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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Anthropometrie - Anthyllis

Nachdem die A. in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. durch Peter Camper, Sömmerring und ganz vorzüglich durch Blumenbach begründet worden war, in der Folge durch Morton, Retzius, Meigs, C. G. Carus, van der Hoeven, Huschke, Virchow u. a., sowie namentlich auch durch die in Paris und London bestehenden anthropol. und ethnolog. Gesellschaften manche Bereicherung gewonnen hatte, begann um das J. 1860 in Deutschland eine erhöhte Thätigkeit in diesem Fache. 1869 wurde die Berliner Gesellschaft für A., Ethnologie und Urgeschichte begründet und schon 1870 folgte die Gründung einer Deutschen Gesellschaft für A., Ethnologie und Urgeschichte, welche durch ihre alljährlich abgehaltenen Wanderversammlungen das Interesse für die A. über das ganze Deutschland ausgebreitet und eine große Anzahl von höchst rührigen Lokalvereinen ins Leben gerufen hat. Als Organ der Berliner Gesellschaft erscheint seit 1869 die von A. Bastian und R. Hartmann begründete Zeitschrift für Ethnologie, als Organ der Deutschen Gesellschaft wurde das bereits 1861 von Ecker und Lindenschmit begründete Archiv für A. (jetzt hg. von Lindenschmit und Ranke) übernommen. Der internationale Verkehr der Anthropologen wird durch die in ungefähr zweijährigen Zwischenräumen stattfindende Abhaltung eines Congrès international d'Anthropologie et d'Archéologie préhistoriques unterhalten.

Eine Übersicht über das gesamte Gebiet der A. giebt Joh. Ranke, "Der Mensch" (2 Bde., 2. Aufl., Lpz. 1893 - 94). Weitere Litteratur s. Mensch, Ethnographie, Ethnologie, Urgeschichte, Psychologie, Völkerpsychologie.

Anthropometrie (grch.), s. Mensch.

Anthropomorphen (grch.), s. Menschenaffen.

Anthropomorphismus (grch.), die Vorstellung von Gott nach der Analogie der menschlichen Körpergestaltung (morphé). Verwandt ist der Begriff Anthropopathismus, die Vorstellung von Gott nach der Ähnlichkeit menschlicher Gemütszustände (páthe). Beide fallen unter den Begriff "Vermenschlichung Gottes". Da die religiöse Vorstellung sich immer in Bildern bewegt, die der menschlichen Erfahrung entlehnt sind, so liegt es nahe, Gott mit einem menschenartigen Geiste, mit menschlichen Gemütszuständen und selbst mit menschenartiger Gestalt ausgestattet vorzustellen. Die Philosophie strebt danach, die Idee des Unendlichen aller menschlichen und endlichen Beschränktheit zu entkleiden; das religiöse Bewußtsein ist immer geneigt, seinen Gott mit den nur nach Möglichkeit gesteigerten Eigenschaften der menschlichen Persönlichkeit auszustatten.

Die Religion des Alten Testaments verwirft in ihrer reinen Entwicklung, im Zeitalter der Propheten, die Darstellung Gottes im Bilde, und wo sie ihm menschliche Gestalt, Augen, Ohren u. s. w. zuschreibt, ist dies nur poetisch veranschaulichende, also symbolische Rede. Dagegen schreibt das Alte Testament Gott im Denken und Wollen menschliche Weise, sogar Sinnesänderung und Wechsel der Entschließungen zu, und spricht neben der Liebe und dem Erbarmen Gottes auch von Zorn, Haß und Reue bei ihm.

