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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Antiochianer; Antiochien; Antiochischer Krieg; Antiochus

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Antiochianer - Antiochus (Könige von Syrien)

Außerdem blühte zu A. eine ausgezeichnete theol. Schule (s. Antiochenische Schule). In den J. 458, 525, 526, 587 und 588 verheerten Erdbeben aufs neue die Stadt, und 540 zerstörte sie der Perserkonig Chosroës gänzlich. Obgleich sie Kaiser Justinian unter dem Namen Theupolis wiederherstellte, konnte sie sich doch nie wieder vollständig erholen. Seit der Eroberung durch den Chalifen Omar 638 sank ihre weltliche und kirchliche Größe unaufhaltsam. Nachdem die Stadt im 10. Jahrh. durch Nikephoros Phokas (963-969) wieder dem Byzantinischen Reiche einverleibt worden, fiel sie 1084 abermals den Sarazenen in die Hände. Nach längerer Belagerung ward A. 3. Juni 1098 von den Kreuzfahrern genommen. Der Normanne Bohemund (s. d.) gründete nun das Fürstentum Antiochien, das 1268 von den Mamluken erobert ward und durch Sultan Selim I. 1516 an die Türken kam. (Vgl. K. O. Müller, Antiquitates Antiochenae, Gött. 1839.) - An der Stelle des alten A. liegt das heutige A., auch Antakieh genannt, Landstadt im türk. Wilajet Haleb, mit engen und schmutzigen Straßen und einstöckigen Häusern, die teilweise mit Giebeln und Ziegeldächern versehen sind. Die kolossalen Ruinen der Stadtmauern gewähren einen großartigen Anblick. Die Zahl der Einwohner wurde, bevor ein Erdbeben 3. April 1872 den dritten Teil der Stadt zerstörte, auf 6-18 000 angegeben, darunter nur wenige Christen. A. ist Sitz eines deutschen Konsularagenten (Konsulat Beirut). Die heutige Stadt nimmt nur einen kleinen Teil der Justinianischen ein. Der übrige Raum ist großenteils mit Maulbeer-, Feigen- und Olivenbäumen bewachsen. Die Umgebung ist sehr fruchtbar. Die Einwohner treiben Getreide-, Ölbau und Seidenzucht, sowie Handel mit Seide und dem Ertrage der Aalfischerei. - Vgl. Treppner, Das Patriarchat von A. (Würzb. 1891).

2) A. in Pisidien, auf der Grenze von Phrygien und Pisidien, daher bald zu ersterm, bald zu letzterm gerechnet. A. wurde von Seleucus gegründet und mit Einwohnern aus Magnesia am Mäander bevölkert. Beim Zerfall des Seleucidenreichs wurde A. von den Römern für frei erklärt und erhielt durch Augustus eine Kolonie von Veteranen mit dem Namen Cäsarea. Reste der alten Stadt finden sich an der Westseite des Sultan-Dagh beim heutigen Jalowadsch, 22 km von Akschehr.

Antiochianer, s. Ahasiten.

Antiochien, s. Antiochia.

Antiochischer Krieg, s. Antiochus III.

Antiochus, Name mehrerer macedon. Könige von Syrien. Der erste unter diesem Namen bekannte Mann war ein Feldherr des Königs Philipp und Vater des Seleucus (s. d.), nachherigen Königs des Syrischen Reichs. Der Sohn des Seleucus, der 323 v. Chr. geborene A. I. Soter, verfiel aus Liebe zu seiner schönen Stiefmutter Stratonike in eine gefährliche Krankheit, bis der Vater deren Ursache entdeckte und dem Sohne seine Gemahlin abtrat. Als König, 281-261, versuchte A. vergeblich, Pergamum, das sich vom Reiche getrennt hatte, wiederzuerobern; auch sein Unternehmen, die in Asien eingedrungenen Kelten zu vertreiben (seit 277), hatte wenig Erfolg, und im Kriege mit Ptolemäus Philadelphus 266-263, der Syrien bis nach Damaskus sich angeeignet hatte, gewann er nur Damaskus selbst zurück.

