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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Antecessor - Antequera

Antecessor (lat.), Amtsvorgänger, Vorfahr.

Ante Christum (natum, lat.), vor Christo (Christi Geburt).

Antedatieren, zurückdatieren, eine Urkunde mit früherm Datum (s. d.) bezeichnen als dem, an welchem sie thatsächlich ausgestellt ist. Das ist gestattet, soweit der Aussteller der Urkunde berechtigt ist, durch seine Verfügung dieselben Wirkungen eintreten zu lassen, wie wenn die Urkunde unter dem fälschlich angegebenen Datum wirklich ausgestellt wäre. Der Landesherr mag die Ernennung eines Beamten unter einem frühern Datum vollziehen, um diesem eine frühere Anciennetät zu sichern. Der Schuldner mag sich verbindlich machen, seinem Gläubiger etwa für den Zinsenlauf schon von früherer Zeit ab zu schulden. Soweit aber die rechtlichen Wirkungen nicht zur Verfügung der Partei stehen, insbesondere im Verhältnis zu dritten Personen, bleibt die nachgewiesene Antedatierung wirkungslos. Sie kann, wenn sie in der Absicht geschehen ist, dritte Personen durch Täuschung zu benachteiligen, strafbar sein. - Das Postdatieren oder Nachdatieren steht unter demselben Gesichtspunkt.

Ante diëm (lat.), vor dem Tag, vor der Zeit.

Antediluvianisch (lat.), vorsintflutlich.

Anteflexion (lat.), in der Gynäkologie die Beugung oder Knickung der Gebärmutter nach vorn (s. Gebärmutterkrankheiten).

Anteilschein, Anteilsurkunde, s. Aktie (S. 290).

Antejustinianeisches Recht, eigentlich das gesamte röm. Recht, welches aus der Zeit vor dem röm. Kaiser Justinian (527-565 n. Chr.) herstammt; im engern Sinne die Überreste von Gesetzbüchern und jurist. Schriften aus der Kaiserzeit, welche zum Teil in das Corpus juris Justinianeum in Bruchstücken aufgenommen sind, wie z. B. der Codex Gregorianus, Hermogenianus und Theodosianus, die Institutionen des Gajus, Paulli sententiae, Ulpians Fragmente, die Collatio legum Mosaïcarum et Romanorum, die Fragmenta Vaticana. Sammelausgaben davon veranstalteten einige Bonner Professoren u. d. T.: Corpus juris Romani antejustiniani (Fasc. 1-6, Bonn 1835-44), Huschke (Jurisprudentiae antejustinianeae quae supersunt, Lpz. 1861; 5. Ausg. 1886), Mommsen, Krüger und Studemund (Collectio librorum juris antejustiniani, 3 Bde., Berl. 1877-90).

Antelao, der höchste und schönste Gipfel der Ampezzaner Dolomite, erhebt sich östlich von San Vito zu 3263 m Höhe und wird, seitdem Paul Grohmann 1863 die erste Besteigung des Berges vollführte, seiner herrlichen, bis zum Meere reichenden Aussicht wegen von San Vito über die Forcella Piccola in sieben bis acht Stunden bestiegen.

Antelucanisch (lat.), vor Tagesanbruch (geschehend, eingetreten u. s. w.).

Ante meridiem (lat.), vormittags.

Antemetika (grch.), brechenstillende Mittel, die Arzneien, durch welche man das aus einer krankhaften Empfindlichkeit des Magens hervorgehende Erbrechen zu beseitigen sucht (s. Erbrechen).

Antemundan (lat.), vorweltlich.

Anten (lat. antae), an griech. Tempeln (s. d.) die vorgezogenen pfeilerartigen Wandstirnen, zwischen denen die vordern Säulen stehen. Sie umfaßten den Vorraum zum Tempel (Pronaos).

Antenagium (mittellat.), Erstgeburt, Erstgeburtsrecht.

Antenat (lat.), Erstgeborener; Vorfahr, Ahne.

Antennae (lat.), s. Fühlhörner.

