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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Anton; Anton Ulrich; Antonelli; Antonello da Messina

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Anton (König von Sachsen) - Antonello da Messina

Katharina von Medici aus der thatsächlichen Leitung verdrängen. Die Unzuverlässigkeit der deutschen Protestanten, deren Hilfe er suchte, die Umwerbung der kath. Partei, Hoffnungen, die Spanien ihm auf Obernavarra erweckte, und die Haltlosigkeit seiner sinnlichen, leicht beweglichen Natur bewirkten, daß er Anfang 1562 offen zu den Guisen übertrat, während seine Gemahlin am Calvinismus innerlich und politisch festhielt. Im ersten Hugenottenkriege führte A. das kath. Heer mit Franz Guise und Montmorency; vor Rouen 15. Okt. 1562 verwundet, starb er 17. Nov., von allen Parteien mißachtet. Sein Sohn Heinrich IV. wurde 1589 König von Frankreich. - Vgl. de Ruble, A. de B. et Jeanne d'Albret (4 Bde., Par. 1881-80); Rochambeau, Lettres d'A. de B. et de Jeanne d'Albret (ebd. 1877).

Anton, Clemens Theodor, König von Sachsen, (1827-36), geb. 27. Dez. 1755, lebte, ursprünglich zum geistlichen Stande bestimmt, als Prinz in völliger Zurückgezogenheit, beschäftigt mit Musik, in der er selbst als Komponist sich versuchte, und mit Genealogie, als der Tod seines Bruders Friedrich August I. ihn 5. Mai 1827 auf den Thron rief. Nach den Bewegungen von 1830 nahm er seinen Neffen, den Prinzen Friedrich August, zum Mitregenten an und ernannte ein neues Ministerium. Mit der Verfassung vom 4. Sept. 1831 trat Sachsen in die Reihe der konstitutionellen Staaten ein (s. Sachsen, Königreich). A. starb 6. Juni 1836 zu Pillnitz. Er war zweimal vermählt: erst mit der Prinzessin Marie von Sardinien, gest. 1782, dann mit Marie Theresie, der Tochter Kaiser Leopolds II., die 7. Nov. 1827 starb. Die erste Ehe war kinderlos, die Kinder der zweiten starben in früher Kindheit.

Anton Ulrich, Herzog von Sachsen-Meiningen, jüngster Sohn Herzog Bernhards I. aus dessen zweiter Ehe mit Elisabeth Eleonore von Braunschweig-Wolfenbüttel, geb. 22. Okt. 1687, erhielt eine gute und vielseitige Bildung, die er durch längere Reisen in Holland, England, der Schweiz und Italien noch vervollständigte, trat 1707 in kaiserl. Kriegsdienste, machte einige Feldzüge des Spanischen Erbfolgekrieges mit, nahm aber 1711 als Generalmajor seinen Abschied und vermählte sich mit Philippine Elisabeth Cäsar, der Tochter des hess. Hauptmanns David Cäsar. Diese ohne Vorwissen seines Hauses geschlossene und lange verheimlichte Ehe wurde der Anlaß zu erbitterten Erbstreitigkeiten. Nach dem Testament vom J. 1706 sollte das Land ungeteilt bleiben und von den drei Söhnen Bernhards, unter Leitung des ältesten Ernst Ludwig, gemeinsam regiert werden. Dieser aber strebte danach, seinem Geschlechte die alleinige Erbfolge zu sichern. Dagegen suchte A. U. seinen Erbanspruch und die Gleichberechtigung seiner bürgerlichen Gemahlin und ihrer Kinder, die von den sächs. Herzögen von der Erbfolge ausgeschlossen werden sollten, zu verfechten. Endlich erlangte A. U. nach dem Tode seines ältesten Bruders 1724 eine kaiserl. Verfügung, die dessen Primogenitur-Erbfolgegesetz auf seinen ältesten Sohn beschränkte und A. U.s Gemahlin mit ihren Kindern in den Reichsfürstenstand erhob (1727). Kaiser Karl VII. erklärte aber auf das Drängen seiner Verwandten die von Karl VI. verfügte Standeserhöhung der Gemahlin A. U.s für ungültig, und Kaiser Franz I. Stephan bestätigte diese Erklärung auch seinerseits (1744). Philippine starb 1744, und A. U. lebte seitdem meist in Frankfurt a. M. bei seinen Kindern. Endlich rief ihn der Tod seines zweiten Bruders Friedrich Wilhelm 1746 nach Meiningen zurück, wo er nun die Alleinherrschaft übernahm. 1747 verwickelte ihn seine Rücksichtslosigkeit und Hartnäckigkeit in den sog. Wasunger Krieg (s. Wasungen) mit Gotha. 1750 vermählte sich A. U. ebenbürtig mit Charlotte Amalie von Hessen-Philippsthal, die ihm noch acht Kinder schenkte. So wurde er der Stammvater des neuen meiningenschen Fürstenhauses. Er war ein Fürst von guten Anlagen, gründlicher Bildung, starkem Selbstbewußtsein, festem Rechtsgefühl und großer Selbständigkeit. Er starb 27. Jan. 1763 in Frankfurt.

