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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Apostolikon - Apostolische Konstitutionen und Kanones

Buße predigend das Land durchzog, um die apostolische Einfachheit in der Kirche wiederherzustellen. Das Einschreiten der Päpste trieb die A. zu immer schärferer Opposition, so daß sie nach den Bildern der Apokalypse den Untergang des Papsttums voraussagten. Segarelli ward 1294 gefangen und 1300 verbrannt. An die Spitze der Partei trat jetzt Fra Dolcino aus Mailand und seine Freundin Margarete. In seinen prophetischen Sendschreiben verkündete er für das Jahr 1303 den Beginn der durch ihn eingeleiteten vierten Weltperiode, die bis ans Ende der Welt dauern solle; sie kehrt zurück zur apostolischen Ordnung des Lebens, allem irdischen Besitz wird entsagt, die Ehe durch rein geistige Gemeinschaft von Mann und Frau, alle äußern Vorschriften und Gebräuche durch den freien Geist der Liebe ersetzt. Gegen die Inquisition hielt Dolcino die Lüge wie die Gewalt der Waffen für erlaubt und unternahm 1304 mit etwa tausend Mann einen kühnen Raubzug durch Oberitalien, bis er einem Kreuzheer des Bischofs von Vercelli 1307 erlag und den Feuertod erlitt. Bis 1368 zeigten sich in der Lombardei und im südl. Frankreich Reste der A.; auch verbanden sie sich oft mit den Fraticellen (s. Franziskaner) und Begharden (s. Beghinen). - Vgl. Krone, Fra Dolcino und die Patarener (Lpz. 1844); Döllinger, Beiträge zur Sektengeschichte (Münch. 1889-90).

Apostolikon, seit den ersten Sammlungen neutestamentlicher Schriften Name desjenigen Teils, der die Briefe von Aposteln, besonders die des Paulus umfaßte. Schon Marcion (s. d.) nannte seine paulinische Briefsammlung A.

Apostolikum, das Apostolische Symbolum (s. d.).

Apostolisch, alles was von den Aposteln unmittelbar herkommt oder deren Charakter an sich trägt. Beides vermag die Eigenschaft der Apostolicität zu begründen. Die kath. Kirche nennt sich in diesem doppelten Sinne apostolische Kirche; in neuern Urkunden, so im bayr. und österr. Konkordat, ist der offizielle Titel: ecclesia catholica apostolica romana. Die apostolische Tradition (s. Tradition) leitet sich als Überlieferung ebenfalls von den Aposteln her; ihre ersten Urkunden, doch nur teilweise direkt apostolischen Ursprungs, liegen vor in den apostolischen Briefen des Neuen Testaments (den 13 Paulinischen Briefen, dem Hebräerbriefe und den 7 sog. kath. Briefen), von denen die Echtheit der Briefe an die Römer, Korinther und Galater von der überwiegenden Mehrzahl der kritischen Theologen anerkannt und erst ganz neuerdings nach dem Vorgange Bruno Bauers von einer holländ. Theologenschule bezweifelt wird.

Apostolische Briefe, s. Apostolisch.

Apostolische Gemeinden, diejenigen christl. Gemeinden, die ihren Ursprung auf unmittelbare apostolische Stiftung zurückführten, unter den größern und einflußreichern namentlich die von Jerusalem, Antiochia, Ephesus, Korinth, Rom und Konstantinopel. Doch ist die apostolische Stiftung von Rom und Konstantinopel jedenfalls, von Antiochia wenigstens in dem Falle zu bestreiten, wenn man den Apostelnamen auf die Zwölf und auf Paulus beschränkt. Gemeinden, die von Petrus, Johannes, Andreas oder irgend einem andern der Zwölf gestiftet worden wären, sind außerhalb Palästinas überhaupt nicht nachweislich. Doch hat die spätere Tradition, welche die Bischöfe als Nachfolger im apostolischen Amte betrachtete, mehrern Gemeinden Apostel zu ihren erstem Bischöfen gegeben, sie also zu apostolischen Sitzen gemacht. Namentlich die schon im 2. Jahrh. auftauchende Behauptung, daß Petrus erster Bischof in Rom gewesen, hat die Bischöfe dieser Gemeinde vorzugsweise mit apostolischem Ansehen geschmückt, und mit dem zunehmenden kirchlichen Einflusse Roms im Abendlande wurde der Name "apostolisch" immer ausschließlicher auf dieses übertragen. Als A. G. bezeichnen sich auch die Irvingianer (s. d.).