Antennaria R. Br., Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.) mit gegen 10 in Europa, Asien, Amerika weit verbreiteten Arten, besonders auf Gebirgen wachsend; ausdauernde, filzige, kleinblätterige Kräuter mit kleinen Blütenkörbchen, deren Korbhülle aus trocknen, schön gefärbten Schuppen besteht, weshalb sich diese Pflanzen gleich den Immortellen zum Zimmerschmuck während des Winters und zu Kränzen eignen. Die bekannteste Art ist das sog. Katzenpfötchen, A. dioica Gärtn. (Gnaphalium dioicum L.), eine hübsche, allenthalben auf trocknem und steinigem Boden in sonniger Lage vorkommende Pflanze mit weißen, rosen- und purpurroten Blütenkörbchen, und einige beliebte Garten-Zierpflanzen, nämlich A. plantaginea DC. und margaritacea R. Br. aus Nordamerika, stattliche Gewächse mit schneeweißen Blütenkörbchen. Beide gedeihen ohne Pflege im freien Lande, werden durch Zerteilung der Stöcke vermehrt und zur Herstellung von Teppichbeeten verwendet.

Antenor, bei Homer der Verständigste, der zur Sühne Ratende unter den Ältesten Trojas. Er nahm Odysseus und Menelaos bei deren Friedensgesandtschaft nach Troja in seinem Hause auf, begleitete Priamos in das griech. Lager zum Abschluß des Vertrags wegen des Zweikampfs zwischen Paris und Menelaos und schlug nach dem Zweikampfe des Aias und Hektor Helenas Auslieferung vor. Die spätere Sage hat ihn zu einem Freunde der Griechen, ja zum Verräter seiner Vaterstadt gemacht. Sein Haus blieb bei der Plünderung verschont. Er gründete dann nach einigen auf den Trümmern Trojas ein neues Reich, nach andern verließ er die Troas und ließ sich in Cyrene nieder, nach der spätern Sage aber ging er mit den Henetern (Venetern) nach Italien, wo er Patavium (Padua) gründete.

Antenor, griech. Bildhauer aus dem Ende des 6. Jahrh. v. Chr. Von ihm waren die Statuen der Tyrannenmörder Harmodius und Aristogiton in Athen, die von Xerxes geraubt und nach den Perserkriegen durch eine Gruppe von Kritios und Nesiotes ersetzt wurden. Ein Originalwerk von ihm, die überlebensgroße Marmorstatue einer weiblichen Figur, wahrscheinlich einer Athenapriesterin, ist auf der athenischen Akropolis gefunden worden.

Antenuptial (lat.),vor der Hochzeit (geschehen).

Antependium (Antipendium, lat.), eine künstlerisch bearbeitete Tafel aus Holz oder Metall oder auch ein aufgespannter bestickter Stoff, der dazu dient, die Front oder auch die Seitenwände des Altars als Schmuck zu bedecken. Ein kostbares Exemplar frühmittelalterlicher Zeit besitzt die Markuskirche in Venedig; von zahlreichen andern haben nur Reste die Zeiten überdauert. Solche finden sich im Münster zu Aachen (10. Jahrh.), zu Basel (jetzt im Clunymuseum zu Paris) u. a. m. Gestickte A. sind in größerer Anzahl erhalten; sie zeigen im Mittelalter meist in einer Bogenarchitektur stehende Figuren, manchmal auch reichere Kompositionen und Inschriften.

Antepenultima (lat.), die drittletzte Wortsilbe.

Antequera (spr. -kehra, bei den Römern Antiquaria), gewerbreiche Stadt (Ciudad) in der span. Provinz Malaga (Oberandalusien), 16 km von Bobadilla, an dem in der Sierra de A. entspringenden Küstenflusse Guadalhorce und der Zweiglinie Bobadilla-Granada der Andalus. Eisenbahn, in einsamer Gegend auf drei Hügeln, nördlich von der Sierra de los Torcales, mit den weitläufigen Trüm-^[folgende Seite]