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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Antwerpen

demselben Meister als Waren- und Gasthaus für die Hansastädte Bremen, Lübeck und Hamburg erbaut, 1882 auf Deutschlands Veranlassung mit einer Zeitballstation versehen, brannte 1893 ab. Die Börse wurde 1869-72 an der Stelle der alten, 1858 abgebrannten, in der frühern Gotik, aber weit größer, aufgebaut. (S. Tafel: Börsengebäude I, Fig. 3.) Sonst sind noch hervorzuheben: Banque nationale, Palais de justice, Athénée royal, königl. Schloß, Rubenshaus, ein neuer Renaissancebau an der Stelle, wo Rubens gewohnt hat. Ferner das Théâtre royal für die Oper und das Théâtre national, die Schouwburg für das vläm. Schauspiel.

Verwaltung. Die Stadt wird verwaltet von einem Bürgermeister (20 000 Frs.) und fünf Schöffen (je 7000 Frs.). Ersterer (seit 1870 Leopold de Wael) wird vom Könige auf je sechs Jahre ernannt, letztere werden für dieselbe Zeit vom Stadtrat (Conseil communal) gewählt, dessen 18 Mitglieder von den wahlberechtigten Bürgern ebenfalls auf sechs Jahre gewählt werden. Bürgermeister wie Schöffen sind nicht Berufsbeamte, sondern meist Kaufleute. Der Bürgermeister ist zugleich Polizeipräsident, ihm steht ein Commissaire-en-chef zur Seite und an der Spitze jeder der neun Verwaltungsbezirke steht ein Kommissar. Die städtische Feuerwehr besteht aus 5 Offizieren, 23 Unteroffizieren und Mechanikern und 80 Pompiers und hat 4 Dampfspritzen. Wasserleitung und Gasanstalt werden durch Aktiengesellschaften betrieben, zur Straßenbeleuchtung dienen 6880 Flammen, die Bahnhöfe und der Hafen haben zum Teil elektrische Beleuchtung. Die Stadt hat 183½ Mill. Frs. Schulden, seit 1881 in 2½prozentige Lose umgewandelt, die nach dem Tilgungsplane 1977 gezogen sein müssen. Die Einnahmen betrugen (1890): a. ordentliche Einnahmen 13 910 938 Frs.; b. außerordentliche Einnahmen 2 437 050 Frs., zusammen 16 347 988 Frs. Die Ausgaben: a. ordentliche Ausgaben 13 212 917 Frs. darunter Verwaltung 640 995 Frs., Polizei und Straßenreinigung 2 072 959 Frs., Unterricht 185 5085 Frs., Wohlthätigkeitsanstalten 900 000 Frs., Künste 323 695 Frs., Kultus 9750 Frs., Amortisation und Zinsen 5 633 055 Frs.); b. außerordentliche Ausgaben 3 126 145 Frs.

Behörden. A. ist Sitz der Provinzialregierung (Gouverneur Baron Osy de Zegwaart), eines Tribunals erster Instanz, Tribunal de Commerce, Conseil de guerre dela province d'Anvers.

Schul- und Bildungswesen. Die Stadt hat seit 1852 eine höhere Handelslehranstalt mit 14 Lehrern und 154 Studierenden, das Athénée royal (Gymnasium und Realschule) mit 22 Professoren und 707 Schülern, eine Akademie der schönen Künste (gegründet 1665), von 114 Malern und 29 Bildhauern besucht (1151 Handwerker erhalten unentgeltlichen Unterricht), eine Fortbildungsschule für Mädchen und andere Fachschulen. Hierzu kommen 2 Mittelschulen für Knaben (478) und Mädchen (463), 19 Knabenschulen (8319), 19 Mädchenschulen (7940), 13 Kinderbewahranstalten (4058), 92 Proz. aller Kinder genießen unentgeltlichen Unterricht; ferner 22 Fortbildungsschulen (1913) und zahlreiche Privatschulen, besonders das Jesuiteninstitut (Gymnasium und Realschule ([800]) und die deutsche Schule (350).

