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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Anorexie; Anorganisch; Anormal; Anorthit; Anorthoskop; Anosmie; Anosmin-Fußpulver; Anotto; Anpassung

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Anorexie - Anpassung

Anorexie (grch.), Appetitlosigkeit, s. Appetit.

Anorganisch oder unorganisch nennt man in der Naturwissenschaft im allgemeinen die dem Mineralreiche angehörenden oder aus mineralischen Stoffen sich unmittelbar ableitenden Körper, im Gegensatze zu den organischen oder den aus dem Pflanzen- oder Tierreiche herstammenden Stoffen. (S. Organ und Chemie.)

Anormal, statt "anomal" (s. Anomalie), wird jetzt auch von guten Schriftstellern gebraucht, ist aber eine falsche Bildung, die das griech. Wort mit dem lat. Norm (norma) zusammenwirft.

Anorthit, ein zu den Feldspaten (Plagioklasen, s. d.) gehörendes, triklines, farbloses Mineral, das zu verschiedenartiger Zwillingsbildung neigt; in ihm liegt der von Säuren am vollkommensten zersetzbare, specifisch schwerste (2,7), kieselsäureärmste und kalkreichste Feldspat vor, mit 43 Proz. Kieselsäure, 37 Proz. Thonerde, 20 Proz. Kalk (Ca2Al4Si4O16 ^[Ca<sub>2</sub>Al<sub>4</sub>Si<sub>4</sub>O<sub>16</sub>]); er findet sich schön krystallisiert am Monzoni in Tirol, sowie in Auswurfsblöckcn des Monte-Somma am Vesuv, auch in zwillingsgestreiften Krystallen als Gemengteil mehrerer Gesteine, wie gewisser Diorite, Basalte, und in einigen Meteorsteinen.

Anorthoskop (grch.), ein von dem Brüsseler Physiker Plateau (1836) hergestellter, eine eigentümliche Art von Anamorphosen (s. d.) zeigender Apparat, bestehend aus zwei Scheiben, die um dieselbe Achse nach entgegengesetzter Richtung mit verschiedenen Geschwindigkeiten gedreht werden. Die vordere, undurchsichtige Scheibe ist mit Schlitzen versehen, und auf der hintern, transparenten, welche durch ein dahintergestelltes Licht erhellt wird, befindet sich eine verzerrte Zeichnung, die, während der Rotation jener Scheiben durch die Spalten der vordern Scheibe betrachtet, bei einem bestimmten Verhältnis der Rotationsgeschwindigkeiten der Scheiben regelmäßig erscheint. Die Ursache liegt in der Fortdauer des Lichteindrucks auf den Netzhautstellen, wenn auch die erregende Lichtquelle bereits andere Orte einnimmt. (S. Thaumatrop und Stroboskop.)

Anosmie (grch.), Geruchlosigkeit, Mangel der Geruchsempfindung, kann vom Fehlen oder Gelähmtsein der Geruchsnerven herrühren, aber auch von örtlichen Affektionen in der Nasenhöhle, z.B. Verstopfung derselben, Katarrh der Nasenschleimhaut u. dgl. Im letztern Fall ist sie meist vorübergehend, im ersten dauernd und sogar oft angeboren. Auch die örtliche Anwendung mancher Arzneimittel, z. B. der Alaunlösung, kann A. bewirken. Mit dem Geruch geht in der Regel auch der Geschmack verloren.

Anosmin-Fußpulver, s. Geheimmittel.

Anotto (Annotto), Farbstoff, s. Orlean.

