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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Apomekometer - Apostasie

gabe (die Quartausgabe) wiederholt. Die A. d. A. K., ursprünglich eine Privatschrift, wurde 1537 auf dem Konvent zu Schmalkalden von den evang. Ständen unterschrieben und dadurch als symbolische Schrift anerkannt. Der Lehrentwicklung nach gehört sie noch in diejenige Periode des Protestantismus, in der die Verständigung mit den Katholiken nicht ausgeschlossen schien, der Unterschied luth. und melanchthonischer Lehrweise noch nicht hervorgetreten war, doch fanden strenge Lutheraner manche Wendungen darin anstößig. - Vgl. Plitt, Die Apologie der Augustana geschichtlich erklärt (Erlangen 1873).

Apomekometer (grch.), Instrument zum Messen der Entfernungen; Distanzmesser.

Apomorphin, eine organische Base, die sich beim Erhitzen von Morphin (s. d.) mit konzentrierter Salzsäure bildet. Sie erscheint als eine weiße amorphe Masse, die sich an der Luft grün färbt. Die physiol. Wirkungen des A. sind ganz verschieden von denen des Morphins, selbst in sehr kleiner Dose bewirkt es schnell Erbrechen und Abgespanntheit, die rasch vorübergeht, ohne üble Folgen zu hinterlassen. Das salzsaure A. (Apomorphinum hydrochloricum) ist seit 1882 (2. Ausg. der Deutschen Pharmakopöe) offizinell. Es bildet weiße oder grauweiße kleine Krvstalle, die mit etwa 40 Teilen Wasser oder Weingeist neutrale Lösungen geben; es ist vorsichtig und vor Licht geschützt aufzubewahren.

Aponeurosen (grch.) nennt man in der Anatomie gewisse innere Häute (Membranen), welche aus Bindegewebe bestehen und den Muskeln entweder zur Umhüllung oder zur Anheftung dienen. Die Umhüllungs-Aponeurosen (fasciae) finden sich vorzüglich an den Extremitäten unmittelbar unter der äußern Haut, umschließen das Glied straff und dienen dazu, die Muskeln besonders bei ihrer Zusammenziehung in ihrer Lage zu erhalten. Die Anheftungs- (Insertions-) Aponeurosen sind eigentlich bandförmige Sehnen und befinden sich, wie diese, an den Enden der Muskeln, welche dadurch an die Knochen befestigt werden, oder sie unterbrechen die Kontinuität der Muskeln an verschiedenen Stellen und heften die einzelnen Muskelbäuche zusammen. Das Gewebe der A. ist glänzend weiß, arm an Blutgefäßen und Nerven. Sie veranlassen häufig Eitersenkungen, da sie wegen ihrer großen Festigkeit den Eiter oftmals nicht durchlassen.

Apophthegma (grch.), kurzer treffender Sinnspruch, z. B. "Wissen ist Macht". Schon im Altertum hatte man Sammlungen solcher Aussprüche, von denen einige fälschlich unter Plutarchs Namen gehen. Später wurde die berühmte Sammlung Zincgrefs (s. d.) viel gelesen. - Vgl. Apophthegmata. Eine Sammlung der üblichsten Citate, Schlagworte und Redensarten, von Hack (Halle 1889). - Apophthegmatisch, kurz und zugleich geistvoll.

Apophyllit, Ichthyophthalm (Fischaugenstein, wegen des Perlmutterglanzes auf der basischen Spaltungsfläche), auch Albin, ein zur Familie der Zeolithe gehöriges Mineral, das im tetragonalen System, meist in der Kombination von Pyramide und Deuteroprisma, krystallisiert (s. beistehende Abbildung), die Härte 4-5 und das spec. Gewicht 2,3 bis 2,46 hat. Der A. ist weiß, mitunter ins Rötliche spielend, durchscheinend bis durchsichtig, glas- und perlmutterglänzend, und besteht aus kieselsaurem Kalk, Fluorkalium und Wasser. Man findet ihn hauptsächlich auf Erzlagerstätten (Andreasberg, Oravicza, Eziklova), ferner auch in Hohlräumen von vulkanischen Gesteinen in Böhmen, auf den Färöer und endlich im Fassathal in Tirol.

