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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Apollonia; Apollonikon; Apollonius

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Apollonia - Apollonius (von Rhodus)

Klaros bei Kolophon in Ionien und zu Patara in Lycien mit ihren ursprünglich ungriech., aber von den griech. Ansiedlern mit A. identifizierten Gottheiten. Auch ist A. als Abwehrer alles Übels der hauptsächlichste Sühngott, zu dessen Altären sich der Sühne wegen die von Blutschuld Befleckten flüchten. Endlich wird A., der Urheber und Schützer aller bürgerlichen und staatlichen Ordnung, als Städtegründer und Gesetzgeber betrachtet. So verehrte man in Athen den väterlichen A. (Apollon Patroos) als Stammgott und Beschützer des ion. Stammes überhaupt; so führten die Spartaner ihre von Lykurgos gegebene Verfassung auf den A. und sein Orakel in Delphi zurück, und wenn irgend ein griech. Staat eine Kolonie gründen wollte, so pflegte er sich vorher beim Delphischen Orakel Rats zu erholen und die beim Beginn des Frühlings aufbrechenden bewaffneten Kolonistenscharen dem Frühlings- und Kriegsgotte A. zu befehlen. Genau dieselbe Sitte findet sich als ver sacrum im Kulte des italischen Mars (s. d.) ausgeprägt. - Die Attribute des A. waren: der Wolf, Habicht, Schwan, Rabe, Geier, Delphin, Greif, die Maus, Heuschrecke und Eidechse (s. Fig. 2, Apollon Sauroktonos, d. i. Eidechsentöter, wahrscheinlich die Kopie einer Statue des Praxiteles) sowie der Lorbeer; Wolf, Habicht und Lorbeer lassen sich auch als Attribute des Mars nachweisen. - Vgl. Röscher, Studien zur vergleichenden Mythologie der Römer und Griechen. I. A. und Mars (Lpz. 1873); Milchhöfer, über den attischen A. (Münch. 1873); Sehrwald, Der Apollonmythus (Berl. 1895).

^[Fig. 2]

Die Römer haben den Kultus des A. früh von den griech. Pflanzstädten Unteritaliens aufgenommen und bald zu hoher Bedeutung in der Staatsreligion gebracht. Man hat den Gott in Rom ebenso wie in Griechenland als den Urquell aller Reinheit, Klarheit und Ordnung, insbesondere als Heil- und Sühngott, als Gott der Musik und der Weissagung in zahlreichen Tempeln verehrt, unter denen namentlich der von Augustus nach dem Siege bei Actium (31 v. Chr.) gestiftete auf dem palatinischen Hügel hervorzuheben ist. Ja auch nördliche, namentlich kelt. Völkerschaften haben manche ihrer einheimischen Göttergestalten mit dem griech.-römischen A. identifiziert, daher man noch öfter in röm. Inschriften auf gallischem und german. Boden den A. mit barbarischen Beinamen, wie Belenus, Grannus findet. Ein schönes Bild des Übel abwehrenden A. ist die Mittelfigur im Westgiebel des Zeustempels zu Olympia. Die entwickelte Kunst stellte A. als Ideal männlicher Jugendschönheit dar, bartlos, mit langem, bald über den Nacken herabwallendem, bald aufgenommenem und oben in einen Knoten gebundenem Haar, mit schlankem Wuchs und dem Ausdruck reiner göttlicher Hoheit im Antlitz, gewöhnlich, besonders wenn ihm Bogen und Köcher beigegeben sind, bloß mit einem kurzen, über den Rücken herabhangenden Umwurf (Chlamys), bisweilen, wenn er als Kitharaspieler und Führer der Musen erscheint, mit langem, bis auf die Füße herabwallendem Gewände bekleidet (s. Fig. 1). Das Haupt ist nicht selten mit einem Lorbeerkranze geschmückt (s. Fig. 1); öfters ist ihm der Dreifuß als Symbol der Weissagung beigegeben. Eine der berühmtesten Statuen ist die des A. vom Belvedere (s. Tafel: Griechische Kunst III, Fig. 7) im Vatikan zu Rom, eine aus der ersten röm. Kaiserzeit herrührende Nachbildung einer Bronzestatue, welche den Gott als Helfer in der Not (Boedromios) darstellt; man hat sie auf das in Delphi zum Gedächtnis an die Hilfe A.s gegen die Gallier (279 v.Chr.) aufgestellte Weihgeschenk bezogen. Eine dem A. vom Belvedere an Alter etwas überlegene Kopie desselben Originals ist in dem sog. Steinhäuserschen Kopfe im Museum zu Basel erhalten (s. Fig. 3). Eine Statue aus der ältern Kunstperiode, die ihn in steifer Haltung zeigt, ist der A. von Tenea in München (s. Tafel: Griechische Kunst II, Fig. 2). - Vgl. Overbeck, Griech. Kunstmythologie, 3. Bd., 5. Buch, Apollon (Lpz. 1887-89); Freericks, Der Apoll von Belvedere (Paderb. 1894).

^[Fig. 3]

Apollonia, Name mehrerer Städte im Altertum. 1) A. in Illyrien, nördlich vom Flusse Aous (jetzt Vojuca), etwa 10 km von dessen Mündung in das Adriatische Meer, war eine korinth.-corcyräische Kolonie im Gebiete der Taulantier. Von den Illyriern bedrängt, begab sie sich im 3. Jahrh. v. Chr. in den Schutz der Römer. Die geringen Reste der Stadt finden sich bei dem heutigen Kloster Poiani im Westen von Berat. - 2) A. in Thrazien, am Pontus, eine wichtige Kolonie der Milesier, mit zwei Häfen und einem berühmten Tempel des Apollon, dessen kolossale Bildsäule Lucullus nach Rom brachte. In der röm. Kaiserzeit sank die Blüte der Stadt, die unter den Byzantinern den Namen Sozopolis erhielt. Jetzt heißt der unbedeutende Ort Sizeboli. - 3) A., Küstenstadt in Nordafrika, Hafen der alten Stadt Kyrene und Geburtsort des Geographen Eratosthenes. In der spätern rom. Kaiserzeit hieß es Sozusa, woraus der heutige Name Marsa Suza entstanden ist. - 4) A. in Palästina, 22 röm. Meilen südlich von Cäsarea. Die Stätte trägt heute die Ruinen der Kreuzfahrerfestung Arsuf, 17 km nördlich von Jaffa.

Apollonia, die Heilige, erlitt unter dem Kaiser Decius (249) in Alexandria den Märtyrertod. Sie wird bei Zahnschmerzen angerufen (weil ihr nach der Legende in ihrem Martyrium auch die Zähne ausgebrochen wurden). Gedächtnistag ist der 9. Febr.

Apollonikon und Apollonion, Musikinstrumente der Engländer Flight und Robson (Anfang des 19. Jahrh.), die durch Verbindung von Orgel- mit andern Klängen (Pianoforte, Trompeten) das Orchester nachahmten, Vorläufer der Orchestrions (s. d.).

Apollonius von Rhodus, der bedeutendste Epiker der alexandrinischen Zeit, zugleich Grammatiker, geb. um 270 v. Chr. zu Alexandria, nach andern zu Naukratis, begab sich von Alexandria, wo