Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Antonia; Antonianer; Antonides; Antonienhütte; Antonierherren; Antonina; Antoninus

709

Antonia - Antoninus (Marcus Annius Verus)

Bedeutung und sein Einfluß ist. Von seinen Bildern sind die bedeutendsten: Christus, in der Londoner Nationalgalerie; Madonna, in San Gregorio zu Messina; Kreuzigung (1475), im Museum zu Antwerpen; Leichnam Christi, im Hofmuseum zu Wien; heil. Sebastian, in der Dresdener Galerie. Auch als Porträtmaler hat sich A. großen Ruf erworben; die besten Porträte befinden sich im Louvre zu Paris und im Museum zu Berlin.

Antonia, Name des 272. Planetoiden.

Antonianer, die Anhänger des Anton Unternährer aus Schüpfheim im Kanton Luzern, der auf bernischem Gebiet unter Mißbrauch von Bibelworten das Ende von Staat, Kirche und Familien verkündend in pietistischen Kreisen Anhänger fand, die das von ihm enthüllte Geheimnis der freien Liebe zu schamlosen Ausschreitungen benutzten. Wegen Erregung von Unruhen 1802 verhaftet, forderte er nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis für sich den Glauben als an den zweiten Christus. Nach seinem Tode (1824) lebte Unternährers Geist in Benedikt Schori, dem dritten Heiland, auf, und Christ. Michel wurde seit 1838 der Prophet strafwürdiger Excesse. Der Staatsgewalt gelang die Vertilgung der Sekte. - Vgl. Joß, Sektenwesen im Kanton Bern (Bern 1881); Ziegler, Aktenmäßige Nachrichten u. s. w. in Trechsels "Beiträgen zur Geschichte der schweizerischen reform. Kirche" (Bern 1811).

Antonianer, Mönchsorden, s. Antoniusorden.

Antonides, Joannes, niederländ. Dichter, geb. 3. Mai 1647 zu Goes, studierte in Utrecht Medizin und ließ sich dann in Rotterdam nieder, wo er 18. Sept. 1684 starb. Mit seinen Gedichten, in denen er den damaligen Krieg mit England (1666-67) besang, erntete er die ersten Lorbeeren; besonders mit "Bellone aan Band". Durch sein Trauerspiel "Trazil" lenkte er die Aufmerksamkeit van den Vondels auf sich, dessen Schüler er wurde. A.' Hauptwerk ist "De Y-stroom" (1671). In diesem Gedicht von 4 Büchern verherrlichte er den Welthandel Amsterdams und schildert in reiner, schwungvoller Sprache und mit meisterhafter Detaillierung das damalige Leben der Stadt; manche Stellen werden jedoch durch allzu zahlreich angewandte mytholog. Bilder verunziert. Als heftiger Gegner des franz. Einflusses auf die niederländ. Litteratur hat sich A. auch in dieser Hinsicht große Verdienste erworben. Seine gesammelten Gedichte erschienen nach seinem Tode (Amsterd. 1685); auch Bilderdijk gab sie 1827 heraus.

Antonienhütte, Hüttenort und Gutsbezirk im Kreis Kattowitz des preuß. Reg.-Bez. Oppeln, 4 km von Station Morgenroth und 10 km südwestlich von Beuthen, im Besitz des Grafen Hugo Henckel von Donnersmarck, hat (1890) 5480 kath. E., Post, Telegraph, kath. Kirche, evang. Betsaal, Volksschule, israel. und Privatschule, Krankenhaus, Konsumverein; Bergbau auf Steinkohlen und Zink, Hüttenbetrieb, Walzwerk, Zinkweiß-, Chamottefabrik.

Antonierherren, s. Antoniusorden.

