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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Aphroditidae - Apia

(Schrecken) und Phobos (Furcht) gebar. Außerdem kennt die spätere Sage als ihre begünstigten Liebhaber den Hermes, dem sie den Hermaphroditos, den Dionysos, dem sie den Priapos, und den Anchises, dem sie den Äneas gebar. Semit. Ursprungs ist die Sage von ihrer Liebe zu dem schönen Jüngling Adonis (s. d.). Dem troischen Paris verschaffte sie zum Dank, daß er ihr den Preis der Schönheit zuerkannt hatte, die Helena zur Gemahlin, und stand auch im Trojanischen Kriege auf der Seite der Trojaner. An den ältesten Stätten ihres Kultes, wie in Paphos, Amathus und Idalion auf Cypern (nach welchen Orten sie auch Paphia, Amathusia und Idalia genannt wird), auf Kythera, in Sparta, Elis, Athen und anderwärts wurde sie unter dem Beinamen Urania, d. b. als Himmelsgöttin (wie die phöniz. Astarte) verehrt. Die philos. Spekulation deutete dann diesen Beinamen ethisch und stellte die Aphrodite Urania als die Göttin der himmlischen, reinen und keuschen Liebe der Aphrodite Pandemos gegenüber (der ursprünglichen Bedeutung des Beinamens nach Göttin der Vereinigung eines Volks zu einem Ganzen), als der Göttin der sinnlichen Liebe, ja der Prostitution (der lat. Venus vulgivaga).

^[Abb.: Fig. 1.]

^[Abb.: Fig. 2.]

Allgemein aber wurde bei den Griechen A. als die Göttin der Liebe, des Reizes und der Anmut aufgefaßt; daher außer ihrem steten Begleiter, dem Eros, auch Peitho, die Göttin der Überredung, und die Chariten häufig mit ihr verbunden werden. Was die ursprüngliche Bedeutung der A. betrifft, so ist es wahrscheinlich, daß sie eine Mondgöttin war, da sie ebenso wie die semit. Astarte zahlreiche deutliche Beziehungen zum Monde besitzt. Vgl. Roscher, Nektar und Ambrosia (Lpz. 1883); ders., Selene und Verwandtes (Studien zur griech. Mythologie und Kulturgeschichte, Heft 4, ebd. 1890). - Die Römer haben die griechische A. mit der altiralischen Venus (s. d.) identifiziert.

Die griech. Kunst stellte in älterer Zeit A. meist ganz bekleidet dar. Auch die Kunst des 5. Jahrh. scheint die Bekleidung noch festgehalten zu haben. Spätere Nachbildungen einer Schöpfung aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrh. zeigen den Leib der Göttin bis auf die eine Brust bekleidet. Die attische Kunst des 4. Jahrh. wagte es dann, die Göttin auch in

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halber und in völliger, anfangs regelmäßig durch das Bad motivierter Nacktheit darzustellen. Die Kunst der besten Zeit und auch spätere Werke desselben Geistes Pflegen aber auch in den Darstellungen der ganz oder teilweise entblößt dargestellten Göttin Schöndeit und Anmut mit göttlicher Würde zu verbinden, wie dies in der schönsten erhaltenen Statue, der gegenwärtig im Louvre in Paris befindlichen Marmorstatue von der Insel Melos, der sog. Venus von Milo (s. Tafel: Aphrodite von Melos [Venus von Milo]), der Fall ist. Dasselbe gilt auch von den besten Nachbildungen der berühmtesten Statue der Göttin, der knidischen A. des Praxiteles (s. beistehende Fig. 1: die vatikanische Kopie der A. von Knidos). Eine Umbildung in der Richtung auf das überwiegen des Anmutigen und Reizenden über den göttlich erhabenen Ausdruck zeigt schon eine andre Kopie der knidischen A. in München (s. nebenstehende Fig. 2); weniger gilt dies von der in der Haltung abweichenden sog. kapitolinischen Venus (in Rom), in vollstem Maße aber von der sog. mediceischen Venus (in Florenz). Andere Darstellungsweisen, worin die Göttin ganz unbekleidet erscheint, sind die Aphrodite Anadyomene (s. d.), die sich die Sandale lösende und die im Bade kauernde A. (z. B. im Louvre). Das sinnlich Reizende ist besonders stark ausgeprägt in der teilweise bekleideten Aphrodite Kallipygos (in Neapel). - Vgl. Bernoulli, Aphrodite (Lpz. 1874).

Aphroditĭdae, Familie der Borstenwürmer (s. d.).

Aphroditismus, s. Aphrodit.

Aphroëssa, Insel, s. Santorin.

Aphrogeneia, s. Aphrodite.

Aphthartodokēten, s. Monophysiten.

Aphthen, Erkrankung der Mundhöhle bei Menschen, s. Schwämmchen. - A. und Aphthenseuche beim Vieh, s. Maul- und Klauenseuche.

Aphthīt, eine in Frankreich aufgekommene goldähnliche Legierung aus 800 Teilen Kupfer, 170 Teilen Gold, 25 Teilen Platin und 10 Teilen Wolframsäure, die zu Schmucksachen verwendet wird.

Aphthongie (grch.), diejenige Form der Sprachstörung, welche auf einem Krampf der Zunge beruht.

Aphthonĭus, griech. Rhetor zu Ende des 3. und Anfang des 4. Jahrh. n. Chr., dessen Vorübungen der Beredsamkeit ("Progymnasmata"), eine Überarbeitung der "Progymnasmata" des Hermogenes (s. d.) lange Zeit dem rhetorischen Unterrichte zu Grunde gelegt wurden. Bekannt ist besonders die nach ihm benannte "Chria Aphthoniana" (s. Chrie). A.' Schrift ist u. a. herausgegeben in der Sammlung der "Rhetores graeci" von Walz, Bd. 1 (Stuttg. 1832), und Spengel, Bd. 2 (Lpz. 1854), auch oft besonders, z. B. von Petzholdt (ebd. 1839).

Apĭa, Hauptstadt der Samoa-Inseln, an der Nordküste der Insel Upolu am Apiahafen und am Fuße des Apiaberges, der fast bis zum Strande herantritt, besteht aus einer sich um den Hafen hinziehenden Straße, in der größere und kleinere, teilweise in Gärten liegende Häuser der etwa 250 Europäer mit den Hütten der Eingeborenen abwechseln. A. zerfällt in drei Quartiere, die langgestreckte schmale Halbinsel Molinu, Sowalola und Matafele; ersteres Quartier mit der Hütte des Königs, dem Grabe der 1888 gefallenen deutschen Seeleute, dem amerik. und deutschen Konsulat (für die Schiffer-, Tonga- und die übrigen Inseln der Südsee) und der Südsee- und Plantagengesellschaft; zu Matafele wird das engl. Konsulat, die evang. und kath.