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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Apollinaris; Apollinarisberg; Apollinarisbrunnen; Apollinariskirche; Apollinarismus; Apollinopolis; Apollo; Apollodorus

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Apollinaris (Sidonius) - Apollodorus

dagegen des Geistes; an dessen Stelle trat das Göttliche, der Logos. Seit 362 ward der Apollinarismus auf mehrern Synoden, auch auf der allgemeinen Kirchenversammlung zu Konstantinopel (381) verworfen. Inzwischen gründete A., der aus der Kirche ausgetreten war, aus seinen Anhängern zu Antiochien eine eigene Gemeinde; aber auch in Syrien und den angrenzenden Ländern verbreiteten sich die Apollinaristen schnell, errichteten zu Konstantinopel und anderwärts Gemeinden mit eigenen Bischöfen, zerfielen aber nach A.' Tode (390) und verloren sich im 5. Jahrh. teils unter den Orthodoxen, teils unter den Monophysiten. Im Zeitalter der Reformation wurde der Vorwurf des Apollinarismus wechselweise den Katholiken wegen ihrer Abendmahlslehre, den Protestanten wegen der Lehre von der Mitteilung der beiden Naturen in Christo gemacht. Von den Schriften des A. sind erst neuerdings einige unter den Schriften anderer Kirchenväter herausgefunden. - Vgl. Farabulini, Storia di S. Apollinare (2 Bde., Rom 1874); Dräseke in den "Jahrbüchern für prot. Theologie" (1883, 1884, 1887): ders., Apollinarios von Laodicea. Sein Leben und seine Schriften (Lpz. 1892).

Apollinaris Sidonius, s. Sidonius Apollinaris.

Apollinarisberg, s. Remagen.

Apollinarisbrunnen, eine 1853 entdeckte alkalisch-salinische Quelle (0,955 g kohlensaures Natrium in 1 l) in der Gemeinde Heppingen (s. d.), 1,5 km unterhalb Neuenahr, auf dem linken Ahrufer, ist reich an Kohlensäure und als beliebtes erfrischendes Tafelgetränk von großem Ruf. Seit 1878 ist der Alleinverkauf desselben der "Apollinaris Company limited" in London mit Zweigcomptoir in Remagen am Rhein übertragen; der Versand beträgt etwa 10 Mill. Flaschen und Krüge jährlich.

Apollinariskirche, s. Remagen.

Apollinarismus, Apollinaristen, s. Apollinaris.

Apollinopolis, Name mehrerer ägypt. Städte. 1) A. Magna, südlich von Theben auf dem linken Nilufer gelegen, bei dem heutigen Edfu. Die Stadt hieß in alter Zeit Debhot. Es war die Hauptstadt des zweiten oberägypt. Gaues und gab ihm in griech. Zeit auch den Namen des apollinopolitischen. Hier hatte einst der Gott Horus in Gestalt einer geflügelten Sonne den ersten Sieg über seinen Feind, den Set, errungen, und hier erhob sich deshalb auch das Heiligtum dieses Gottes. Es ist dies der am vollständigsten erhaltene ägypt. Tempel. Er wurde von Ptolemäus Philopator I. gegründet, und zwar, wie die Inschriften erweisen, an Stelle eines ältern Tempels. Er ist wichtig durch zahlreiche astron. Darstellungen sowie durch eine Reihe von Inschriften an der Außenseite der um den Tempel herumlaufenden Umfassungsmauer, in denen der gesamte Tempelbesitz an Äckern nach ihrer genauen topogr. Lage und ihren detaillierten Vermessungen angegeben ist. - Vgl. Lepsius, über eine hieroglyphische Inschrift am Tempel von Edfu (Berl. 1855). - 2) A. Parva, lag wenig unterhalb Theben auf dem rechten Nilufer; ihr ägypt. Name war Kôs (Kôs-Berber), der noch im heutigen Namen Qûs erhalten ist. Von den Ruinen der alten Stadt ist fast nichts mehr vorhanden. - 3) A., Stadt in Mittelägypten auf dem linken Ufer des Nils, vom Volke Kós-Kam genannt, ein Name, der sich im Koptischen und noch jetzt bei den Arabern findet.

