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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Apfelsine - Aphrodite

stiert, da sie ein sog. asymmetrisches Kohlenstoffatom besitzt, in drei verschiedenen isomeren Formen. Die wässerige Lösung der natürlichen A. dreht die Schwingungsebene des polarisierten Lichtes nach links, die aus gewöhnlicher Weinsäure durch Reduktion erhaltene A. nach rechts; die sonst synthetisch dargestellte A. (aus Monobrombernsteinsäure und feuchtem Silberoxyd oder aus Fumarsäure mit wässeriger Natronlauge) ist optisch inaktiv. Die letztere kann aber mit Hilfe des Cinchoninsalzes in Rechts- und Linksapfelsäure gespalten werden. Durch Reduktion mit Jodwasserstoffsäure oder durch Gärung des Kalksalzes geht die A. in Bernsteinsäure über. Beim Erhitzen auf 180° zersetzt sie sich unter Abgabe von Wasser und bildet zwei isomere ungesättigte zweibasische Säuren von der Zusammensetzung C4H4O4 ^[C<sub>4</sub>H<sub>4</sub>O<sub>4</sub>], Fumarsäure und Maleinsäure. Je nachdem in einer oder beiden Carboxylgruppen der Wasserstoff durch Metalle vertreten ist, leiten sich von der A. zwei Reihen von Salzen ab; die in der Regel gut krystallisierenden sauren Salze und die weniger gut krystallisierenden neutralen Salze. Das neutrale Kalisalz, C4H4O5Ca + H2O ^[C<sub>4</sub>H<sub>4</sub>O<sub>5</sub>Ca + H<sub>2</sub>O], scheidet sich beim Kochen seiner wässerigen Lösung aus.

Apfelsine, s. Citrus.

Apfelstedt, linker Nebenfluß der Gera im Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha, entspringt auf dem Thüringer Walde am Rennsteig, schickt bei Georgenthal einen Arm, den Leinakanal, zur Leina und Nesse und mündet oberhalb Möbisburg.

Apfelwein oder Äpfelwein, s. Cider und Obstverwertung.

Apfelwickler (Carpocapsa pomonella L.), s. Wickler.

Aphagie (grch.), das Unvermögen zu schlucken.

Aphakie (grch.), Fehlen der Krystalllinse im Auge. Die aphakischen Augen haben durch Verlust der Linse (meist infolge der Operation des Grauen Stars) nicht nur einen starken Ausfall an Brechkraft erlitten (sind stark übersichtig), sondern auch ihr Accommodationsvermögen (s. d.) eingebüßt. Sie bedürfen daher sehr starker Konvexbrillen (Starbrillen), und zwar für die verschiedene Entfernung der Objekte von verschiedener Stärke.

Aphaniptera, s. Flöhe.

Aphanit, eine scheinbar ganz homogene oder höchst feinkörnige, grünliche Varietät des Diabas (s. d.), die besonders im Gebiete der silurischen und devonischen Formation vorkommt. Geht das in der Regel sehr dichte Gefüge dieses Gesteins in das Schieferige über, so heißt es Aphanitschiefer.

Aphäresis (grch., "Wegnahme"), in der Grammatik die Abwerfung eines Lautes zu Anfang eines Wortes, z. B. 's geht, anstatt: es geht.

Aphasie (grch.), Bezeichnung für die Störungen der "Diktion", bei denen die Fähigkeit, für eine gegebene Vorstellung das richtige (übliche) Wort zu gebrauchen, sowie die Worte zu formen und syntaktisch zu gliedern, leidet (s. Sprachstörungen).

Aphel (grch.), s. Perihel und Apsiden.

Aphelandra R. Br., Pflanzengattung aus der Familie der Acanthaceen (s. d.) mit gegen 50 Arten im tropischen Südamerika. Einige Arten sind ihrer schönen Blüten halber beliebte Zierpflanzen. Sie haben ovallanzettliche, oft weiß oder gelblich gestreifte oder getuschte Blätter, einzeln stehende oder zu vier in achsel- und endständige Ähren gruppierte Blüten mit fünfteiligem Kelche und zweilippiger oder rachenförmiger Blumenkrone von schön roter Farbe und eine zusammengedrückte, viersamige Kapsel. Beliebt sind: A. squarrosa Nees aus Brasilien, A fascinator Lind. et André aus Neugranada und A aurantiaca Lindl. aus Mexiko. Man vermehrt sie durch Ableger oder Samen und kultiviert sie in feuchten Warmhäusern.

