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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Appretur

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Appretur'

Von besonderm Einfluß ist für die Wahl des Appreturverfahrens die Art der Gewebfaser, insofern Pflanzenfasern meist eine andere Behandlung erfordern als die tierischen. Im besondern betreffen die Zurichtungsarbeiten der Gewebe:

a. Die Entfernung fester, an dem Gewebe haftender Fremdkörper durch mechan. Auszupfen derselben (Noppen), durch Zerstörung mit chemisch wirkenden Mitteln (Karbonisieren) oder durch Behandlung in alkalischen Laugen (Waschen, Schweifen, Walken, Prätschen, Pantschen, Spülen).

b. Die teilweise oder vollständige Abscheidung von Flüssigkeiten aus dem Gewebe entweder auf mechan. Wege durch Pressen, Wringen, Centrifugieren, Ausschleudern, oder durch einen erwärmten Luftstrom (Trocknen).

c. Die Umänderung der physik. Beschaffenheit der Gewebe,

  • 1) des Gefüges und der Dichte durch Verfilzen der die Gewebefäden bildenden Elementarfasern (Walken der Streichwollgewebe, s. Tuchfabrikation und Walken), oder durch gegenseitige Verschiebung der Gewebefäden (Kreppen [s. d.] oder Krausen der Seiden- und Wollengewebe);
  • 2) der Dichte, Steifheit und des Gewichts durch Anwalken von Scherhaaren, Tränken oder Imprägnieren mit Stärke, Gummi, Harz, Leim u. s. w., sowie Füllung der Gewebeporen mit Mineralpulvern, wie Schwerspat, Gips, Alaun, Speckstein u. dgl.;
  • 3) der Wasserdurchlässigkeit, Entzündbarkeit u. s. w. durch Tränken mit Öl, Harz, Pech, Kautschuklösung oder Metallsalzen, Wasserglas, Borsäure, Chlormagnesium u. a. Chemikalien.

d. Die Abänderung der Oberflächenbeschaffenheit der Gewebe

  • 1) durch Emporheben der Einzelfasern zum Zweck der Bildung einer dichten, sammetartigen Haardecke (Rauhen, Bürsten, Klopfen);
  • 2) durch Abgleichen oder Entfernen von aus der Gewebefläche hervortretenden Fasern (Scheren und Sengen);
  • 3) durch teilweise Verfilzung der sammetartigen Haardecke von Wollgeweben zum Zweck der Bildung von regel- oder unregelmäßig angeordneten Knötchen, erhabenen Wellenzügen u. s. w., wie sie dem Ratiné, Perlé, Flocconné und andern dicken Winterstoffen eigen sind (Ratinieren oder Frisieren);
  • 4) durch Glatt- und Glanzpressen der Gewebe mittels Mangens, Pressens, Kalandrierens, Moirierens oder Aufprägens von Reliefmustern mittels des Gaufrierens; endlich
  • 5) durch Entfärbung oder Färben der Gewebe mittels der Bleich-, Färb- und Druckverfahren.

e. Die Überführung der Gewebe in die für den Handelsverkehr geeignete Form durch Ausmessen und Zusammenlegen der Warenstücke.

Gegenwärtig werden die meisten der Zurichtungsarbeiten mit Hilfe mechan. Einrichtungen, der Appreturmaschinen, ausgeführt. Auf den beigegebenen Tafeln: Appreturmaschinen I und II sind einige viel benutzte Vertreter dieser Maschinen.