Antonina, Gemahlin des oström. Feldherrn Belisar (s. d.), die schöne und schlaue Tochter eines byzant. Cirkuskutschers, war Hofdame und Freundin der Theodora, der Gattin des Kaisers Justinian I. A. war ein Weib von männlichem Geiste; herrisch und zu Intriguen geneigt, unterstützte sie die Frevelthaten Theodoras und gewann dafür deren Hilfe bei der Befriedigung ihres Hasses gegen ihre Feinde und noch mehr bei der vollständigen Unterjochung Belisars unter ihren Willen. Ihr eigener Sohn Photios, aus erster Ehe, der die Untreue der Mutter an Belisar verraten hatte, entging nur mit Mühe ihrer Rache durch Eintritt in das Mönchtum. Auf der andern Seite hielt A. fest zu ihrem Gatten. Sie begleitete ihn stets auf seinen Feldzügen, unterstützte seine Kriegführung und Diplomatie namentlich in Italien und vertrat seine Interessen beim Hofe. Als Belisar im März 565 gestorben war, stiftete A. von dem ihr zugefallenen Teil des Vermögens ein Kloster.

Antoninus Pius, Titus Aurelius Fulvus Bojonius Arrius A., röm. Kaiser (138-161 n. Chr.), geb. 86 zu Lanuvium, gehörte einer aus Nemausus in Gallien stammenden Familie an, erlangte 120 das Konsulat. Er war einer von den Konsularen, die Hadrian an die Spitze der von ihm in Italien gebildeten vier Gerichtssprengel stellte; dann ging er 128 als Statthalter nach Asien. Von Hadrian ward er 25. Febr. 138 unter der Bedingung an Kindesstatt angenommen, daß er seinerseits den Sohn und den designierten Schwiegersohn des Älius Verus, den M. Annius Verus (Marc Aurel) und L. Verus adoptierte. Im Juli desselben Jahres bestieg er als Imperator Cäsar Titus Älius Hadrianus Antoninus Augustus den Thron. Unter ihm herrschte Ruhe und Glück im Reich. Seine weise Sparsamkeit setzte ihn in den Stand, überall zu helfen und doch einen großen Schatz zu sammeln. Er führte nur wenige Kriege an den fernsten Grenzen, doch erweiterte er in Mauretanien und Britannien das röm. Gebiet und steuerte zugleich durch Aufführung eines Walles nördlich von dem Hadrians, auf der einst von Agricola befestigten Landenge zwischen Forth und Clyde, den Einfällen der räuberischen Stämme in den schott. Hochlanden (140-145). Auch außerhalb der Grenzen des Reichs brachte er den röm. Einfluß zur Geltung. Den Beinamen Pius erhielt er wahrscheinlich deshalb, weil er, als nach dem Tode Hadrians der Senat diesem die Ehre der Vergötterung nicht zugestehen wollte, dies doch durchsetzte. A. starb 7. März 161. Seine Tochter war Faustina (s. d.), Gattin Marc Aurels. Von der Säule, die ihm seine Adoptivsöhne errichteten, ist nur noch das in den Garten des Vatikans versetzte Postament vorhanden. Die sog. Antoninussäule ist die dem Kaiser Marc Aurel (s. Antoninus, Marcus Annius Verus) errichtete. - Vgl. Bossart und Müller, Zur Geschichte des Kaisers A. (Lpz. 1868); Lacour-Gayet, Antonin le Pieux et son temps (Par. 1888).

Antoninus, Marcus Annius Verus, am bekanntesten unter dem Namen Marc Aurel, röm. Kaiser (161-180 n. Chr.), wurde 121 in Rom geboren und 138 neben Lucius Verus von seinem Oheim Antoninus (Pius) adoptiert. Nachdem A. schon 147 zum Teilhaber an der Regierungsgewalt erhoben worden war, übernahm er nach dem Tode seines Adoptivvaters 161 als Imperator Cäsar Marcus Aurelius Antoninus Augustus die Herrschaft, die er aber sofort mit Lucius Verus teilte. Das Reich wurde während seiner Regierungszeit von großen Kriegen, von Überschwemmungen, Erdbeben, Hungersnot und Pest heimgesucht. Gleich nach seinem Regierungsantritt drohte in Britannien ein Aufstand auszubrechen, fielen die Katten in das röm. Germanien und Rhätien ein und brach ein Krieg mit den Parthern aus. Während Marc Aurel die Angelegenheiten im Westen des Reichs ordnete, führte Lucius Verus den Krieg im Orient, besonders gegen die Parther, die nach Vernichtung einer röm. Armee