Anpassung, Adaptation, Bezeichnung für die Gesamtheit der Vorgänge, wodurch der Organismus sich innerhalb veränderter Wechselbeziehungen zur Außenwelt erhält. Jeder Organismus steht einerseits unter der Einwirkung aller nur möglichen Einflüsse der Außenwelt, während er andererseits gegen dieselben durch seine Thätigkeit reagiert; er ist, abgesehen von seiner ursprünglichen Zusammensetzung, die Resultante dieses Gegenspiels von Ursachen und Wirkungen und demnach auch auf eine gewisse Summe von solchen Einflüssen eingerichtet. Andern sich diese Einflüsse in irgend einer Weise oder nach bestimmten Richtungen hin, so muß sich auch die Gegenwirkung von seiten des Organismus ändern; er muß sich diesen Veränderungen anpassen, will er nicht zu Grunde gehen. Es ist klar, daß diese A., wenn sie innerhalb gewisser Grenzen der Einflüsse und der Zeit sich hält, rein funktionell bleiben kann; daß aber, da die Ausübung der Funktionen auf die Organe selbst eine Rückwirkung äußert, diese selbst schließlich verändert werden und durch diese Veränderung auch andere Organe in Mitleidenschaft ziehen. So steht die A. in nächster Beziehung zu der Veränderlichkeit der Organismen und wird großenteils zur bedingenden Ursache derselben. Sobald aber durch eine solche A. eine Veränderung erzeugt ist, so kann dieselbe auch auf die Nachkommen durch Vererbung übertragen werden, und sobald dieselben Einflüsse auf die Nachkommen fortwirken, werden auch die entsprechenden A. stets umfangreichere Veränderungen nach sich ziehen. So bildet denn die A. einerseits den direkten Gegensatz zur Vererbung, welche die Nachkommen den Eltern ähnlich erhält, andererseits aber auch den Grund der stufenweise erfolgenden Umwandlungen, die durch die Vererbung eine dauernde Abänderung der Charaktere herstellten. Bei den durch geschlechtliche Zeugung fortgepflanzten Organismen, wo die Grundlage des Sprößlings aus dem materiellen Zusammenwirken zweier, einander zwar ähnlichen, aber niemals gleichen Individuen hergestellt wird, muß auch die Einwirkung der Außenwelt auf die Sprößlinge in ihrem Resultat eine verschiedene sein, um so verschiedener, je größer die ursprüngliche Verschiedenheit derselben ist. Die A. verhält sich zum physiol. Vorgange der Ernährung wie die Erblichkeit (s. d.) zu dem der Fortpflanzung, und wenn sie ausschließlich Geltung hätte, so würden alle Organismen unähnlich oder nur durch Konvergenz der Charaktere ähnlich sein (s. Ähnlichkeit). So sind aber A. und Vererbung in einem Organismus gleichsam auch in fortdauerndem Kampfe begriffen: die Vererbung, konservativ wirkend, ist bestrebt, die ererbten Eigenschaften in gleicher Weise auf die Nachkommen zu übertragen, die A., von progressiver Thätigkeit, modelt dieselben um, und von Generation zu Generation nehmen die Kraft und Wirksamkeit jener ab und die dieser zu. Je länger ein Organismus selbst oder die Reihe seiner aufeinanderfolgenden Generationen genötigt ist, sich bestimmten Lebensbedingungen anzupassen, desto beträchtlicher wird der Grad der Umbildung gewisser Eigenschaften. Sodann kann die A. anfangs rein funktionell sein. Ein sehendes Tier, das für einige Stunden oder Tage im Dunkeln verharrt, wird durch Erweiterung seiner Pupillen zu sehen versuchen, ohne daß die Struktur des Auges dadurch beeinträchtigt würde, und zugleich durch Tasten sich zu orientieren suchen; dauert aber der Aufenthalt im Dunkeln durch das ganze Leben und die nachfolgenden Generationen an, so wird nach und nach, wie bei dem Olm (Proteus) der Höhlen von Krain, das Tier sich dadurch anpassen, daß seine ungebrauchten Augen verkümmern, der Tastsinn dagegen höher entwickelt wird. Alle Moleküle, welche die Zellen, alle Zellen, welche die Gewebe, alle Gewebe, welche die Organe bilden, und ganze Organgruppen, ja endlich der Gesamtorganismus werden auf diese Weise durch A. verändert, und da die vorteilhaften Änderungen vererbt werden, so wird es schließlich unmöglich, von vornherein die ursprünglichen und die durch Vererbung festgestellten, aber anfänglich durch A. erworbenen Eigenschaften Zu scheiden. (Vgl. W. Roux, Der Kampf der Teile im Organismus, Lpz. 1881.) In welcher Weise die innern, zur A. führenden Vorgänge sich abspielen, ist noch wenig erforscht. Jedenfalls spielt