Das Christentum hat in seiner Grundauffassung von Gott als dem himmlischen Vater und der persönlichen Liebe ein anthropopathisches Element, während es zugleich in dem Worte "Gott ist Geist" den ihm innewohnenden spekulativen Trieb verrät. Die Entwicklung dieser entgegengesetzten Richtungen führte schon im kirchlichen Altertum zu schroffen Gegensätzen. Die judenchristl. Richtung und späterhin die realistische der Kleinasiaten und Afrikaner neigte fortwährend zu anthropopathischen und sogar anthropomorphistischen Vorstellungen; die philosophisch gebildeten Kirchenlehrer, vor allen die Alexandriner, waren auf Reinerhaltung des Gottesbegriffs von menschlicher Beschränktheit bedacht, ohne jedoch zu einer widerspruchsfreien Auffassung zu gelangen. Die Kirche hat in ihrer weitern Entwicklung die Meinung, die Gott einen Körper zuschreibt, verworfen, dagegen die Abbildung Gottes unter menschlicher Gestalt und die symbolische Redeweise des Alten Testaments für unbedenklich erachtet. Dem Anthropopathismus dagegen konnte die Kirche nur in seinen gröbern Ausschreitungen entgegentreten, da die Vorstellungen von Gottes Zorn, Liebe, Erbarmen und Gnade gerade mit den religiösen Grundanschauungen des Christentums unzertrennlich verbunden sind.

Die Forderung, alles, was im Menschen das Wesen des Geistes ausmacht, auch von Gott auszusagen, dagegen alles, was im Menschen die Endlichkeit seines Geisteslebens ausmacht, von Gott fernzuhalten, ist richtig gestellt, aber unerfüllbar. Die Einsicht, daß wir von Gottes Wirken überhaupt nur auf Grund der religiösen Erfahrung, von seinem Wesen aber nur in Bildern und Gleichnissen reden können, lehrt daher auch die Berechtigung des religiösen Anthropopathismus erkennen.

Anthropopathismus (grch.), s. Anthropomorphismus.

Anthropophagen (grch., d. i. Menschenfresser), s. Kannibalismus.

Anthropophobie (grch.), Menschenfurcht.

Anthropotomie (grch.), s. Anatomie.

Anthurium Schott., Pflanzengattung aus der Familie der Araceen (s. d.) mit gegen 160 Arten, sämtlich im tropischen Amerika; meist krautartige Gewächse mit kriechendem oder aufrechtem Stengel und walzenförmigem, dicht mit Zwitterblüten besetztem Blütenkolben. Die Blätter haben sehr verschiedenartige Gestalt. Mehrere Arten werden als Zimmerpflanzen gezogen, besonders ist das durch lebhaft rot gefärbte Blütenscheide ausgezeichnete, aus Centralamerika stammende A. Scherzerianum Schott (vgl. Tafel: Araceen, Fig. 1) zu erwähnen. Auch manche kletternde Arten werden in Warmhäusern zur Bekleidung der Wände gezogen.

Anthyllis L., Pflanzengattung aus der Familie der Leguminosen (s.d.), Abteilung der Papilionaceen, mit etwa 20 Arten in Europa und den Umgebungen des Mittelländischen Meers, teils ausdauernde Kräuter, teils Kleinsträucher. Erstere haben die Blüten in von gefingerten Hüllblättern umgebene Köpfchen gestellt und gefiederte Blätter. Zu diesen gehört die einzige in Deutschland vorkommende Art, A. vulneraria L., Wundklee und Wollblume genannt, welche leierförmig-gefiederte Blätter und gelbe (seltener, besonders in den Alpen, rote) Blüten besitzt und auf trocknen Wiesen und Triften wächst. Sie ist eine gute Futterpflanze. Mehrere südeurop., strauchige Arten, namentlich A. cytisoides L., mit einfachen oder dreizähligen Blättern und ährenförmig angeordneten gelben Blüten, und A. barba Jovis L., immergrüner Strauch mit unpaarig-gefiederten Blättern und goldgelben Blütenköpfchen, werden als Ziergewächse gezogen, sind aber bei uns den Winter über ins Orangeriehaus zu stellen. Sie lassen sich durch Samen und Ableger vervielfältigen und gedeihen am besten in kalkhaltigem Sandboden.