Antonelli, Giacomo, Kardinal-Staatssekretär Pius' IX., geb. 2. April 1806 in Sonnino, einem Räuberort an der neapolit. Grenze des damaligen Kirchenstaates, aus armer, später von Pius IX. in den erblichen Grafenstand erhobener Familie, zeichnete sich als Schüler des Großen Seminars in Rom so aus, daß Papst Gregor XVI. ihn, nachdem er die Priesterweihe empfangen, in seine Nähe zog und zur staatsmännischen Laufbahn bestimmte. 1830 zum Prälaten erhoben, war A. als Assessor bei dem obersten Staatsgerichtshof, später als Delegat in Orvieto, Viterbo und Macerata thätig und wurde 1841 zum Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern, 1844 zum zweiten Schatzmeister und 1845 zum Großschatzmeister (Finanzminister) ernannt. Bisher ein eifriger Vertreter des weltlichen und geistlichen Despotismus, schwenkte A., als Pius IX. Papst wurde, zu den Liberalen hinüber und erwarb sich dadurch die Gunst des neuen Herrschers, auf den er durch seine Geschmeidigkeit, hinter der sich ein energischer Charakter verbarg, einen zunehmenden Einfluß gewann. 1847 zum Kardinal erhoben, trat A. in den ersten Ministerrat, mit dessen Bildung Pius IX. seine Reformen eröffnete. Seit Anfang Mai 1848 Präsident eines liberalen Ministeriums, mußte er, als er plötzlich die nationalen Bestrebungen fallen ließ und sich für Österreich erklärte, dem drohenden Unwillen der radikalen röm. Bevölkerung weichen und die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten einem Kabinett Mamiani überlassen, blieb aber trotzdem der Ratgeber des Papstes und der eigentliche Leiter der päpstl. Politik. Auf seinen Rat floh der Papst im Nov. 1848 nach Gaeta, er selbst folgte ihm und erhielt die Würde eines Staatssekretärs. Nach der Rückkehr nach Rom im April 1850 wurde er nicht bloß der oberste, sondern der einzige Chef des Staatswesens und leitete fortan die päpstl. Politik im Sinne der strengsten politischen und kirchlichen Reaktion. Den Untergang des Kirchenstaates (1870) vermochte auch seine diplomat. Gewandtheit nicht aufzuhalten. A. starb 6. Nov. 1876 in Rom, nachdem er schon länger seinen Einfluß auf Pius IX. an die Jesuiten verloren hatte. Er hinterließ ein Vermögen von mehr als 100 Mill. Lire, von dem seine angebliche Tochter, die Gräfin Lambertini, in einem skandalösen Prozesse 1877 ihren Anteil beanspruchte, aber erfolglos, da der Beweis ihrer Abstammung als nicht erbracht erklärt wurde.

Antonello da Messina, eigentlich Antonello d'Antonio, ital. Maler, geb. im Anfang des 15. Jahrh. Nachdem er in Rom seine Ausbildung erlangt hatte, ließ er sich um 1473 in Venedig nieder und soll unter den venet. Künstlern die Technik der Ölmalerei verbreitet haben, welche er, wie es heißt, dem Jan van Eyck abgelernt hatte. A. starb um 1493 in Venedig. Das ganze Leben und Wirken A.s ist in Dunkel gehüllt, so ersichtlich seine