Die Stadt besitzt seit 1890 ein neues Museum mit mehr als 1000 Ölgemälden (besonders der Antwerpener Maler), Bildhauerarbeiten und den Photographien und Stichen fast sämtlicher Werke von Rubens, das Museum Plantin-Moretus mit zahlreichen Kunstschätzen, das Museum für Altertümer im Steen; ferner ist die Privat-Gemäldegalerie von Notebohm dem Publikum geöffnet. Das Musée commercial, industriel et ethnographique wurde 1885 gegründet und in das ehemalige Ausstellungsgebäude der franz. Kolonien gelegt. Außer den größern Gemäldeausstellungen (alle drei Jahre) veranstalten mehrere Künstlervereine sowie der Cercle artistique, littériaire et scientifique regelmäßige Ausstellungen. Außerdem bestehen noch mehrere wissenschaftliche Vereine: Académie d'archéologie de Belgique, Société royale de géographie, Société de médicine, Société de pharmacie, Société royale d'horticulture et d'agriculture, Société royal de zoologie, Société des bibliophiles u.a. Hervorragender Pflege erfreut sich die Musik; in der Musikschule erhielten (1890) 1699 Schüler und Schülerinnen von 34 Lehrern unentgeltlichen Unterricht; die größten Musikgesellschaften sind: Société royale d'harmonie, Société de musique, Société de symphonie, Antzwerpsche toonkunstenaarsvereeniging. Die Stadt hat drei Theater (s. oben), eine städtische Bibliothek (56 000 Bände), eine Volksbibliothek (15 000 Bände) und eine zweite der Gesellschaft "De Toekomst" (21 000 Bände), meist in vläm. Sprache. Von den 44 in A. herausgegebenen Zeitungen und Zeitschriften erscheinen 11 täglich, und zwar: 6 in vlämischer, 4 in französischer, 1 in deutscher Sprache. Die Zahl der Wohlthätigkeitsanstalten ist eine sehr bedeutende. 1890 wurden in den Krankenhäusern 10 084 Personen aufgenommen, 2859 andere wurden in Versorgungsanstalten, Waisenhäusern, Taubstummenanstalten u. dgl. verpflegt. Dazu besitzt die Stadt zwei große Krankenhäuser (St. Elisabeth mit 500 Betten, Stuyvenberg mit 400 Betten, 1885 nach dem Pavillonsystem vollendet), eine Irrenanstalt, je ein Waisenhaus für Knaben und für Mädchen, eine Versorgungsanstalt für Greise und 20 kleinere Wohlthätigkeitsanstalten. 43 Vereine bezwecken gegenseitige Unterstützung in Krankheit und bei Unglücksfällen. Unbemittelten Fremden dienen ein Nachtasyl, eine Volksküche, eine Suppenanstalt, den Deutschen der Verein Germania, den Seeleuten mehrere Seemannshäuser, den Dienstmädchen mehrere Mädchenheime, die Deutschen, Österreicher, Schweizer u. a. haben Unterstützungsvereine (der Deutsche Unterstützungsverein verausgabte 1890: 18 532 Frs.); die Stadt gab dennoch für hilfsbedürftige Fremde 53 513 Frs. aus.

Industrie. Hervorzuheben sind: die Spiritusbrennereien (L. Meeus erzeugte allein in einem Jahre über 10 Mill. Liter Genever und zahlte jeden Arbeitstag 26 000 Frs. Steuer), 36 Brauereien, 40 Diamantschleifereien (25 große, 15 kleinere Schleifereien; Diamantenumsatz jährlich 60 Mill. Frs.) mit mehr als 3000 Arbeitern, 30 Cigarrenfabriken (120 Mill. Stück jährlich), Zuckerraffinerien, Kerzenfabriken, die Werkstätten der Bell Telephone Manufacturing Cie., die Fleischextrakt-Compagnien von Liebig, Kemmerich, Cibil und Koch, die Reisstärkefabriken von Remy, Färbereien, Lackfabriken, Reismühlen, Schwefelraffinerie u. s. w.

Handel. Der seit Jahrhunderten in hoher Blüte stehende Handel A.s wurde durch die von den Niederländern verfügte Sperrung der Scheldemündungen (im 17. Jahrh.) vernichtet und hat sich erst in den letzten 30 Jahren infolge der Aufhebung des Scheldezolles (1863) und dadurch, daß der Staat