Apostolische Kammer (lat. camera apostolica), früher das päpstl. Finanzministerium, auch ausgestattet mit anderweitigen Regierungsbefugnissen; jetzt ist das päpstl. Finanzwesen anders organisiert.

Apostolische Kanzlei (lat. cancellaria apostolica) in Rom, besorgt die Ausfertigung von päpstl. Bullen, während die Breven in einer besondern Kanzlei (secretaria brevium) ausgefertigt werden; die cancellaria wird geleitet von dem Kardinal von San Lorenzo in Damaso als "Vicekanzler".

Apostolische Kirche, s. Apostolisch.

Apostolische Kirchenordnung, zur Pseudo-Clementinischen Konstitutionenlitteratur (s. Apostolische Konstitutionen und Clemens Romanus) gehörige, zuerst von Bickell griechisch in "Geschichte des Kirchenrechts", Bd. 1 (Gieß. 1843) herausgegebene, für die Quellenkritik nicht unwichtige Schrift, deren Grundlage in ihrem ersten Teile die Didache (s. d.) und zwar in einer ältern ägypt. Form ist, während ihr weitere Quellen aus älterer Zeit als Bearbeitungsstoff vorgelegen zu haben scheinen. - Vgl. Harnack, Die Quellen der sog. A. K. (Lpz. 1886).

Apostolische Kleriker, s. Theatiner.

Apostolische Konstitutionen und Kanones, Aufzeichnungen der für apostolisch gehaltenen kirchlichen Ordnungen in der Form apostolischer Vorschriften. Dahin gehören die Bestimmungen über Rangverhältnisse, Rechte und Obliegenheiten der Kleriker, ihre Wahl und Weihe, über kirchliche Festzeiten, Fasten, Gebete und Gottesdienstordnung, über die Verwaltung der Taufe und des Abendmahls, über die Katechumenen, Witwen, Waisen und Märtyrer u. s. w. Alle diese Anordnungen gehen auf die Traditionen der ältesten Kirche zurück, wurden aber im Laufe der Zeit vielfach umgestaltet und erweitert. Die gewöhnliche, unter dem Namen "Constitutiones apostolicae" verbreitete, der Sage nach von Clemens Romanus herrührende Sammlung ist in acht Bücher eingeteilt; sie besteht aus drei selbständigen Sammlungen, von denen die erste das erste bis sechste, die zweite das siebente, die dritte in einem sehr verderbten Texte überlieferte das achte Buch umfaßt. Ähnliche Sammlungen sind in kopt., äthiop. und syr. Sprache erhalten. Der Grundstamm ist jetzt in der sog. Didache (s. d.) wieder entdeckt. Sie liegt dem siebenten Buche vielfach wörtlich zu Grunde. Die größere griech. Sammlung (Buch 1-6) ist Bearbeitung der sog. "Didaskalia der Apostel", welche wahrscheinlich in einer syr. Übersetzung (hg. von Lagarde, Lpz. 1854) noch erhalten ist und aus dem 3. Jahrh. stammt. Ihre gegenwärtige Gestalt können wenigstens die griech. Konstitutionen nicht vor der Mitte des 5. Jahrh. erhalten haben. Die "Canones apostolici" fassen die Bestimmungen der Kirchenordnung in kurzen Sätzen zusammen. Von der jetzigen Sammlung sind die ersten 50, namentlich unter Zugrundelegung der in der Kirche von Antiochia gültigen Verordnungen, um die Mitte des 5. Jahrh. entstanden und wurden Ende des 5. oder 6. Jahrh. von Dionysius Exiguus ins Lateinische