Apollo (Parnassius Apollo L.), einer der schönsten Tagschmetterlinge Europas, der vorzugsweise in den Alpen von 100 m Höhe an, in Südskandinavien in der Ebene sich findet. Die Gattung Parnassius, der dieser Schmetterling angehört, charakterisiert sich durch die harten, lederartigen, halbdurchsichtigen Flügel, die an den Ecken abgerundet sind und durch die kurzen, dicken Fühler. Die Augen sind glatt, dick, mit kleinen Höckern versehen, auf denen kurze Borsten stehen. Das befruchtete Weibchen hat als Zeichen der vollzogenen Begattung am Hinterleib einen eigentümlich hornigen Apparat, die Begattungstasche. Der erste Halsring der Raupe hat einen fleischigen Tastfaden in Form eines V. Die Puppen sind kegelförmig, dick, wie mit bläulichem Staube gepudert, liegen an der Oberfläche der Erde, durch leichte Seidenfäden in horizontaler Lage befestigt. Die Arten leben in den Gebirgen Europas, Sibiriens, Kamtschatkas, Indiens und in den Felsgebirgen Nordamerikas. Der A. ist durchscheinend weiß, mit schwarzen Flecken auf den Vorderflügeln und zwei roten Augenflecken auf den Hinterflügeln. Er fliegt im Hochsommer auf den Bergweiden. Die sammetschwarze, rotgefleckte, auf dem Rücken eines jeden Ringes mit zwei stahlblauen Warzen gezierte Raupe lebt im Mai und Juni an Sedum album.

Apollo, griech. Gott, s. Apollon.

Apollodorus, Maler aus Athen, der zur Zeit des Peloponnesischen Krieges lebte, ist durch Vervollkommnung des Kolorits, durch Einführung der eigentlich malerischen Behandlung mittels Abstufung der Farben nach Licht und Schatten bedeutend.

Apollodorus, griech. Grammatiker, in der zweiten Hälfte des 2. Jahrh. v. Chr., schrieb ein Werk über die Götter, einen Kommentar über den Schiffskatalog der Ilias und andere Kommentare, ferner in iambischem Versmaß eine allgemeine Geographie sowie eine bis auf seine Zeit reichende Chronik. Das unter A.' Namen gehende, "Bibliothek" betitelte mytholog. Werk, das in drei Büchern eine nach Stammbäumen geordnete Zusammenstellung der Mythen von den Göttersagen an bis zu der Sage von Odysseus' Irrfahrten enthält, galt für einen Auszug aus einem größern Werke des A. Es ist aber ein Schulbuch eines unbekannten Verfassers, wohl aus dem 2. Jahrh. n. Chr., während von den Schriften des A. nur Bruchstücke übrig sind. Gute Ausgaben der "Bibliothek" von Heyne (2.Aufl., 2 Bde., Gött. 1803), Müller in den "Fragmenta historicum Graecorum", Bd. 1 (Par. 1841), Westermann in "Mythographi graeci" (Braunschw. 1842), Bekker (Lpz. 1854), Hercher (Berl. 1874), Wagner in den "Mythographi graeci", Bd. 1 (Lpz. 1894); Übersetzung von Moser (Stuttg. 1828). - Vgl. Robert, De Apollodori bibliotheca (Berl. 1873); Münzel, De Apollodori περαὶϑεῶν libris (Bonn 1883); R. Wagner, Epitoma Vaticana ex Apollodori bibliotheca (Lpz. 1891). Die Fragmente des ältern A. finden sich bei Heyne und Müller.

Apollodorus, Baumeister, geb. zu Damaskus, lebte zur Zeit der Kaiser Trajan und Hadrian. Er erbaute 104 n. Chr. eine Brücke über die Donau, etwa 15 km unterhalb des Eisernen Thors (s. d.). Auch ist er der Erbauer des Forum Trajanum mit der darauf befindlichen Säule. Als er seinem Spott über Hadrians Dilettantenkünste Ausdruck gegeben hatte, wurde er in die Verbannung geschickt, und als er den ihm zugesandten Grundriß des Kaisers zum Tempel der Venus und Roma scharf tadelte, zum Tode verurteilt. Eine Abhandlung A.' über Be-^[folgende Seite]