Die zum Waschen der Gewebe (s. Wäsche) dienenden Waschmaschinen werden nach ihrer Konstruktionsform unterschieden in Trommelwaschmaschinen oder Waschräder, Breitwaschmaschinen, Strangwaschmaschinen und Hammerwaschmaschinen. Taf. I, Fig. 1 zeigt eine Trommelwaschmaschine von O. Schimmel + Comp. in Chemnitz. Die cylindrische, innen verzinnte kupferne Waschtrommel a, die das Gewebe und die Waschflüssigkeit aufnimmt, ist derart gelagert, daß ihre ↔ Drehungsachse b c mit der geometr. Achse einen spitzen Winkel einschließt. Das Gewebe wird durch die von dem Deckel d bedeckte Öffnung eingetragen und infolge der Lagerung der Trommelachse bei der Drehung der Trommel beständig in deren Längenrichtung hin und her geschleudert. Um das Verschlingen der Gewebestücke zu verhüten, wird die Drehungsrichtung der Trommel durch Vermittelung der Vorgelegeräder h i und wechselweisen Antrieb der Festscheibe e durch einen offenen und einen gekreuzten Riemen periodisch gewechselt. Das Einrücken des betreffenden Riemens geht von einem als Zählwerk für die Trommeldrehungen dienenden Schraubenradgetriebe k aus, das Umschlaggewicht l hält den betreffenden Riemen auf der Scheibe. Bei b befindet sich die Einlaßöffnung für Dampf, Wasser und Seifenlösung, bei c ist der Ausfluß der gebrauchten Waschflüssigkeit angebracht. Nach etwa 30 Minuten ist der Waschprozeß beendet. Um die Trommel zu entleeren, dreht man sie mittels der Kurbel m, bis die Öffnung d nach unten kommt. Die Breitwaschmaschinen (Taf. I, Fig. 2) sind besonders für das Waschen feiner, minder fester Stoffe (Kattun, Tüll, leichte Wollenstoffe u. a.) bestimmt. Das Gewebe wird in denselben, voll ausgebreitet, mittels horizontal und in verschiedenen Höhen gelagerter Leitwalzen a b durch mehrere aneinander stoßende Waschtröge c¦ c¦¦ c¦¦¦ im Zickzacklauf geführt. Oberhalb der Trennungswand zwischen zwei Trögen ist je ein Preßwalzenpaar d¦ d¦¦ angeordnet, welches das Gewebe beim Übergang von einem Trog in den benachbarten von der Waschflüssigkeit befreit. Das aus dem letzten Preßwalzenpaar d¦¦¦ austretende Gewebe wird durch das Legpendel f zu einem Stoß gehäuft. Um die Leistung der Maschine zu erhöhen, tritt die Waschflüssigkeit in den letzten Trog c¦¦¦ ein und fließt allmählich den folgenden zu, also dem Gewebe entgegen. – Für schwerere Stoffe, z. B. Flanell, wollene Damenkleiderstoffe, Tuche, bedient man sich der Strangwaschmaschinen, Walzenwaschmaschinen oder Walzenwalken. In diesen durchläuft das der Länge nach zusammengefaltete, zuweilen durch Zusammennähen der Enden zu einem geschlossenen Ring umgebildete Stoffstück abwechselnd einen die Waschflüssigkeit enthaltenden Trog und oberhalb desselben ein oder mehrere, abwechselnd liegend und stehend gelagerte Preßwalzenpaare, wie dies z. B. bei der in Taf. I, Fig. 3 gezeichneten Universalwalkmaschine von L. Ph. Hemmer in Aachen der Fall ist. – Für noch intensivere Bearbeitung sind die Hammerwaschmaschinen, Hammerwalken oder Kurbelwalken (Taf. I, Fig. 5) bestimmt. Hier gleiten zwei (oder mehr) pendelartig aufgehängte Hämmer a, wenn sie durch die Kurbelgetriebe b c in Schwingung versetzt werden, in einem cylindrisch ausgehöhlten Troge d, der sowohl die durch Dampf erwärmbare Waschflüssigkeit als das zu einem Paket zusammengelegte Gewebe enthält. Früher erfolgte die Bewegung der Hämmer ausschließlich durch Hebedaumen, so daß dieselben, lediglich durch ihr Eigengewicht herabfallend, stoßend auf das Gewebepaket wirkten (Stoßwalken, Pantsch- oder Prätschmaschinen).

Zum Entwässern der Garne und Gewebe ist das Ausschleudern oder Centrifugieren das vorzüglichste Verfahren, da es sowohl die Stoffe am meisten schont, als auch die Abscheidung der Flüssigkeit am raschesten und vollkommensten bewirkt. Versuchen mit verschiedenen Garnen zufolge enthielten diese

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 762.