Noorden, Europ. Geschichte im 18. Jahrh. (Bd. 1-3, Düsseld. und Lpz. 1870-82).

Anna Iwanowna, Kaiserin von Rußland (1730-40), geb. 28. Jan. 1693, die zweite Tochter Iwans III. (V.), des ältern Halbbruders Peters d. Gr., vermählte sich 1710 mit dem Herzoge Friedrich Wilhelm von Kurland, ward aber schon 1711 Witwe und lebte seitdem in Mitau, wo ihr Kammerherr Biron (s. d.) sich ihre besondere Gunst erwarb. Als Peter II. 19. Jan. 1730 starb, beschlossen die mächtigen Fürsten Dolgoruki im Verein mit dem Senat und den in Moskau versammelten Großen, die Herzogin von Kurland mit Übergehung der Töchter Peters d. Gr. unter der Bedingung zur Kaiserin zu erheben, daß sie der absoluten Gewalt der Zaren entsage und nichts ohne Mitwirkung des aus den Mitgliedern der russ. Aristokratie bestehenden Reichsrats unternehme. A. I. erklärte sich dazu bereit, hatte aber kaum den Thron bestiegen, als sie, von der Geistlichkeit, dem kleinen Adel und den Garden unterstützt, die von ihr unterzeichnete Urkunde vernichtete und sich als Selbstherrscherin aller Reußen ankündigte. In ihrem Namen regierte jetzt Biron mit furchtbarer Härte. Die Dolgorukis und die andern Häupter der Bojarenpartei wurden hingerichtet und viele andere nach Sibirien verbannt. Die auswärtigen Angelegenheiten leitete Biron mit Kraft und Umsicht, zwang 1733 die Polen, August III. an Stelle Stanislaus Leszczynskis zum König zu wählen, und führte 1736-39 durch Münnich einen siegreichen Krieg mit den Türken. Den Kurländern ward Biron von A. I. zum Herzog aufgedrängt; sterbend ernannte sie ihn zum Regenten für ihren minderjährigen Großneffen Iwan. Sie starb 28. Okt. 1740. - Vgl. Manstein, Histor. und polit. Nachrichten von Rußland (Berl. 1771); Barthold in Raumers "Histor. Taschenbuch", Bd. 7 (Lpz. 1836); Schtschebalskij, Vstuplenie na prestol Imp. Anny (Mosk. 1859); Korssakow, A. I. (russ., Kasan 1880).

Anna Leopoldowna oder Anna Karlowna (Elisabeth Katharina Christina), Großfürstin und Regentin von Rußland (1740-41), geb. 18. (7.) Dez. 1718 als die Tochter des Herzogs Karl Leopold von Mecklenburg und Katharinas, der Schwester von Anna Iwanowna, vermählte sich 1739 mit Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, dem sie 1740 den Sohn Iwan gebar; diesen bestimmte die Kaiserin Anna Iwanowna zu ihrem Nachfolger und ihren Günstling Biron (s. d.) zum Regenten. Allein schon 19. Nov. 1740 wurde Biron durch den Feldmarschall Münnich im Einverständnis mit A. L. gestürzt, worauf diese sich zur Großfürstin von Rußland und Regentin während der Minderjährigkeit ihres Sohnes erklärte. Die Regentin zeigte sich ihrer Stellung nicht gewachsen, kümmerte sich mehr um Liebesverhältnisse als um Staatsangelegenheiten, so daß sich eine Verschwörung bildete, die ihrer Regentschaft in der Nacht vom 5. zum 6. Dez. 1741 ein Ende machte und Elisabeth (s. d.), die Tochter Peters d. Gr., auf den Thron brachte. Der junge Iwan wurde nach Schlüsselburg gebracht, wo er l764 ermordet wurde. A. L. erhielt nebst ihrem Gemahl die kleine Stadt Cholmogory auf einer Dwina-Insel am Weißen Meere zum lebenslänglichen Aufenthalt angewiesen. Dort starb sie 18. März l746. - Vgl. Brückner, Die Familie Braunschweig in Rußland (Petersb. 1876).

Anna, Gemahlin Kurfürst Augusts von Sachsen, Tochter Christians III. von Dänemark, geb. 25. Nov. 1532, in Sachsen wegen ihres Wohlthätigkeitssinns noch jetzt als "Mutter A." bekannt, war bei ihrer Klugheit und Sparsamkeit eine treffliche Gattin für den haushälterischen Fürsten. Auch seine Neigung zu der Naturwissenschaft teilte sie und hat sogar ein "Erzneibüchlein" hinterlassen, mehrere Heilmittel erfunden und die Hofapotheke zu Dresden (1581) gestiftet. Doch war sie auch als streng orthodoxe Lutheranerin an den harten Maßregeln des Kurfürsten gegen die Kryptocalvinisten (s. d.) beteiligt. Seit 7. Okt. 1548 mit August vermählt, gebar sie