Aphemie (grch.), der Verlust des Sprachvermögens bei ungestörter Intelligenz.

Apherima, samarischer Bezirk in Palästina (s. Ephraim).

Aphidae, s. Blattläuse.

Aphodiidae, eine Familie der Mistkäfer (s. d.).

Aphonie (grch)., Stimmlosigkeit, der höchste Grad von Heiserkeit (s. d.), bei welchem zwar die Artikulation möglich, aber die Stimme ganz klanglos ist.

Aphorismen (grch.), kurze, unverbundene und in prägnanter Form gehaltene Sätze; aphoristisch, kurz, abgebrochen, prägnant.

Aphrodisia, Fest zu Ehren der Aphrodite.

Aphrodisiaka (grch.), Mittel, die den Geschlechtstrieb künstlich anreizen oder steigern. Dies geschieht auf psychischem Wege durch Einwirkung auf die Phantasie, auf physischem durch berauschende Mittel sowie durch Reizung, in welcher Hinsicht namentlich bei Männern die scharfen, die Harnwege reizenden, kantharidinhaltigen Stoffe (Spanische Fliegen, Maiwürmer) gemißbraucht werden. Die Kanthariden, welche den wesentlichen Bestandteil der "ital. Elixire", der berüchtigten Diavolini sowie der Pastilles galantes bilden, führen, meist ohne den beabsichtigten Erfolg, leicht zu Harnstrenge, Blutharnen, ja selbst Nierenentzündung. Auch die Vanille und andere feine Gewürze (Safran, Ingwer, Zimmet) sowie Moschus und Myrrhe galten früher für A. Alle diese Mittel sind schon aus gesundheitlichen Gründen verwerflich, besonders aber die scharfen und narkotischen Stoffe, aus denen wohl meist die Liebestränke (Philtra) der ältern Zeit bestanden.

Aphrodisiasmus oder Aphrodisie (grch.), krankhaft gesteigerter Geschlechtstrieb.

Aphrodit, ein Individuum, dessen Geschlechtsteile entweder ganz fehlen oder dergestalt verkümmert sind, daß sich das Geschlecht nicht bestimmen läßt. Vollkommene Geschlechtslosigkeit, Aphroditismus (Cryptogamia), kommt nur bei solchen Mißgeburten vor, bei denen die untern Körperteile gänzlich fehlen. Das Wort wird jetzt nur noch in Zusammensetzung (s. Hermaphroditismus) benutzt.

Aphrodite, die griech. Göttin der Liebe. Der Name ist schon bei Hesiod als "Schaumgeborene" (freilich nicht richtig) erklärt, die Göttin wird bisweilen auch Aphrogeneia, d. h. Schaumgeborene, genannt. Obgleich frühzeitig in das griech. Göttersystem eingereiht und zum Teil durch Vermischung mit einheimischen Göttergestalten ganz in hellenischem Geiste umgebildet und neugeschaffen, ist A. doch im wesentlichen asiat. Ursprungs. Sie ist die weibliche Hauptgöttin der Semiten, Astarte (s. d.), deren Kult durch die Phönizier nach Kypros (Cypern) und Kythera (Cerigo) gebracht wurde, daher diese Inseln als Geburts- und Wohnstätten der A. galten und die Göttin mit dem Namen Kypris oder Kythereia bezeichnet wurde. Nach einer Sage ist sie aus dem Schaume des Meers, der sich um das abgeschnittene Zeugungsglied des Uranos bildete, hervorgegangen (s. Anadyomene), nach einer andern war sie Tochter des Zeus und der Dione. Zum Gemahl gab ihr der Mythus den Hephaistos, dem sie aber mehrfach untreu wurde. Am berühmtesten ist ihre Liebschaft mit Ares, dem sie nach der thebanischen Sage die Harmonia (Vereinigung), nach Hesiod den Deimos