Unter seinem Sohne A. II., der durch die Milesier, die er vom Tyrannen Timarchus befreit, den Beinamen Theos (Gott) erhielt (250), fielen die Parther und Baktrier von Syrien ab und bildeten unabhängige Reiche. Er wurde durch seine von ihm verstoßene und später zurückgerufene Gemahlin Laodike 247 v. Chr. vergiftet.

Ein Enkel von ihm und Sohn Seleucus' II. Kallinikos war A. III., der Große (geb. 242), der seinem ältern Bruder Seleucus Keraunos als König von Syrien 222 v. Chr. folgte. Er züchtigte 220 Molon, Statthalter von Medien. Auch gegen Ptolemäus IV. Philopator von Ägypten war er anfangs glücklich, ward aber 217 bei Raphia geschlagen. Nachdem er den Achäus, der sich in Lydien und Phrygien unabhängig gemacht, 214 besiegt und seit 212 einen Zug gegen die Parther und Baktrier unternommen hatte, der ihm seinen Beinamen verschaffte, entriß er dem seit 205 regierenden Ptolemäus V. Epiphanes Cölesyrien, Phönizien und Palästina (198). Als er aber 196 seine Macht auch nach Europa auszubreiten beabsichtigte und den thrazischen Chersonnes besetzte, geriet er mit den Römern in Streit; es begann der Antiochische Krieg. Entgegen dem Rate Hannibals, der vor den Römern 195 zu ihm geflüchtet, führte er nur ein ungenügendes Heer im Herbst 192 nach Griechenland, das im Frühling 191 von den Römern an den Thermopylen aufgerieben wurde. Nachdem auch seine Flotte geschlagen war, vermochte er nicht den von den Scipionen geführten Römern den Übergang nach Kleinasien streitig zu machen. Letztere erfochten im Herbst 190 den Sieg bei Magnesia am Sipylus und nötigten A. zu dem Frieden, in welchem er ganz Asien diesseit des Taurus abtreten mußte. Als er zur Zahlung der Kriegskosten aus dem Elymäertempel den Schatz entführen wollte, wurde er 187 v. Chr. mit seinen Leuten erschlagen. - Vgl. Heyden, Beiträge zur Geschichte A.d. Gr. (Emmerich 1873); Tetzlaff, De Antiochi III. Magni rebus gestis (Münst. 1874).

Sein zweiter Sohn, A. IV. Epiphanes, 175-164 König, veranlaßte durch seine Tyrannei und Tempelraub 167 den Aufstand der Juden unter Mattathias und Judas Makkabäus und ihre Befreiung vom syr. Joche; er fiel wiederholt siegreich in Ägypten ein und hatte 168 v. Chr. bereits einen großen Teil des Nilthals erobert, als die Römer sich der Lagiden annahmen und ihn zwangen, das Land zu räumen. Ihm folgte sein Sohn A. V. Eupator 163-161. - Vgl. Hoffmann, A. IV. Epiphanes (Lpz. 1873).

A. VI. Epiphanes Dionysus, Sohn des syr. Königs Alexander Balas, regierte 144-141, A. VII. Sidetes, Sohn des Demetrius Soter, 139-131. A. VIII. Philometer, Sohn des Demetrius Nikator, war seit 126 König in einem kleinen Teile Syriens, 123 vertrieb er den Herrn der größern Hälfte, Alexander Zabina, ward aber 97 im Kampfe gegen seinen Bruder Kyzikenos ermordet, der dann als A. IX. ein Jahr regierte. Des letztern Sohn, A. X. Eusebes, hatte schwere Kämpfe mit den Söhnen des A. VIII., dem A. XI. Epiphanes Philadelphus und Philippus zu bestehen, die ihm den Thron streitig machten; doch kam A. XI. schon 95 um, und A. X. fiel aber 93 in einem Kampfe gegen die Parther. Ein anderer Sohn des A. VIII., A. XII. Dionysus, wollte den Thron an sich reißen, ward aber im Streite mit einem arab. Fürsten getötet.

Der unaufhörlichen Thronstreitigkeiten müde, unterwarfen sich die Syrer 83 freiwillig den Armeniern. Doch ward 68 der Sohn von A. X., A. XIII. Asiaticus, von Lucullus als König von Syrien