^[Abb.]

Apophyse (apophysis, grch.), in der vergleichenden Anatomie die obern und untern Enden der Röhrenknochen, welche ihre eigene Verknöcherungskerne haben, daher gewissermaßen selbständige, sekundär mit dem Mittelstück (der Diaphyse) verwachsene Knochenstücke sind. Die obern, den Rückenmarkskanal der Wirbeltiere seitlich und oben bildenden Bogenfortsätze der Wirbel werden Neurapophysen, die bei einigen, besonders Fischen auftretenden untern, welche die Aorta umschließen, Hämapophysen genannt. Die Querfortsätze der Wirbel heißen auch Pleurapophysen. In der Entomologie heißt der untere zweite Schenkelring zwischen Hüfte und Schenkel ebenfalls A. In der beschreibenden Botanik bezeichnetet A. sehr verschiedenartige Dinge. So nennt man z. B. die knopfartigen Verdickungen auf den Zapfenschuppen der Kiefern A., ferner werden die bei manchen Moosen häufig vorkommenden Anschwellungen der Seta direkt unterhalb der Kapsel oder Büchse als A. bezeichnet. Der Ausdruck A. ist botanisch übrigens wenig gebräuchlich. In der Geologie ist Apophyse soviel wie Trum (s. d.)

Apoplexie (grch.), die plötzliche, schlagähnlich eintretende Leistungsunfähigkeit des Gehirns, s. Schlagfluß. Im weitern Sinne nennt man jeden Bluterguß in irgend welchem Organ ebenfalls A., spricht also auch von Lungenapoplexie, Nierenapoplexie, Hautapoplexie (d. i. Sugillation). In letzterm Sinne ist A. gleichbedeutend mit blutigem Extravasat (s. d.).

Aporetiker (grch.), s. Skepsis.

Aporti, Ferrante, ein um das Erziehungswesen verdienter ital. Geistlicher, geb. 1792 zu San Martillo dell' Argine (Provinz Mantua), war von dem Bischof seiner Diöcese Cremona 1820-23 zur Erweiterung seiner Bildung nach Wien entsendet worden, und trug nach seiner Rückkehr am Seminar zu Cremona biblische Exegese vor. Mitteilungen über die Bemühungen um Erziehung armer und vernachlässigter Kinder in Amerika veranlaßten ihn 1833, auf eigene Kosten Kleinkinderschulen zu errichten, zuerst auf seinem Familiengut, dann in Cremona, Brescia, Mailand. 1845 als Professor der Pädagogik nach Turin und von Karl Albert Dez. 1848 in den Senat berufen, wurde er mit der Leitung der Turiner Universität betraut. A. starb 29. Dez. 1858.

Aposaturnium (grch.-lat.), s. Apsiden.

Aposiopesis (grch., "Verstummen"), bei den Römern reticentia, heißt in der Poetik und Rhetorik das Abbrechen in der Mitte eines Satzes, wobei man also einen Teil des Gedankens unterdrückt und dem Zuhörer zur Ergänzung überläßt. Berühmt ist die A. in Virgils Äneide 1, 139: "Quos ego!"

A posse ad esse (lat.), von der Möglichkeit auf die Wirklichkeit (schließen), s. Ab esse ad posse.

Apostasie (grch.), der Abfall vom religiösen Glauben, demnach Apostaten (Abtrünnige), die von ihrem religiösen Glauben Abgefallenen. Vom Standpunkt der verlassenen Religionspartei aus gilt der Name Apostat als beschimpfend. (S. Renegat.) Die in den Verfolgungen vom Christentum Abgefallenen wurden Lapsi (s. d.) genannt. In der ältern Zeit wurden die Abtrünnigen exkommuniziert, in schwerern Fällen für immer, in leichtern auf eine